Die Berliner Polizei setzt vermehrt auf verdeckte Geschwindigkeitsmessungen, um ein realistisches Bild des Verkehrsverhaltens zu erhalten. Dabei kommen sogenannte "Geschwindigkeitsmesskästen" zum Einsatz, die an Straßenlaternen oder Verkehrsschildern befestigt werden und für Autofahrer nicht sichtbar sind.
Diese neue Technik ermöglicht eine unauffällige und kontinuierliche Erfassung der gefahrenen Geschwindigkeiten, ohne dass sich die Verkehrsteilnehmer ihres Verhaltens bewusst anpassen können. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, zeigen die Ergebnisse dieser neuen Messmethode eine deutlich höhere Anzahl an Tempoverstößen im Vergleich zu herkömmlichen, gut sichtbaren Blitzern.
95 Prozent zu schnell
Besonders auffällig ist die Situation auf der Hobrechtsfelder Chaussee in Pankow, wo laut der Messungen bis zu 95 Prozent der Fahrzeuge das Tempolimit überschreiten. Als Geschwindigkeitsverstoß wird dabei eine Überschreitung von mindestens sechs Kilometern pro Stunde gewertet. Während klassische Blitzer eine Überschreitungsrate von etwa fünf Prozent aufzeichnen, zeigen die verdeckten Messgeräte eine Quote von 26 Prozent an. Dies legt nahe, dass Autofahrer ihr Verhalten gezielt an bekannte Blitzstandorte anpassen und ihre Geschwindigkeit nur dort reduzieren, während sie auf anderen Abschnitten oft schneller fahren als erlaubt.
Den betroffenen Fahrern drohen jedoch keine Sanktionen, da die neuen Messkästen keine Fotos machen oder Daten speichern. Sie dienen ausschließlich der statistischen Erfassung und Analyse des Verkehrsverhaltens. Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren über sechs Millionen Messungen an 148 Straßen durchgeführt, wobei insgesamt 1,6 Millionen Tempoverstöße erfasst wurden. Diese Daten liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich Autofahrer in verschiedenen Verkehrssituationen tatsächlich verhalten und in welchen Bereichen die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen besonders problematisch ist.
Mehr Kontrollen sollen kommen
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Autofahrer ihr Tempo vor bekannten Blitzern reduzieren, während sie auf Abschnitten ohne sichtbare Kontrolle oft schneller fahren als erlaubt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass stationäre Blitzer häufig bekannt sind oder durch Blitzer-Apps angekündigt werden. Die verdeckten Messungen sollen daher eine realistischere Grundlage für verkehrspolitische Maßnahmen bieten.
Verkehrsexperten fordern auf Basis dieser Erkenntnisse eine verstärkte Kontrolle sowie den verstärkten Einsatz von sichtbaren und verdeckten Maßnahmen zur Einhaltung der Tempolimits. Eine mögliche Konsequenz könnte sein, dass an besonders betroffenen Straßenabschnitten zusätzliche stationäre Blitzer oder mobile Messgeräte installiert werden. Ob dies tatsächlich geschieht, bleibt jedoch abzuwarten. Die Stadt Berlin will die Ergebnisse weiter auswerten und daraus Handlungsempfehlungen für zukünftige verkehrspolitische Maßnahmen ableiten.
Fazit
Die verdeckte Geschwindigkeitsmessung in Berlin zeigt, dass viele Autofahrer ihr Verhalten an bekannte Blitzer anpassen. Auf der Hobrechtsfelder Chaussee überschreiten 95 Prozent der Fahrzeuge das Tempolimit. Die Messungen dienen der Analyse, nicht der Sanktionierung. Experten fordern mehr Kontrollen, um die Einhaltung der Tempolimits zu verbessern. Die Stadt Berlin plant, die Ergebnisse für zukünftige Maßnahmen zu nutzen.
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