Der Audi Q7 3.0 TDI im Supertest

Audi Q7 3.0 TDI im Supertest
Audi Q7 - der große Quertreiber

Audi und Allrad - da denken viele nur an die Quattro-Modelle. Zu Unrecht, denn in der bewegten Geschichte der Marke gab es auch wegweisende Gelände­wagen-Entwicklungen. Zig­tausende Rekruten schaukelten beispielsweise im fröhlich Zweitakt-Wölkchen ausstoßenden DKW Munga über die Truppenübungsplätze - seinerzeit eine Entwicklung der Auto Union, Vorläufer der heutigen Audi AG. Auch der VW Iltis, Nachfolger des Munga und nicht minder legendärer Geländegänger, wurde von Audi und mit-nichten in Wolfsburg entwickelt, teilweise sogar in Ingolstadt gebaut. Dieser Iltis soll den damaligen Audi-Testleiter Jörg Bensinger derart beeindruckt haben, dass er Ferdinand Piëch zur Entwicklung des Audi Quattro drängte.

Der große Audi Q7 im Supertest

Mit militärischem Gerät indes hat Audi heute längst nichts mehr am Hut, die Marke hat sich zur hippen Alternative im so genannten Premiumsegment gemausert. Dazu passt der Audi Q7 . Nicht nur größenmäßig ein Mordstrumm, auch preislich in Regionen, bei denen Normal­verdienern die Luft wegbleibt: Exakt 71.256,37 Euro kostete der Supertest-Kandidat mit Extras für rund 20.500 Euro an Bord. Nicht unbedingt eine Preisklasse, die man gern mal im bodenlosen Morast versenkt oder an der nächsten Felswand zerschrammt. Doch auch in Ingolstadt war man sehr gespannt, wie sich das große Luxus-SUV im harten Supertest schlägt.

Die Hochgeschwindigkeitsreifen auf den schicken Schmiederädern wurden gegen robuste Goodyear Wrangler-AT/R auf Serien-Alus getauscht (mit Freigabe bis 190 km/h auch pro-blemlos auf der Straße zu fahren), und auf unserem Testgelände in Horstwalde plätscherte schon mal das Wasser in die Grube. Wer öfter ins Gelände fährt, weiß: Gerade mit einem veritablen Schiff wie dem Q7 hat man genug damit zu tun, nirgends anzuecken. Entsprechend muss man sich darauf verlassen, dass im Zweifelsfall kein bösartig gesinnter Baumstumpf, der sich unter der Grasnarbe versteckt, Verwüstungen im Untergrund des teuren Geräts anrichtet. Die entsprechende Vorsorge bei der Konstruktion ist beim Q7 zwar im Ansatz ordentlich, aber nicht völlig zufriedenstellend gelöst.

Die Verwindungsbahn absolvier­te der Q7 ebenfalls nicht frei von Überraschungen. Besorgnis erregten starke Knackgeräusche aus der Gegend des Dachhimmels, die offensichtlich auf eine erhebliche Verspannung der Karosserie hinwiesen. Interessant: Ein zum Vergleich mitfahrender Benziner-Q7 knackte an denselben Stellen und war anschließend ebenfalls ruhig. Wahrscheinlich lösten sich hier Verklebungen aus der End­montage des Dachhimmels. Negative Auswirkungen waren im weiteren Testbetrieb der beiden Audis nicht festzustellen. Keine Klapper­geräusche, selbst im Geländetest ließen sich die Knarzlaute nicht mehr ver­nehmen.

Drei Liter großer Turbodiesel

Eine Scharte, die es im Handling-Test auszuwetzen galt: Hier endlich konnte der dicke Brummer richtig auftrumpfen. Gewaltig, wie der drei Liter große Turbodiesel angreift und den Fünfmeter-Klotz durch den Tiefsand drischt. Erstaunlich, wie agil sich der Brocken dabei hin und her werfen lässt. Da möchte man direkt eine Dakar-­Sonderprüfung starten und das Gas mal richtig stehen lassen.

