Elektroautos sind in der Anschaffung – lässt man die staatliche Förderung außer Acht – meist deutlich teurer als vergleichbare Benziner-Modelle. Nicht nur für Wolfgang Schütz, Geschäftsführer von Verivox, war daher "eine teurere Kaskoprämie zu erwarten, weil die Schadenkosten tendenziell höher sind. Außerdem waren bei einer Stichprobe im Jahr 2014 die Versicherungen für E-Autos tatsächlich noch teurer – damals um sechs Prozent." Dass sich das Bild inzwischen grundlegend gewandelt hat, stellt nun jedoch auch der Verivox-Konkurrent Check 24 fest.

Rechnungen des Vergleichsportals haben beispielsweise ergeben, dass der Vollkaskoschutz für einen BMW i3 inklusive S-Version im Schnitt der fünf günstigsten Anbieter 273 Euro im Jahr kostet. Für einen vergleichbar motorisierten BWM 116i werden jährlich dagegen 403 Euro fällig. Die Kfz-Versicherung für den Stromer kostet damit 32,3 Prozent weniger. Beim Ford Mustang Mach-E beträgt der Elektro-Vorteil gegenüber dem Mustang 2.3 immerhin 22,7 Prozent. Beim Mini Cooper S und SE liegt die Elektroversion mit 22,5 Prozent vorne. Bei 28 verglichenen Modellpaaren ist die elektrisch angetriebene Alternative in 20 Fällen günstiger.
Manchmal ist auch der Verbrenner günstiger
Erarbeitet sich der Verbrenner bei der Kfz-Versicherung einen Vorteil, dann scheint dieser geringer auszufallen als im umgekehrten Fall. Das Extrembeispiel Mercedes EQC 400 4-Matic vs. C 200 T-Modell (das Elektroauto ist 62,4 Prozent teurer als der Benziner-Kombi) hinkt zudem; hier hätte Check 24 dem E-SUV besser einen vergleichbar motorisierten GLC gegenübergestellt. Ähnlich sieht es beim Vergleich EQA 250 gegen A 250 aus. Wäre auf Verbrennerseite ein GLA zum Zuge gekommen, wäre der Unterschied möglicherweise geringer ausgefallen oder das Ergebnis hätte sich gar umgekehrt.

Konkurrent Verivox kam im Herbst 2020 zu ähnlichen Ergebnissen wie Check 24. Ein Kasko-Vergleich zeigte damals, dass die Top-Angebote für Elektroautos in fünf von sechs Modellfällen günstiger sind als für die Benziner. Genauer gesagt zwischen vier und 39 Prozent. Die Preisunterschiede rühren in erster Linie von den Typklassen her, in die jedes Automodell eingestuft ist. Teure Typklassen bedeuten, dass die Fahrer dieses Modells in den vergangenen Jahren mehr Schäden gemeldet haben. Dadurch wird auch die Kfz-Versicherung teurer.

"Versicherer kalkulieren für jedes Pkw-Modell Faktoren wie Unfallhäufigkeit oder die Anzahl an Diebstählen", sagt Rainer Klipp, Geschäftsführer Kfz-Versicherungen bei Check 24. "Fahrer*innen von E-Autos scheinen oft sicherer im Verkehr unterwegs zu sein als Halter*innen von Verbrennern." Verivox-Kollege Wolfgang Schütz glaubt, dass "die Versicherer die Elektroautos vor einigen Jahren vermutlich wegen der hohen Verkaufspreise vorsichtig eingestuft haben." Die Schadenzahlen rechtfertigen nun offensichtlich bessere Einstufungen. Hinzu kommt: Es gibt Versicherer, die bei Elektroautos einen Bonus verteilen.
500 Tarife von 81 Versicherern
In den seinerzeit von Verivox für auto-motor-und-sport.de exklusiv zusammengestellten Paarungen von Elektroautos und Benzinern wurde auf eine Vergleichbarkeit hinsichtlich Größe und Leistung geachtet. In puncto Versicherungsnehmer wurde zwischen verschiedenen Wohnorten und Fahrern variiert. In die Auswertung flossen über 500 Tarife von 81 Versicherern ein – auch Versicherer, deren Tarife nicht bei Verivox abschließbar sind.
Dass sich in Zukunft in dem Bereich der Kfz-Versicherungen für Elektroautos noch einiges ändern wird, dürfte angesichts der bislang geringen Erfahrungswerte klar sein. Generell wird sich in den kommenden Jahren zeigen, welche Schäden in der Praxis entstehen und welche Risiken noch in die Bedingungen gehören. "Ein Beispiel für mögliche Entwicklungen: Einige Tarife bieten heute schon Versicherungsschutz gegen Bedienfehler bei Tiefentladungen. Andere Versicherer vertreten die Meinung, dass das Batteriemanagementsystem solche Tiefentladungen verhindert, und versichern diese Schäden nicht", heißt es seitens Verivox.