- Ach wie gemütlich, aber was ist mit den Wischern los?
- So schick, und doch so praktisch
- Genug Spaß am Fahren und viel zu sehen
- Das ist der Dauertest-Kandidat Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200
Dieser Artikel wächst mit dem Kilometerstand des Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200. Die neuesten Einträge stehen immer ganz oben, ältere wandern somit nach unten. Über das ausklappbare Inhaltsverzeichnis können Sie schnell zwischen den einzelnen Kapiteln wechseln.
Ach wie gemütlich, aber was ist mit den Wischern los?
16.01.2025, KM 48.500, Heinrich Lingner
Seit genau einem Jahr bereichert nun der ironblaue Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 den Testwagen-Fuhrpark. Mittlerweile hat der geräumige Hybrid-SUV beinahe 50.000 Kilometer zurückgelegt, nicht wenige davon auf Langstreckenfahrten. Allerdings kann der Antrieb mit dem knurrigen 1,2-Liter-Dreizylinder, dem Hybridmodul sowie den theoretisch möglichen 15 Übersetzungsstufen auf schnellen Autobahnetappen nicht überzeugen.
Zu den guten Seiten des Austral zählen nach wie vor die bequemen und hübschen Sitze der Iconic-Alpine-Ausstattung, die übersichtliche Navi-Darstellung im Zentraldisplay sowie das großzügige Raumangebot.

Die Kombination aus sehenswertem Gestühl und Panormadach kann schon mal betören
Was dagegen negativ auffällt: Die Sprachbedienung zeigt sich häufig erstaunlich störrisch. Und bereits ein kurzer Schneefall auf der winterlichen Schwäbischen Alb reichte, um nicht wenige der insgesamt 32 Assistenzsysteme bis zum nächsten Tankstopp auszuknipsen. Zudem überforderte das flockige Weiß die Regensensorik der Wischanlage. Entweder ratterten die Wischer hektisch hin und her, als gelte es, einen Tropenregen vom "pare-brise" zu essuieren, oder sie warteten verstockt, bis die Scheibe fast vollständig zugeschneit war. Immerhin erwiesen sich die dreistufige Sitz- und die rasch ansprechende Lenkradheizung als wintertauglich. Sogar auf dem kalten Jura souabe, wie der Franzose die Schwäbische Alb nennt.
So schick, und doch so praktisch
18.09.2024, KM 33.124, Sebastian Renz
Der Germanist weist gern darauf hin, dass sich "kein" nicht steigern lässt – sehr zu Recht, geht es um die Sinnlosigkeit der Floskel "in keinster Weise". Doch lässt sich "kein Platz" steigern. Oder ausdehnen, zumindest im Austral. Der hatte jüngst mit 33 000 km nicht nur das Drittel-problemlos-geschafft-Jubiläum, sondern schon all seine Variabilitätstricks und Raumvorkommen ausgeschöpft. So war an sich kein Platz für weiteres Gepäck. Doch dann gefiel es einem Dingsbums, dass ich hier nicht verraten kann, mir ins Auge zu fallen. Das war sperrig und groß, musste aber mit. Und kam mit.

Hier nur mit wenig Ballast. Unter dem massiven Ladeboden finden sich noch mehr Fächer.
Denn mit verschiebbarer Rückbank, unterkellertem Kofferraum und stattlichem Platzvorkommen für Passagiere passt doch immer alles rein – weswegen der Renault oft als Unterstützungs-Wagen für Fotoproduktionen unterwegs ist. Denn der Gepäckbedarf der Lichtbildner erlangt die Ausmaße kleinerer Familienumzüge. Diskreten Eilbedarf erfüllt das Antriebskonglomerat aus Dreizylinder-Turbobenziner, zwei E-Motoren und 15-Fahrmodi-Getriebe, das schon recht zügig voranhybridet. Der Verbrauch? 7,4 l/100 km.
Dynamisch? Wird es eher gelegentlich, und dann gewiss nicht wegen, sondern trotz der rückmeldungslauen, eher unpräzise, dafür überstürzt ansprechenden Allradlenkung. Immerhin wendet der Austral damit in engen Gassen einzügig. Happy Wend’ haben wir schon, bis zum Happy End sind es noch 67.000 km.
Genug Spaß am Fahren und viel zu sehen
6.06.2024, KM 25.113, Carl Nowak
Es mag in der Natur französischer Autos liegen, gewisse Dinge anders zu machen. Das kann etwa zu der tollen Handlichkeit in der Stadt führen, die der Austral mit seiner in dieser Klasse eher unüblichen Hinterachslenkung bietet. Oder der anfangs eigenartigen, aber nach kurzer Zeit ganz natürlich in die eigene Motorik übergehenden Nutzung des Bediensatelliten hinter dem Lenkrad zur Mediensteuerung. Aber warum der Austral in der Assistenzgrafik im Tachodisplay den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug in Sekunden angibt, erschließt sich noch nicht so ganz. Ob es ein Rennsportbezug ist? Schließlich tritt unser Auto in der fürstlichen Alpine-Ausstattung an.

