Verehrte Damen und Herren, liebe Premium-Fahrer: So sehen Traumwagen aus. Solche, die nicht auf Wolke sieben logieren, sondern im Alltag und Budget normaler Menschen. Mag der Duster bei unserer Leserwahl Best Cars auch nie auf den vorderen Rängen landen: Bei den Neuzulassungen in Deutschland rangiert er meist unter den Top 50, vor allem bei Privatkunden ist er sehr beliebt. Allerdings musste Dacia im Vorjahr insgesamt einen herben Rückgang hinnehmen, nicht zuletzt wegen fehlender Hybrid- und Elektrovarianten.
Nein, mit innovativer Technik, raffinierten Details und erlesener Materialqualität kann selbst das Spitzenmodell der rumänischen Renault-Tochtermarke nicht glänzen, dafür aber mit einem attraktiven Gesamtpaket zu konkurrenzlos günstigen Preisen. Während die meisten kleinen SUV erst knapp unter 20.000 Euro beginnen, steht der aktuelle Basis-Duster TCe 90 bereits ab 11.990 Euro in der Liste. Auch zum Dauertest trat Ende Juli 2018 ein Exemplar mit dem damaligen Einstiegsmotor und Frontantrieb an, dessen Grundpreis (11.490 Euro) jedoch durch die höchste Ausstattungsstufe Prestige und einige Extras wie Klimaautomatik, Ledersitze, Metallic-Lack und das Technik-Paket Plus (Rundum-Kamera, Totwinkelwarner) auf 16.870 Euro gestiegen war.
Dies entspricht zwar dem Gegenwert von zwei Basis-Sandero, ist aber immer noch ein sehr günstiges SUV-Angebot, zumal der Duster nicht nur äußerlich zu den Größten seiner Klasse gehört. So loben viele Kollegen einerseits das gute Platzangebot und den großzügigen Kofferraum, andererseits die Handlichkeit und Übersichtlichkeit des 4,34-Meter-Autos. Ähnlich positiv fallen die vielen Ablagen und die eingängige Bedienung bis hin zum Touchscreen-Infotainment auf, das meist schnell und zuverlässig rechnet, überdies via Online-Portal erweitert und aktualisiert werden kann.
Sitze ohne Halt und Heizung

Regelmäßig Kritik gibt es hingegen an den Vordersitzen. Neben ihrer kippeligen Befestigung werden vor allem der geringe Seitenhalt und der kurze Verstellbereich der Kopfstützen bemängelt, während die auf der Rückbank ohne Rastung auskommen müssen und deshalb gerne absacken. Zudem sind die Isofix-Anker schlecht zugänglich sowie unverkleidet, und trotz Lederbezügen fehlte im Testwagen eine Sitzheizung.
Das stört umso mehr, weil die Klimaanlage recht lange braucht, um den Innenraum zu erwärmen oder abzukühlen, dabei laut und zugig ist, ohne die Scheiben bei Regenwetter beschlagfrei halten zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wischer große Teile der Frontscheibe ungereinigt lassen und die Rückfahrkamera durch aufwirbelndes Spritzwasser oft nur noch ein trübes Bild nach hinten liefert. Auch Einstiegsschweller, Ladekante und die unpraktischen Klapptürgriffe verschmutzen schnell, doch die elementaren Funktionen tun stets genau das, was sie sollen – eben funktionieren.
Nun ja, fast immer, denn die erste Störung taucht schon nach gut 5.500 Kilometern auf, als der Navigationsbildschirm kurzzeitig ausfällt. Der Fehlerspeicher zeigt aber keinen Defekt, und es bleibt bei diesem einen Mal. Bei Kilometerstand 17.093 macht die Heckklappe mit Geräuschen auf sich aufmerksam, die durch Nachjustieren ihrer Anschläge im Rahmen der ohnehin bald anstehenden Inspektion abgestellt werden. Viel später stehen dann noch der Austausch einer defekten Scheibenwaschpumpe (auf Garantie) und zweier Glühlampen fürs Abblendlicht auf dem Programm – das war’s.
Zappen-Duster bei Nacht?
Apropos Licht: Obwohl bis heute keine Xenon- oder LED-Scheinwerfer angeboten werden, schafft das gelbliche Halogenlicht eine recht homogene, breite Ausleuchtung der Fahrbahn. Außerdem bremst der Duster bis zum Testende standfest, und sein früh eingreifendes ESP hält den Wagen zuverlässig in der Spur. Als sinnvolle Ergänzung erweist sich der optische Totwinkelwarner, der nur bei Regen bisweilen Aussetzer hat. Auf weitere Assistenzsysteme muss man hingegen verzichten.

Ebenso auf einen ausgeprägten Komfort, denn besonders kurze Wellen und Stöße absorbiert die Federung ziemlich unsensibel, und die softe Dämpfung lässt die Karosserie leicht schaukeln und wanken. Gleichwohl ist der Fortschritt gegenüber dem herben Vorgänger deutlich spürbar, und selbst mit dem nicht mehr lieferbaren 1,6-Liter-Saugbenziner des Testwagens lernt man zu leben. Klar, in Turbo-Zeiten sind 156 Nm Drehmoment erst bei 4.000 Umdrehungen für 1.227 kg Leergewicht arg dürftig, und tatsächlich wirkt der Vierzylinder reichlich angestrengt, schlapp und beim Ausdrehen laut.
Zur Absenkung der Drehzahl und des Verbrauchs (im Testmittel 8,5 Liter Super auf 100 km) fehlt dem knorpelig schaltbaren Fünfganggetriebe eben ein sechster Gang, doch insgesamt erfüllt der Antrieb durchaus automobile Grundbedürfnisse. Und unsere britischen Kollegen von "Top Gear" liegen sicher nicht ganz falsch mit ihrer Meinung, dass der Duster "ein weit besseres Auto ist, als er es bei dem Preis sein müsste". Fünf Regelwartungen für insgesamt rund 1.600 Euro, neue Bremsscheiben und -beläge vorn erst nach 100.000 Kilometern und ein geschätzter Wertverlust von nur 42,8 Prozent – dieses Auto muss man sich nicht schönrechnen.
Der Reiz des Reizlosen
Besonders überrascht die Tatsache, dass sich die schlichten, robusten Materialien als sehr haltbar erweisen und praktisch keinen Verschleiß zeigen. Am Ende des Dauertests steht der Dacia jedenfalls nicht schlechter da als am Anfang, selbst Knarz- und Knistergeräusche bleiben aus. So werden die eher niedrigen Erwartungen an ein sogenanntes Billigauto in der Realität meist übertroffen, und wer sich auf ihn einlässt, lernt seine Reize zu verstehen. Ein früherer Kollege brachte es auf den Punkt: "Nur die einfachen Dinge enttäuschen nicht."
Stärken & Schwächen

Die einfache Ausstattung und Beschränkung aufs Wesentliche machen die Bedienung unkompliziert, für ihre Halogen-Bestückung liefern die Scheinwerfer ein ordentliches Licht. Andererseits nerven im Alltag Billiglösungen wie Klapptürgriffe, wackelnde Vordersitze, die eingerissene Laderaummatte oder die zweiteilige Gepäckabdeckung, die beim Verstauen meist im Weg ist. Das geht sicher besser!
Mängelindex
Über die gesamte Testdistanz erweist sich der Duster als zuverlässiger Begleiter, nur zwei Mal muss er wegen kleiner Defekte außerplanmäßig in die Werkstatt. Insgesamt zwei Mängelpunkte bedeuten Platz fünf im Dauertest-Ranking – eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger.