Honda-Nissan-Fusion abgesagt

Nissan in der Krise
Fusion mit Honda abgesagt

Fusion mit Honda abgesagt

Die japanischen Autobauer Honda und Nissan/Mitsubishi wollten mit einer möglichen Allianz den wachsenden Herausforderungen durch globale Wettbewerber wie Tesla und chinesische Elektroautohersteller begegnen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am 23. Dezember 2024 unterzeichnet. Geplant war die Gründung einer neuen Holding-Gesellschaft, deren Tochterunternehmen Nissan und Honda dann werden sollten.

Am 13. Februar 2025 teilen die Autobauer gemeinsam mit, dass die Gespräche über eine mögliche Fusion beendet wurden. Zukünftig wollen die drei Unternehmen ausschließlich im Rahmen einer strategischen Partnerschaft in den Bereichen KI und Elektromobilität zusammenarbeiten. Eine entsprechende Absichtserklärung hatten die japanischen Unternehmen bereits am 1. August 2024 unterzeichnet. Beide Unternehmen haben bereits mit der gemeinsamen Forschung an Basistechnologien im Bereich der Fahrzeugplattformen für softwaredefinierte Fahrzeuge der nächsten Generation (SDVs) begonnen.

Nach dem Ende der Fusions-Verhandlungen mit Honda hat auch der taiwanesische Elektronik-Riese Foxconn kein Interesse an einer Übernahme von Nissan, meldet die Automobilwoche. Zuvor hatte der taiwanesische Technologiekonzern Foxconn, der als weltgrößter Auftragsfertiger gilt, bestätigt, dass man Interesse an einem Einstieg bei Nissan habe. Angestrebt wurde dabei nur eine Partnerschaft, keine Übernahme.

Nissan/Honda gegen Tesla und China

Tesla und chinesische Hersteller wie BYD setzen die etablierten Unternehmen unter Druck, Kosten zu senken und schneller Innovationen auf den Markt zu bringen. Eine Kooperation zwischen Honda und Nissan hätte eine starke zweite Achse in der japanischen Automobilindustrie schaffen und eine dringend benötigte Alternative zu Toyota bieten können.

Eine Fusion hätte erhebliche Herausforderungen mit sich gebracht. Die Unternehmenskulturen beider Hersteller unterscheiden sich deutlich: Honda ist für seine technologiezentrierte Ausrichtung bekannt, während Nissan mit internen Schwierigkeiten und einer von Restrukturierungen geprägten Kultur kämpft. Ebenso hätte eine Kooperation oder gar ein Zusammenschluss internationale Auswirkungen gehabt, insbesondere in den USA, da beide Unternehmen Fahrzeuge in Mexiko für den US-Markt produzieren.

Mitsubishi zögerte, Nissan bremste

Mitte Januar 2025 berichtete die "Automobilwoche" mit Bezug auf die japanische Tageszeitung "Yomiuri", dass die Nissan-Honda-Fusion womöglich ohne Mitsubishi ablaufen würde. Stattdessen wollte Mitsubishi demnach ein unabhängiger, börsennotierter Hersteller bleiben, der mit Honda und Nissan nur in einigen Punkten kooperiert. Die Zeitung berief sich auf Unternehmenskreise. Mitsubishi schrieb dagegen in einer Erklärung, man prüfe verschiedene Optionen und habe noch keine Entscheidung getroffen.

Anfang Februar berichtete das japanische Wirtschaftsportal "Nikkei", dass Nissan die Fusionsgespräche mit Honda aussetzen möchte, da bisher keine Einigung über die Bedingungen des Deals erzielt werden konnte. Man könne sich offenbar auf keine Bewertung der Teile in einer gemeinsamen Holding einigen. Nissan sträube sich dagegen, eine Honda-Tochter zu werden.

Drittgrößte Autogruppe nach Toyota und VW

Hätten sich Honda und Nissan tatsächlich zusammengeschlossen, so wäre einer der weltweit größten Automobilkonzerne entstanden, mit einem geschätzten Marktwert von 54 Milliarden US-Dollar und einer jährlichen Produktionskapazität von 7,4 Millionen Fahrzeugen – global betrachtet, die drittgrößte Automobilgruppe – hinter Toyota und Volkswagen.

Nissan kämpft seit einiger Zeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ein Sparprogramm in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar sieht den Abbau von 9.000 Arbeitsplätzen und eine Reduzierung der globalen Produktionskapazität um 20 Prozent vor. Diese Maßnahmen wurden notwendig, nachdem die Verkaufszahlen in China und den USA stark eingebrochen waren. Der Gewinn des Unternehmens sank im zweiten Quartal 2024 um 85 Prozent. Erst kürzlich schrieb die "Financial Times", dass der langjährige Nissan-Allianzpartner Renault seinen Anteil am japanischen Autobauer reduzieren will. Wie die Zeitung unter Berufung auf Insider berichtet, sucht Nissan einen langfristigen und stabilen Aktionär wie etwa eine Bank oder eine Versicherungsgruppe, um einen Teil des von Renault gehaltenen Aktienanteils zu ersetzen. Der Verkauf der Anteile an Honda stehe ebenfalls im Raum. Ein hochrangiger Nissan-Manager wird mit den Worten zitiert: "Wir haben zwölf oder 14 Monate, um zu überleben."

Auch Honda steht unter Druck. Experten erwarten eine Verschlechterung der finanziellen Situation im kommenden Jahr, während die Verkäufe von Hondas Elektrofahrzeugen bisher hinter den Erwartungen zurückblieben. Erst im August 2024 hatten Honda, Mitsubishi und Nissan angekündigt, gemeinsam eine Software-Architektur, Batteriemodule und elektrische Antriebsstränge zu entwickeln.