2016 von Ex-Tesla-Managern in Schweden gegründet, gab Northvolt ein großes Versprechen ab: In Europa sollte eine eigene Batteriefertigung ausschließlich mit grünem Strombetrieb entstehen. Die Investoren standen Schlange und pumpten jeweils dreistellige Millionensummen in das Unternehmen. Auch die Automobilindustrie war großzügig. Jetzt meldet das schwedische Unternehmen auch im Heimatland Insolvenz an.
Intensive Gespräche erfolglos
In einer Erklärung heißt es: "Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen mit interessierten Investoren, die aufgrund der angespannten Finanzlage nicht mehr rechtzeitig abgeschlossen werden konnten." Nach der Einreichung wird nun ein gerichtlich bestellter schwedischer Treuhänder den Prozess überwachen, einschließlich des Verkaufs des Unternehmens und seiner Vermögenswerte sowie der Begleichung ausstehender Verpflichtungen. Northvolt hat Mikael Kubu zum Treuhänder ernannt.
Northvolt Deutschland und Northvolt Nordamerika melden in ihren jeweiligen Ländern noch keine Insolvenz an. Als hundertprozentige Tochtergesellschaften von Northvolt AB werden alle Entscheidungen in Bezug auf diese Unternehmen vom gerichtlich bestellten Treuhänder von Northvolt AB in Absprache mit den Kreditgebern der Gruppe zu gegebener Zeit getroffen.
"Schwerer Tag für alle bei Northvolt"
Der Interimsvorsitzende des Board of Directors von Northvolt, Tom Johnstone, sagt: "Dies ist ein unglaublich schwieriger Tag für alle bei Northvolt. Wir haben uns vorgenommen, etwas Bahnbrechendes aufzubauen – einen echten Wandel in der Batterie-, EV- und europäischen Industrie voranzutreiben und den Übergang zu einer grünen und nachhaltigen Zukunft zu beschleunigen."
Volkswagen war unter allen Investoren mit 1,4 Milliarden Euro der größte Anteilseigner, sicherte sich damit 20 Prozent des Unternehmens und einen Sitz im Aufsichtsrat. Doch das Geld ist weg. Denn Northvolt – das zwischendurch 7.000 Menschen beschäftigte – ist insolvent. Ebenso wenig wird wohl das Bundeswirtschaftsministerium auf eine Rückzahlung der Förderung hoffen dürfen.
Bund muss 600 Millionen Euro abschreiben
Gefördert wurde der Aufbau einer Batteriefabrik in Heide an der deutschen Nordseeküste mit 600 Millionen Euro. Noch ist der Standort eine längst nicht fertige Baustelle. Für den einstigen KfW-Kredit und dessen Zinsen bürgen der Bund und das Land Schleswig-Holstein je zur Hälfte. Auch dieses Geld dürfte nun weg sein. Einzig BMW hatte sich rechtzeitig aus der Zusammenarbeit zurückgezogen.
Die Bayern kündigten ihren Milliarden-Auftrag für deutsche Batterien bereits im Sommer 2024. Damals war abzusehen, dass der ambitionierte Zeitplan der Fertigung nicht einzuhalten war. Schon damals gab Northvolt-Chef Peter Carlsson gegenüber "Dagens industri" zu, dass die Expansionspläne des Unternehmens "zu aggressiv" gewesen seien. Wenig später musste Carlsson seinen Hut nehmen.
Scania übernimmt Schwer-Industrie-Sparte
Neben Volkswagen dürfte auch die VW-Tochter Scania unter der Insolvenz von Northvolt leiden. Denn der Lkw-Bauer hatte einst für seine Elektro-Zukunft alles auf die Northvolt-Karte gesetzt. Nun scheinen die Skandinavier offenbar die Sparte Northvolt Systems Industrial aus der Insolvenzmasse gekauft zu haben. Der Schwer-Industrie-Bereich beschäftigt etwa 300 Mitarbeiter in der Stockholmer Prototypenanlage (Schweden) sowie in der Produktionsanlage im polnischen Danzig. Die Prototypen-Batterien wandern in Baumaschinen und Bohranlagen.
Welchen Preis Scania dafür bezahlt hat, ist nicht bekannt. Auch nennt Northvolt noch nicht einmal den Käufer namentlich. Immerhin soll es sich bei der genannten Sparte um die einzige im Konzern handeln, die bereits heute profitabel ist. Jetzt bleibt den Schweden neben dem Hauptsitz in Stockholm noch die Zellproduktion im nordschwedischen Skelleftea sowie der Forschungs- und Entwicklungscampus Northvolt Labs im schwedischen Västerås. Volvo hat in des das gemeinsame Joint Venture NOVO Energy in Göteborg übernommen.
Die Zukunftspläne von Volvo zeigen wir in der Foto-Galerie.