Als er auf den Markt kam, war das Erstaunen groß: kein Pickup davor hatte so die Macho-Karte gespielt und ein derart breites, wuchtiges Statement abgeliefert. Dem optischen Versprechen ließ Nissan auch nach und nach Taten folgen, was die Motorisierung betrifft. Der von Renault konstruierte V6-Diesel im Nissan Navara 3.0 markiert unter den Midsize-Pickups die Leistungsspitze, doch auch bei den Vierzylindern ist keiner kräftiger als der Navara, 190 PS entwickelt die 2,5-Liter-Maschine des Testwagens.
Nissan Navara im Vergleichstest: er hängt alle ab
Entsprechend hurtig geht der Nissan Navara zur Sache, hängt die anderen Testkandidaten sowohl bei der Beschleunigung als auch bei der Höchstgeschwindigkeit ab. Die Messwerte erzählen aber nur die halbe Geschichte, denn im Fahrgefühl beeindruckt die Leistungsentfaltung des Nissan-Motors noch deutlicher. Aus allen Drehzahlregionen drückt der Turbodiesel mit Gewalt nach vorne, kein anderer Pickup im Vergleich lässt sich so lässig-schaltfaul durch den Alltag bewegen.
Einschränkungen gibt es dagegen beim Platzangebot. Die harten, wenig Seitenhalt bietenden Vordersitze wären noch verkraftbar, die Verhältnisse auf der sehr tief montierten Rückbank jedoch nicht. Die Sitzlehne steht extrem steil und vermittelt die Bequemlichkeit einer Kirchenbank, das ist auf langen Urlaubsreisen kein Spaß für die hinten reisenden Passagiere.
Stattdessen empfiehlt sich der Navara für Transporteure: die zweithöchste Zuladung im Vergleich, dazu drei Tonnen Anhängelast – da geht was. Erkauft wird das Lastesel-Potential und das muntere Temperament des Nissan allerdings mit einer Extra-Ration Dieselöl: der Testverbrauch lag bei ihm am höchsten.
Der Innenraumgestaltung des Nissan Navara sieht man seine Verwandschaft zum noblen Pathfinder an: Design, Verarbeitung und Materialien wirken einen Tick höherwertiger als bei der japanischen Konkurrenz. Die Bedienbarkeit leidet ein wenig unter der Aufteilung der Knöpfe und Schalter auf diverse „Inseln“, speziell die Audio- und Navi-Steuerung zeigt sich als raumgreifend.
Sperre für alle
Im Geländebetrieb gibt es beim Nissan Navara Licht und Schatten zu vermelden. Großes Lob verdient die Möglichkeit, für jede Ausstattungsversion die (zudem recht preiswerte) Hinterachs-Sperre ordern zu können. Die Gesamtuntersetzung fällt passabel kurz aus, in Verbindung mit dem antrittsstarken Motor ergibt das ein munteres Paket, um den Untergrund kräftig umzupflügen. Nur zu eng sollte es nicht zugehen, denn wendig ist der Navara ganz und gar nicht. Nissan traut dem Navara auch keine tiefen Furten zu: die Wattiefe liegt bei lediglich 45 Zentimetern.
Dem Fahrwerk des Nissan merkt man an, dass er inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen ist. Der schunkelige Grundtenor wird von einer stoßigen Hinterachse begleitet, auf welliger Fahrbahn und bei tiefen Schlaglöchern im Gelände wird es relativ ungemütlich, wenn man kein Tempo rausnimmt.
Links zu den Einzelbeiträgen:
Nissan Navara Double Cab 2.5 dCi DPF LE | |
Grundpreis | 34.199 € |
Außenmaße | 5133 x 1850 x 1762 mm |
Hubraum / Motor | 2488 cm³ / 4-Zylinder |
Leistung | 140 kW / 190 PS bei 4000 U/min |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Verbrauch | 8,4 l/100 km |