Warum Sekunden und keine Meter? Die Antwort kennt wohl nur Renault.
Jedoch könnte man angesichts der derzeit eher mäßigen Leistung des Alpine-Formel-1-Teams darin auch den aktuellen Abstand von Esteban Ocon und Pierre Gasly zur Spitze des Feldes im Qualifying herauslesen. Viel wichtiger: Die Assistenz macht abgesehen von kurzen Orientierungspausen einen passablen Job, wie auch das Renault-Infotainment-System. Das bedient man zwar nur via Touchscreen, dafür aber auf kurzen Wegen und angenehm ruckelfrei. Die Ruckelei übernimmt der Hybridantrieb mit seiner etwas unharmonischen Leistungsentfaltung und dem brummigen, vibrierenden Dreizylinder. Auf der anderen Seite: knackige Anfahrbeschleunigung in der Stadt, gute Effizienz innerorts.
Das ist der Dauertest-Kandidat Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200
14.03.2024, KM 14.361, Marcus Peters
Nur 1109 Kilometer hatte der Austral E-Tech Full Hybrid 200 auf der Uhr, als er erstmals in unserer Tiefgarage einparkte. Renault schickte ihn reizvoll gewandet mit dem Paket Iconic Esprit Alpine, was der Topausstattung entspricht. Der Testwagen steht auf 20-Zöllern, trägt eine Dachreling, hilft beim Einparken mit Kamera-Augen, kann die Windschutzscheibe, das Lederlenkrad und die Vordersitze beheizen, seine Rücksitzbank verschieben und die Heckklappe elektrisch öffnen. Natürlich wacht er mit diversen Assistenten über die Sicherheit seiner Fahrgäste. Das alles lässt sich Renault bei einer Bestellung mit 44 950 Euro vergelten. Immerhin: Der Laderraum verträgt 430 bis 1455 Liter, ein 55-Liter-Tank verspricht ordentlich Reichweite und die Materialqualität macht bislang einen guten Eindruck.
Zudem leuchtet unser Austral dem Fahrer mit Matrix-LED-Scheinwerfern den Weg durch die Nacht, spielt ihm die wichtigsten Daten per Head-up-Display ins Sichtfeld, führt ihn per Navigationssystem zum Ziel und beschallt ihn mit bis zu 485 Watt. Tagsüber darf die Sonne durch das Panorama-Glasdach scheinen. Und dann wäre da noch die zusätzliche Hinterachslenkung. Mit diesen Extras ergibt sich ein Testwagenpreis von 50.890 Euro.
Man darf schon mal kurz schlucken. Allerdings trägt der E-Tech Full Hybrid 200 eben auch die Topmotorisierung unter der Haube – es gäbe den Austral übrigens bereits ab 31.450 Euro. Dann natürlich nicht mit der geballten Kraft des 1,2-Liter-Turbo-Dreizylinders samt zwei Elektromotoren. Ebenso wenig mit Allradlenkung. Unser Testwagen koppelt also 131 Benziner-PS mit 51 Elektro-kW, was nach gängiger Währung eine Systemleistung von 200 PS ergibt. Außerdem bietet ein Lithium-Ionen-Akku mit 1,7 kWh seine Hilfe an, speist die E-Maschinen und nimmt ihre Rekuperations-Energie auf.
Das alles verschaltet und verwaltet der Austral bislang häufig sehr gut, wie Kollegen von ihren ersten Fahrten berichteten. Und es gelingt ihm andererseits häufig nicht besonders geschmeidig, wie es im Fahrtenbuch ebenfalls niedergeschrieben ist. Dann wurden Ruckeleien bemängelt. Abrupt wechselnde Übergänge zwischen Verbrenner und E-Motoren. Und auch lange Schaltpausen.
Enttäuscht wurde davon abgesehen die eine oder andere Erwartung ans rein elektrische Vorwärtskommen; man muss das Gaspedal ausgesprochen sanft dosieren, um den Dreizylinder nicht zu wecken. Was dagegen häufiger gelang: den Verbrenner immer wieder in den Sekundenschlaf zu schicken. Der 1,2-Liter selbst wurde als recht laut und rau bezeichnet – unter gewissen Umständen. Welche das sind, wollen wir gerne herausfinden.
Und noch vieles mehr, denn der Austral scheint in seiner uns vorliegenden Form durchaus ein interessantes Anschauungsobjekt zu sein. Also dann: Bonne chance!