Der Milliarden-Konzern Knaus Tabbert AG steckt in einer tiefen Krise. Das geht aus den Zahlen des jetzt veröffentlichten Geschäftsberichts hervor. Demnach sank 2024 der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent, von 1,44 auf 1,08 Milliarden Euro. Damit einhergeht ein massiver Verlust von rund 48 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr. Im Jahr zuvor hatte der Konzern noch einen Gewinn von rund 60,3 Millionen Euro vermeldet. Die Gründe für diesen Absturz sind vielschichtig und gipfelten im November 2024 in einem Kriminalfall.
Damals hatte es bei Knaus Tabbert eine polizeiliche Durchsuchung gegeben. Das Unternehmen bestätigte dies in einer "Insiderinformation" gemäß den Vorschriften der Börsenregeln. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Landshut und des Polizeipräsidiums Niederbayern wurden zwei Tatverdächtige dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Landshut vorgeführt und anschließend aufgrund dringenden Tatverdachts in verschiedene Justizvollzugsanstalten in Bayern gebracht.
Verdacht der Bestechlichkeit
Es handelte sich dabei um "zwei Verantwortliche" des Unternehmens. Ein dritter Tatverdächtiger ist Verantwortlicher einer Investment GmbH mit Sitz im Saarland. Alle drei im Alter zwischen 57 und 71 Jahren stehen im Verdacht, Bestechungsgelder von Zulieferern des Unternehmens angenommen zu haben. Das erhaltene Geld soll unter den drei Verdächtigen aufgeteilt worden sein. Im Gegenzug sollen die Zulieferer bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt worden sein.
Wie Knaus Tabbert anschließend in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat der Aufsichtsrat die Verträge von COO Werner Vaterl und CSO Gerd Adamietzki mit sofortiger Wirkung gekündigt. Im Rahmen der Ermittlungen waren 165 Polizeikräfte im Einsatz. Sie durchsuchten Wohn- und Geschäftsräume im Landkreis Freyung-Grafenau, wo das Unternehmen Knaus Tabbert in Jandelsbrunn seinen Hauptsitz hat, sowie Standorte in fünf weiteren Bundesländern und der Schweiz.
Produktionsstopp bis Ende 2024
Ab dem 18. November 2024 stand bei großen Werken von Knaus Tabbert die Produktion still, wie der Vorstand bekannt gab. Betroffen waren die Werke am Hauptsitz der Aktiengesellschaft in Jandelsbrunn mit 1.700 Mitarbeitern und in Nagyoroszi/Ungarn mit 1.300 Mitarbeitern. In beiden Werken werden Wohnmobile und Wohnwagen der Marken Knaus, Weinsberg und T@b gebaut. Nicht betroffen waren die Standorte Mottgers (Tabbert Wohnwagen) und Schlüsselfeld (Morelo Reisemobile).
Hoher Lagerbestand
Durch diese Maßnahme sollten die Lagerbestände der Händler abgebaut werden. Schon im Juli 2024 hatte Knaus Tabbert eine erste Gewinnwarnung veröffentlicht. Der Hintergrund war eine breit angelegte Hilfe für die Händler, um sie bei der Finanzierung des großen Fahrzeugbestands zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Konzern die Werksferien von drei auf fünf Wochen verlängert. Mit 22.575 Einheiten lag die Zahl der von Knaus Tabbert verkauften Fahrzeuge 2024 deutlich unter dem Wert des Vorjahres (30.613). Um die überzähligen, erst 2024 auf den Markt gekommenen Fahrzeuge aus dem Jahr 2023 abzubauen, wurde die Produktion ab Mitte 2024 reduziert und insgesamt für rund zwei Monate ausgesetzt.
Schlechte Karten für Aktionäre
Zum Jahresende 2024 hatte sich der Aktienkurs der Knaus Tabbert Aktie aufgrund der Turbulenzen mehr als halbiert, insgesamt sank der Kurs in den vergangenen fünf Jahren um über 75 Prozent. Erst seit Jahresanfang erholt sich die Aktie wieder. Schlecht für die Aktionäre: Wegen der angespannten Lage werden für 2025 und 2026 keine Dividenden ausgeschüttet.