Das Wasserbecken war in der Zwischenzeit auf exakt 535 Millimeter Höhe geflutet, die Wattiefe, die Audi für die höchste Offroad-Stellung des Fahrwerks freigibt. Die gute Nachricht zuerst: Nasse Füße holt man sich im Q7 nicht. Die nicht ganz so guten News: siehe unter Bewertung "Wat-Verhalten".

Trial-Strecke nicht die Welt des Audi Q7

Eine andere Übung, die man offenbar tunlichst vermeiden sollte, ist das Zirkeln durch enge Passagen. In der Trial-Strecke offenbarte der Audi das, was wir angesichts seiner herrschaftlichen Abmessungen – er ist sogar breiter als der Mercedes GL – ohnehin schon ahnten: Spaß ist anders.

Das System des Luftfederfahrwerks im Q7 ist bekannt von VW Touareg und Porsche Cayenne, die auf der gleichen Plattform basieren. Allerdings hat es Audi geschafft, auch in der höchsten Offroad-Stellung Restkomfort zu erreichen, die Besatzung wird bei Unebenheiten und Schlag­löchern nicht gar so vehement durchgeschüttelt. Das zeigte sich besonders am Geröllhang. Außerdem ein anderes Detail: Wie beim Mitsubishi Pajero ist die Bergabfahrkontrolle darauf geeicht, erst dann einzuschreiten, wenn ein Rad den Bodenkontakt verliert. Im Geröllhang sprach sie an, auf den Steigungsbahnen mit festem Untergrund systembedingt leider nicht. Schade drum – ein simpler Schalter, mit dem sich die Bergabfahrkon­trolle in jeder Geländesituation manuell zu Hilfe rufen lässt, wäre die sinnvollere Lösung. Nicht nur dort, auch auf glatten, steilen Bergstraßen könnte das bei 2,4 Tonnen Leergewicht zur Fahrsicherheit beitragen. So aber fuhr der Q7 auf den Steigungsbahnen in der Bergab-Wertung das bislang schlechteste Ergebnis im Supertest ein, sogar der ebenfalls untersetzungsfreie Daihatsu Terios war hier besser.

Da gibt es bessere Einsatzgebiete für das Dickschiff aus dem Süden: mahlen, graben, wühlen zum Beispiel. Egal, ob auf nasser Wiese beim Rangieren eines Pferdeanhängers oder auf der Flucht vor dem Alltag durch Afrika: Wenn es darum geht, die bemerkenswerte Motorpower im Verbund mit der astrein schaltenden Sechsgangautomatik in Vortrieb umzusetzen, spielt der Q7 großes Kino ab. Da vermisst dann keiner mehr eine Untersetzung oder eine mechanische Achssperre, denn dann gibt’s nur noch eine Richtung: vorwärts. Auch wenn der nur scheinbar allwissende Computer gelegentlich dazwischenhext und Ent­scheidungen trifft, die ein konventionell arbeitendes Hirn des durchschnittlichen Offroad-Fahrers nicht ganz nachvollziehen kann: Reduzieren der Motorkraft beispielsweise, wenn es gerade um die sprichwörtliche Wurst geht. Doch letztlich gräbt sich der Ingolstädter Riese unbeirrbar durch.

Und das ist das eigentlich überraschende Ergebnis des Supertests: Wenn es darum geht, sehr komfortabel von A nach B zu kommen, ist der Q7 nicht nur auf Asphalt im wahrsten Sinne eine Größe. Der ackert sich sogar dann noch durch, wenn man in technisch eigentlich besser geeigneten reinrassigen Geländewagen die Reißleine zieht und alle Hoffnung fahren lässt.

Technische Daten
Audi Q7 3.0 TDI Quattro Luftfederung
Grundpreis53.375 €
Außenmaße5086 x 1983 x 1697 mm
Kofferraumvolumen775 bis 2035 l
Hubraum / Motor2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung171 kW / 233 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
0-100 km/h8,2 s
Verbrauch10,6 l/100 km
Testverbrauch12,7 l/100 km