Deshalb werden unsere Autos immer teurer

Chipkrise, Teilemangel, Gewinnoptimierung
Deshalb werden unsere Autos immer teurer

Die Chipkrise treibt die Preise weiter nach oben, eine Entspannung ist in naher Zukunft nicht zu erwarten. Durch die Corona-Krise und den damals durch die Hersteller befürchteten Rückgang der Neuwagenkäufe haben die Autobauer ihre Chip-Bestellkontingente vorsorglich reduziert, die Halbleiter-Hersteller haben die Produktion gedrosselt und andere Kunden hochpriorisiert. Bereits vorhandene Bestände wurden an die Unterhaltungsindustrie weitergegeben. Als die Nachfrage nach Fahrzeugen Ende 2020 wieder anstieg, fehlten die Chips. Verschärft hat den Effekt eine Kältewelle in den USA und der Brand in einer Halbleiterfabrik in Japan. Das Gegensteuern durch eigene Chipfabriken in Europa dauert.

Die weiterhin andauernde Pandemie sowie der Angriff Russlands auf die Ukraine verschärft die Effekte. Aufgrund von fehlenden Lieferungen von Produzenten aus der Ukraine und den harten Lockdowns in China liegen bei den Automobilherstellern unvollständige Bauteile in den Lagern, für die Autoproduktion fehlen vor allem Kabelbäume.

Die Rolle der Hersteller bei der Preisgestaltung

Das Angebot an Fahrzeugen bleibt weiterhin knapp – ein klassischer Preistreiber. Hinzu kommt, dass die Umweltprämie und stark steigende Benzinpreise die Nachfrage nach den ohnehin knappen E-Autos gesteigert hat. Zusätzlich versuchen viele Hersteller den Fokus auf große und luxuriöse Fahrzeuge zu richten. Auch wegen der anstehenden EURO7-Norm werden Kleinst- und Kleinwagen zunehmend unprofitabel und dadurch immer mehr aus dem Programm gestrichen oder gegen teurere Elektrovarianten ersetzt. Vertriebsmodelle weg vom klassischen Autohaus hin zum (Online-)Direktkauf beim Hersteller drücken die Möglichkeiten auf Rabatte und treiben die Preise für die Endkunden nach oben. Die Händler werden dadurch von Verkäufern mit Rabatt-Spielraum zu Abwicklungs-Agenten der Hersteller.

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Dass die hohen Preise den Herstellern nicht unrecht sind, sagen diese ganz direkt. So will BMW laut Finanzchef Nicolas Peter das Preisniveau halten und weitere "Preischancen wahrnehmen". Ähnlich sieht es auch VW, wo laut Finanzvorstand Alexander Seitz Rabatte nur noch in kleinerem Umfang gewährt werden sollen. Das Handelsblatt schreibt unter Berufung auf eine exklusiv vorliegende Analyse des Center Automotive Research (CAR), dass die drei großen deutschen Konzerne VW, BMW und Mercedes "im vergangenen Jahr im Schnitt einen Ertrag von 5963 Euro pro Neuwagen" erzielt hätten. Zum Vorjahr 2020 bedeutet das einen Rekord-Zuwachs von 61 Prozent.

Starker Preisanstieg

Während ein BMW 320i mit 184 PS zum Marktstart Anfang 2019 noch 39.950 Euro gekostet hat, ruft BMW Anfang 2022 bei gleich gebliebener Ausstattung 42.750 Euro für die Limousine auf – ein Anstieg von gut sieben Prozent. Die Umfänge der Basisausstattungen werden durch die immer wachsende Anzahl an teils verpflichtenden Assistenzsysteme zwar besser, die Preise steigen dennoch deutlich an, wie die Beispiele in der Tabelle zeigen. Die Preise wurden an die abweichenden Ausstattungen angepasst:

Margen auf Rekordniveau

Wegen der hohen Preise schreiben die Hersteller Rekordgewinne. Laut dem Statistik-Portal Statista stieg die durchschnittliche Marge bei den deutschen Automobilherstellern von 4,6 in 2020 auf 9,8 Prozent im Jahr 2021. Die absoluten Margen liegen teils deutlich höher. So verdient Tesla laut dem Magazin efahrer.de pro neu ausgeliefertem Fahrzeug rund 5.500 Euro. Ähnliche Werte erreichen laut der vom Handelsblatt veröffentlichten Analyse des "CAR" Mercedes-Benz mit 5.848 Euro, Audi mit 5.494 Euro und BMW mit 5.277 Euro. Absoluter Spitzenreiter bei den Margen ist Porsche mit durchschnittlich 16.576 Euro Gewinn pro Neuwagen. Skoda und VW liegen mit 1.381 und 921 Euro deutlich darunter. Im Durchschnitt sind die hier dargestellten Gewinne zwischen 2017 und 2021 um 21 Prozent gestiegen, das größte Wachstum erzielt Audi mit 65 Prozent Gewinnanstieg.

Mit den Preisen steigen die Gewinne. Das zeigt deutlich, dass die Hersteller die Effekte der Krisen zu ihren Gunsten ausnutzen. "Preiseffekte schlagen Mengeneffekte, eine Traumkonstellation für die Automobilkonzerne", sagt Frank Schwoppe, Analyst beim Kreditinstitut NordLB.

Auch keine Entspannung bei den Gebrauchtwagen

Der Mangel an Neuwagen und die steigenden Preise dort lassen auch die Notierungen von Gebrauchtwagen explodieren: Laut einer Analyse von AutoScout24 waren 2021 rund elf Prozent weniger Gebrauchte auf dem Markt verfügbar als noch im Jahr zuvor. Das trieb die Preise nach oben. Im Durchschnitt mussten Autokäufer 22.841 Euro für einen Gebrauchtwagen bezahlen, rund 9,7 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Die entstandene Delle wird den Markt wohl auch noch länger beschäftigen: Käufer, die aktuell keinen Neuwagen bekommen, wandern auf den Gebrauchtmarkt und die reduzierte Anzahl an neu ausgelieferten Fahrzeugen wird in den kommenden Jahren bei den Gebrauchten fehlen. Übrigens: Selbst Oldtimer werden teils immer teurer – die Entwicklung zeigt die Bildergalerie.