Wenn es Lob von auto motor und sport-Lesern gibt, kommen die Chefs von Autoherstellern gerne – am liebsten die, die besonders viele Preise feiern können. Dieses Jahr aber kamen alle. Denn 2026 feiert Best Cars den 50. und auto motor und sport 80. Geburtstag – im Herzen der Verlagsheimat Stuttgart.
Die Gesamtsituation der Autoindustrie bietet allerdings nicht nur Grund zum Feiern. Die Branche kämpft mit der Transformation: Antriebswende, Software und der Markt in China sind nur die wichtigsten Herausforderungen. auto motor und sport-Chefredakteurin Birgit Priemer bat fünf Unternehmenslenker zum Panel auf die Bühne und fragte nach Einschätzungen und Lösungsansätzen.
Teilnehmer der Runde:
- Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG,
- Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender Audi AG,
- Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes Benz Group AG,
- Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG,
- Milan Nedeljkovic, seit Mitte Mai Vorstandsvorsitzender der BMW AG.
Fragen im Panel:
- Hat die Autoindustrie in Deutschland langfristig überhaupt noch eine Chance – und wenn ja, was müssen wir tun, um wieder erfolgreicher zu werden und dem Siegel "Made in Germany" zu neuem Glanz zu verhelfen?
- Die Auto China hat einmal mehr die Innovationskraft Chinas unter Beweis gestellt. Wie können sich die deutschen Hersteller auf diesem Markt wieder erfolgreich etablieren?
- Welche Rahmenbedingungen brauchen wir von der deutschen und der europäischen Politik?
- Wir kennen alle die Schmerzpunkte: Zu langsam in der Software-Entwicklung, hohe Arbeits- und Energiekosten, europäische CO2-Vorschriften, die enormes Kapital binden – was ist aus Ihrer Sicht die größte Baustelle?
- Glauben Sie fest an die elektrische Zukunft?
Das ganze Panel im Video
Statements der CEOs:
Gernot Döllner: "Wir haben die besten Produkte, müssen aber unser Geschäftsmodell ändern hin zu einem Gesamtangebot. Aber ich blicke optimistisch in die Zukunft."
Milan Nedeljković: "Natürlich glauben wir an die Zukunft. Der Transformationsprozess, den wir jetzt sehen, ist das Ergebnis großer Anstrengungen und Leistungen unserer Industrie. Mit dieser Leistung werden wir es auch schaffen, die Transformation erfolgreich umzusetzen. Wir müssen dabei aber auf die Rahmenbedingungen achten."
Ola Källenius: "Wir haben unglaubliche Kreativität hier in Deutschland. Davon ist nichts verloren gegangen. Aber das Koordinatensystem hat sich verschoben. Der intensive Wettbewerb in China, das neue Handelssystem, die Zölle – das ist eine Phasenverschiebung. Die regulatorische Landschaft in Europa hat uns keinen Rückenwind gegeben und droht uns, in der Wirtschaftshierarchie nach unten zu verschieben. Das können wir nicht zulassen. Es kann nicht sein, dass wir nach Polen, nach China und die USA gehen müssen, um rentabel zu produzieren. Sonst fließt das wirtschaftliche Kapital in andere Regionen, auch das von Mercedes."
Gernot Döllner: "Meine Vorredner haben das gut zusammengefasst. Wir müssen sehr stark regionalisieren, local for local produzieren. Wir müssen uns ein Kostenniveau erarbeiten, das uns erlaubt, preislich mit chinesischen Wettbewerbern mithalten zu können. Da sind wir noch nicht. Das wird die Herausforderung der nächsten Jahre."
Milan Nedeljković: "Wir müssen aufpassen, dass die Rahmenbedingungen gut bleiben. Es gibt Leitplanken, die mittelfristig gefährlich für uns sind. Die E-Mobilität ist da und wird auch bleiben. Die Frage ist aber die Geschwindigkeit. Der Kunde kauft und entscheidet. Wenn die Rahmenbedingungen flächendeckend nicht stimmen, wird der Kunde darauf nicht ansprechen. Und wir müssen in Forschung und Entwicklung hier investieren. Auch das funktioniert nur mit besseren Rahmenbedingungen."
Michael Leiters: "Die Belastung durch die US-Zölle konnten wir mit moderaten Preiserhöhungen abfedern, wir sind aber als Porsche zu klein, um regional in den USA zu produzieren. Dennoch werden die USA unser wichtigster Markt bleiben."
Oliver Blume: "Strafzahlungen für CO₂ sind unproduktiv und müssen sich im Übergang pragmatisch an andere Faktoren anpassen wie Nachfrage nach E-Fahrzeugen und Lade-Infrastruktur. VW hat 27 Prozent Marktanteil in Europa an den Verkäufen von Elektroautos. Wir werden aber trotzdem Strafzahlungen leisten müssen. Da stimmt doch was nicht."
Mit Blick auf die Verschärfung der Flottengrenzwerte forderte Blume längere Übergangsfristen und Sonderregelungen etwa für elektrische Kleinwagen. "Kleine Elektroautos sind nicht sehr rentabel", so der VW-Chef. Er forderte "Hypercredits" für kleine Elektroautos. Die Politik könne die Flottenvorgaben und Ziele nicht immer weiter nach oben schrauben, die Kunden zögen nicht mit. "Es sind die Kunden, die entscheiden, was gekauft wird".
Ola Källenius: "Wir sind für die Elektromobilität. Keine Industrie investiert so viel in die elektrische Mobilität. Aber man kann die Veränderung nicht an den Kunden vorbei durchsetzen. Wir müssen nicht nur beim CO₂ runter, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Die Problematik der Regulatorik erkennt man an den Vans besonders gut. Sie sind groß und schwer, ihre Elektrifizierung ist nicht trivial wegen der notwendigerweise großen Batterien. Und in diesem Segment soll der CO₂-Ausstoß in drei Jahren halbiert sein? Das ist der falsche Weg. Schlagen wir so die Chinesen? Sicher nicht. Die machen das genau umgekehrt: Weniger Regulatorik, aber die richtigen Rahmenbedingungen."
Källenius lobte den Salini-Bericht von EU-Berichterstatter Massimiliano Salini, der für eine Aufweichung des Verbrenner-Aus eintritt und zahlreiche Erleichterungen vorschlägt, vor allem eine Absenkung der Reduktionsziele. "Der Salini-Bericht kommt einem pragmatischen Ansatz viel näher", so Källenius. "Wir müssen ihn über die Ziellinie bringen. Das wird ein Stück harte Arbeit."
Michael Leiters: Porsche bleibt technologieoffen. Porsche war Pionier der E-Mobiität, der Taycan war ein Leuchtturmprojekt und ein hervorragendes Produkt. Aber das Timing war nicht optimal, wir waren mit der E-Mobilität offenbar zu schnell, wir werden dennoch weiter in die Elektromobilität investieren, aber ein 911 wird nicht elektrisch werden, da muss die Zukunftsfähigkeit über den Verbrenner und Hybrid hergestellt werden.












