Ich bin jetzt seit sechs Monaten verantwortlich für die Marke. In dieser Zeit fiel mir besonders die Can-do-Mentalität auf und die unglaublich hohe Motivation in der Mannschaft. Die lange Tradition, mittlerweile fast 128 Jahre, scheint diese Motivation zu befeuern. Alle sind daran interessiert, gute, pragmatische Lösungen schnell umzusetzen und nicht nur zu diskutieren. Das hilft natürlich, Dinge zu bewegen. Damit haben wir schon letztes Jahr begonnen, beispielsweise mit dem neuen Corporate Design, aber auch der Designsprache "Modern Solid" bei den Fahrzeugen. Bis 2026 werden wir drei weitere Elektromodelle auf den Markt bringen, dazu 5,6 Milliarden Euro investieren. Darüber hinaus investieren wir 700 Millionen Euro in die Digitalisierung. Ein negatives Beispiel fällt mir nicht ein. Wir haben natürlich gewichtige äußere Faktoren, die vieles überlagern: Versorgungskrisen, gerade bei Halbleitern, und aktuell bereitet uns der Entwurf der EU zu Euro 7 ziemlich Kopfzerbrechen.
Letzteres ist der Fall. Angesichts der stark ansteigenden Kosten setzen wir in diesem Fall auf Skaleneffekte. Es ist natürlich kein Geheimnis, dass wir hier noch besser werden müssen, da sind jetzt aber die Weichen gestellt. Allerdings haben wir noch viel vor der Brust.
Skoda ist heute eine Marke, die sich stark über Preiswürdigkeit definiert. Nicht missverstehen, es geht hier nicht um billig, sondern um ein attraktives Package zu einem guten Preis. Aktuell arbeiten wir unter dem Motto "Explore more" daran, dass Skoda stark über den Aspekt "Preis" hinausgeht und sich im Fahrzeugdesign noch stärker von anderen Konzernprodukten unterscheidet. Ich wünsche mir, dass Kunden zwar weiterhin unsere Preiswürdigkeit zu schätzen wissen, aber sich auch emotional von der Marke angesprochen fühlen und sie als idealen Begleiter sehen – für große und kleine Entdeckungen.
Skoda ist auch hier mit einem cleveren Ansatz unterwegs. Unser Engagement basiert auf dem Modell des Kundensports: Wir entwickeln das Auto, verkaufen es an die einzelnen Teams und bieten ihnen einen umfassenden Service und technischen Support. Und dieses Modell hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen: Seit 2015 haben wir 477 Fabia Rally2 und Rally2 evo ausgeliefert, die insgesamt 16 WM-, 24 regionale und 118 nationale Titel gewonnen haben. Somit setzen wir die lange Tradition der Marke Skoda im Motorsport erfolgreich fort.
Motorsport ist ein langjähriger Bestandteil der Geschichte unseres Unternehmens. Wir verdienen mit unserem Motorsport-Engagement Geld und reichern zusätzlich die Image-Facette an. Und für die Identifikation mit der Marke braucht man natürlich eine emotionale Triebfeder.
Die Frage, warum es keinen Fabia RS gibt, habe ich gleich zu Beginn meiner Amtszeit gestellt. Fakt ist: Das Auto muss für die Kunden gut bezahlbar und für uns profitabel sein – das geht am besten im Konzernverbund. Und wir haben da durchaus Ideen. Hinsichtlich der Transformation in Richtung Elektromobilität ist so ein Projekt allerdings nicht so eindeutig. Da hilft es, dass sich auch der Motorsport nachhaltig positionieren will und jetzt schon mit fossilfreiem Kraftstoff fährt. Zudem gäbe es die Möglichkeit, fossilfreie Motoröle als Schmierstoff einzusetzen. Jedenfalls gibt es für solche Fahrzeuge einen Markt, in dem Skoda durchaus eine Rolle spielen kann. Wir müssen dabei aber glaubwürdig bleiben. Mal sehen, wie wir mit dem Fabia RS umgehen. In dem Kleinwagen-Segment ist vor dem Euro-7-Hintergrund viel Bewegung drin.

Wenn es nach uns geht, nicht. Wir haben gerade mit dem Vision 7S gezeigt, wie das Modellprogramm nach oben abgerundet werden kann, und wir arbeiten natürlich an neuen Fahrzeugen in den unteren Preissegmenten. Es wurde ja bereits bekannt gegeben, dass wir einen batterieelektrischen Kleinwagen bringen, der um 25.000 Euro kosten wird. Ein Fabia allerdings kostet heute ab rund 15.000 Euro. Da muss also auch noch was kommen. Wenn allerdings Euro 7 so umgesetzt wird wie aktuell angedacht, dann wird uns das massive Investitionen abverlangen, die uns dann wiederum für die Transformation hin zur E-Mobilität fehlen. Klein- und Kompaktwagen jedenfalls sind für Skoda sehr wichtig.
Eigentlich nur über einen komplett neuen Ansatz mit einem batterieelektrischen Fahrzeug, der preislich unterhalb des angekündigten A0-BEV angesiedelt ist. Bei BEVs ist die Skalierbarkeit allerdings weit weniger ausgeprägt als bei Verbrennern, weshalb Autos letztlich teurer werden.
Nach heutigem Stand ja. Nehmen Sie allein die Feinstaub-Emission bei den Bremsen. Um die angestrebten Grenzwerte einzuhalten, bräuchten wir eine Bremsanlage, die noch gar nicht entwickelt ist. Und da gibt es noch viele weitere Beispiele.

Nein, so gut wie gar nicht. Wir brauchen aber ein attraktives Einsteiger-Angebot, um unserer Marke näherzukommen. Die meisten Kunden reichern ihr Auto dann mit Optionen an. Und dieses Upselling brauchen wir, um mit der damit einhergehenden Profitabilität des Unternehmens die Transformation zu stemmen.
Je weiter wir in Richtung batterieelektrische Fahrzeuge gehen, desto mehr wird sich die Variantenvielfalt reduzieren. Wir sprechen in der Branche hier gerne von der Hut-Effizienz, also wie viele Fahrzeuge man pro Hut absetzen kann. Das sieht man heute schon, wenn man die Variantenvielfalt vom Octavia und vom Enyaq vergleicht.

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich Regierungen dafür starkmachen. Das hat man ja in Deutschland bei der Bafa-Förderung gesehen. Sie hat den Absatz von E-Autos mächtig angekurbelt, und jetzt, da sie reduziert wurde, sieht man erste Bremsspuren. Und dann gibt es Länder wie Tschechien, die zwar in die Infrastruktur investieren, aber kaum Kaufanreize bieten. Es bleibt aber dabei, dass die Material- und Fertigungskosten von E-Fahrzeugen deutlich höher sind als die von Verbrennern. Es kann sein, dass das in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kippt, weil parallel die Verbrenner aufgrund der Emissionsanforderungen teurer werden. Aus Kundensicht ist dann das E-Fahrzeug attraktiver, da die Wartungskosten deutlich geringer sind.
Vita

Klaus Zellmer, geboren 1967 in Mallersdorf, studierte Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtigen-Geislingen, arbeitete nach seinem Abschluss 1994 dort drei weitere Jahre am Lehrstuhl. 1997 erfolgte der Einstieg bei Porsche als Assistent des Vorstandsmitglieds für Vertrieb und Marketing. Nach diversen Stationen beim Sportwagen-Spezialisten, zuletzt als Chef von Porsche Cars North America, wechselte Zellmer im September 2020 zu Volkswagen als Vorstandsmitglied für Vertrieb und Marketing. Seit 1. Juli 2022 führt er nun Skoda.