Ein anderer Begriff als "Desaster" wäre wohl zu euphorisch. Mit einem Verlust von -59,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel der Sturzflug bei den SUV kaum weniger dramatisch aus als im gesamten Pkw-Markt (-61,1%). Von den gerade einmal 120.840 Pkw-Neuzulassungen entfielen 40.253 auf die Geländewagen und SUV.
Dabei kann die Branche noch froh sein, dass überhaupt Neuzulassungen möglich waren, nachdem auch vielerorts die Zulassungsstellen die Türen geschlossen hatten. Allerdings sagt diese Momentaufnahme noch nichts über das wahre Ausmaß der Krise. Denn was im April nicht ausgeliefert und zugelassen wurde, kommt teilweise nur mit Verzögerung auf die Straße. Schließlich handelt es sich bei vielen Neuwagen um Bestellfahrzeuge mit zum Teil mehreren Monaten Lieferfrist, die bereits lange vor den Lockdown-Maßnahmen geordert wurden. Erst die Entwicklung aktueller Neubestellungen in den kommenden Monaten wird zeigen, wie tief die Branche ins Minus fährt.
Alle Marken im Minus – außer Tesla
Irgendein Trend lässt sich aufgrund der aktuellen Situation natürlich schwer erkennen. Schließlich kam es im April einem Lotteriespiel gleich, welcher Händler überhaupt an Kunden ausliefern konnte, selbst wenn der Neuwagen bereits auf dem Hof stand. Außer Tesla schaffte es im April keine einzige auf dem deutschen Markt vertretene Marke, dem Absturz zu entgehen – und die gerade einmal 635 neu zugelassenen Teslas, davon im SUV-Lager ganze 44 Model X, sind in Relation auch kein wirklicher Lichtblick.
Einzig ein Blick auf die Verlustquote bringt einige Unterschiede zu Tage. Auffällig ist, dass vor allem die BMW-SUV noch vergleichsweise ungeschoren davon kamen, der X5 mit einem Minus von -15 Prozent und der X3 mit lediglich -8,6 Prozent können das angesichts des Markt-Chaos glatt als Erfolg werten. Dass der X6 (+124%) und der X7 (+198%) in dieser Statistik sogar ganz weit vorne stehen, hat allerdings kaum eine Aussagekraft, da es sich um neue Modellvarianten handelt.
Etwas weniger schlecht als dem Rest – "besser" möchte man in diesem Zusammenhang nicht schreiben – erging es außerdem einigen Modellen aus dem VW Konzern (Skoda Kodiaq und Karoq, Audi Q7), für die Modelle VW T-Cross (+91%) und Seat Tarraco (+30%) gilt das vorgesagte über BMW X6 und X7.
Hinweis: Bei der Zulassungsstatistik handelt es sich um die offiziellen Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg. Die Einteilung in die jeweiligen Klassen erfolgt per Schlüsselnummer über die Hersteller. In der Statistik können auch Modelle erscheinen, die es nicht auf den deutschen Markt gibt, oder nicht mehr gebaut werden. Diese Besonderheit kann bei der KBA-Statistik auftreten, wenn z.B. ausländische Fahrzeuge erstmals in Deutschland zugelassen werden oder Fahrzeuge eine neue Ident-Nr. erhalten.