Lamborghini ruft die Coupé-Version des Aventador SVJ zurück in die Werkstatt. Denn der Supersportwagen läuft Gefahr, während der Fahrt seine Motorhaube zu verlieren.
770 PS starker V12-Motor, 350 km/h schnell und eine Optik im Tarnkappen-Bomber-Style: Dass der Lamborghini Aventador Superveloce Jota (SVJ) auf der Rennstrecke – die Bilder zum Fahrbericht gibt's in der Galerie – nicht vom Asphalt abhebt, ist alles. Unter Umständen könnte allerdings seine Motorhaube unverhofft das Fliegen lernen, und deshalb startet Lamborghini gemeinsam mit der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) einen Rückruf für das italienische PS-Monster.
Der Lambo hat 'ne Schraube locker
Das genaue Problem: Laut dem Bericht der NHTSA könne Hitze im Laufe der Zeit ein Kunststoffelement am Haubenscharnier verformen. Dadurch reduziere sich das Drehmoment der Halteschrauben. In Kombination mit Faktoren wie hoher Geschwindigkeit bei starker Vertikal- und Längsbeschleunigung halte das Scharnier die Abdeckung dann nicht mehr richtig geschlossen. Worst-Case-Szenario: Die Motorhaube klappt während der Fahrt vollständig auf und löst sich komplett.
Gewindekleber soll die Teile fixieren
Lamborghini wurde im Januar auf die Gefahr aufmerksam, nachdem ein französischer Händler den Fehler gemeldet hatte. Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit dem Defekt sind zum Glück noch nicht bekannt. Damit auch künftig keinem die Haube abhanden kommt, kontaktiert Lamborghini die Aventador-SVJ-Besitzer und beordert sie zu autorisierten Händlern. Dort werden die entsprechenden Schrauben durch solche mit Gewindekleber ausgetauscht.
Der Rückruf betrifft sämtliche Exemplare des Aventador SVJ Coupé, die zwischen dem 4. Juli 2018 und dem 15. Januar 2021 vom Band rollten. Besitzer einer Roadster-Variante dürfen beruhigt sein, denn die hat das Problem nicht.
Erst 2020 gab es einen SVJ-Rückruf
Es ist nicht das erste mal, dass am Lamborghini Aventador SVJ jüngst Nachbesserungen anfallen: Bereits im März 2020 mussten weltweit 77 Exemplare in die Werkstatt, weil ein Lamborghini-Mitarbeiter den Türmechanismus nicht korrekt installiert hatte. Während im aktuellen Fall die Motorhaube ungewollt aufklappen kann, blieben damals die Scherentüren zu und ließen sich von innen nicht mehr öffnen.
Fazit
Wer sich einen Supersportwagen für mindestens 350.000 Euro gönnt, der erwartet, dass selbst die kleinste Schraube sitzt und auch unter Belastung nicht nachgibt. Dass Lamborghini den Aventador SVJ zurückruft, zeigt einmal mehr: Selbst das teuerste Hypercar kann signifikante Mängel aufweisen.
Der Rückruf im vergangenen Jahr stand mit einem eher unwesentlichen Fehler in Verbindung. Es gibt schließlich Schlimmeres, als eine Weile im persönlichen Traumauto eingesperrt zu sein. Das Schrauben-Problem an der Motorhaube ist da schon ernster, denn hier besteht großes Gefahrenpotenzial.
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