300-SL-Spezialist Kienle: Betrugsvorwürfe, Insolvenz, SWR-Doku

1:04 Min. • 08.06.2023

Das wissen wir über den Betrugsversuch bei Kienle

In einer Dokumentation des SWR geht es um den Mercedes 300 SL Flügeltürer, deren teils prominente Besitzer und Betrug in Millionenhöhe. Klaus Kienle, Gründer und ehemaliger Geschäftsführer des zwischenzeitlich insolventen und nunmehr von der Mercedes-Benz Heritage GmbH übernommenen Restaurierungsbetriebes, spricht zum ersten Mal öffentlich über den Verdacht, Oldtimer mit gefälschten Fahrgestellnummern verkauft zu haben, und schildert seine Sicht der Dinge.

Zeugen berichten von Fälschungen und den Methoden bei Kienle. 'Wir sind wie ein Werk', habe Kienle während einer Betriebsversammlung zu Mitarbeitern gesagt und damit Eingriffe in Motor- und Rahmennummern erklärt. Dabei dürfe noch nicht einmal der Hersteller diese Nummern ändern.

Betrogene kommen zu Wort, ein Gutachter spricht über seine Arbeit. Während der Recherchen zum Film taucht ein weiterer Fall auf: Der ehemalige Rennfahrer Gunter Thiel hatte seinen 300 SL bei Kienle restaurieren lassen. Als er sein Auto zurückbekam, seien ihm Unstimmigkeiten aufgefallen, berichten seine Söhne. Es hätten Teile gefehlt und Nummern nicht gestimmt. Das habe ein Gutachten ergeben.

Der 'Fall Kienle' kam im Frühjahr 2023 ins Rollen und erreichte innerhalb etwa eines Jahres mit der Insolvenz der Traditionsfirma inklusive Übernahme durch Mercedes ihren vorläufigen Höhepunkt. Der Insolvenzbericht nennt mehrere Gründe für die Pleite des Ditzinger Oldtimer-Betriebes Kienle Automobiltechnik GmbH. Im Bericht steht auch, was Mercedes für Ersatzteile, Maschinen und immaterielle Vermögensgegenstände bezahlt hat und was die Gläubiger bekommen.

Laut einer Mitteilung der Kanzlei Grub Brugger sei die Insolvenz 'eine Folge der laufenden Ermittlungen'. Wegen des von den Behörden öffentlich geäußerten Verdachts des 'gewerbsmäßigen Betrugs mit dem Verkauf von gefälschten Oldtimern' hätten zahlreiche Kunden geplante Aufträge zurückgezogen. Der Insolvenzbericht von Anfang Februar 2024 bestätigt das: Die Akquise neuer Aufträge sei schwierig geworden, Werkstattaufträge seien zurückgezogen worden.

Die finanzielle Lage des Unternehmens war angespannt, das zeigen Zahlen aus den Jahren 2020 und 2021. Nach der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens Ende Oktober 2023 seien 'mehrfach Fahrzeuge und Ersatzteile abhandengekommen', zitiert die Stuttgarter Zeitung den Insolvenzbericht. Klaus Kienle habe darum Hausverbot erhalten.

Ausgelöst hat die Insolvenz laut Bericht 'eine Auseinandersetzung über ein von Kienle für 1,5 Millionen Euro verkauftes Auto.' Die Käuferin habe die Herausgabe der Fahrzeugpapiere verlangt. Kienle habe den Kaufpreis zwar kassiert, aber nicht an den Eigentümer weitergeleitet.

Laut Bericht können die Kienle-Gläubiger wohl knapp 80 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. Anerkannten Forderungen von 16 Millionen Euro stünden 3,26 Millionen Euro verfügbare Mittel gegenüber. Voraussichtlich liegt die Befriedigungsquote bei 20,37 Prozent.

Mehr Details