Allwetterreifen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Rund 16 Prozent aller verkauften Neureifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zählen bereits zu den Allseasons. Zulasten der Winterreifen? Nein, denn die Spezialisten halten immer noch rund 50 Prozent Marktanteil, der Anteil der im freien Handel verkauften Sommerreifen ging jedoch auf 34 Prozent zurück. Was sind die Gründe?
Zum einen gewiss der Klimawandel, aber auch die Veränderung des Kaufverhaltens und der Autopreise. Während vor 20 Jahren viele Fahrzeuge an privat verkauft wurden, gehen heute fast drei Viertel des Absatzes an Leasingunternehmen, Vermieter oder Flottenbetreiber. Und die achten weit mehr auf günstige Betriebskosten, versuchen, Werkstattaufenthalte zu vermeiden. Da helfen lange Wartungsintervalle – und der Einsatz von Allwetterreifen
Wir haben sieben aktuelle Modelle solcher Allwetterreifen gestestet. Mit dabei sind bekannte Markenprodukte wie etwa von Michelin oder Continental sowie preiswertere Alternativen von Nexen oder Toyo. Hier die Testergebnisse mit Stärken und Schwächen der einzelnen Reifen, beginnend mit dem Testsieger:
Continental AllSeasonContact (Testsieger)
Direkte Lenkansprache und ausgezeichneter Grip auf Nässe,
Spontan und in Alltagssituationen trocken sicher fahrbar
In trockenen Kurven nur schwache Lenkwinkelreserven mit undeutlicher Rückmeldung
Schräglaufgeräusch bei Kurvenfahrt
Preis pro Reifen: 126 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Sehr empfehlenswert (9,0 Punkte)
Goodyear Vector 4Seasons
Ausgewogen auf Nässe
Brav und souverän auf trockenem Asphalt
Etwas träges Lenkansprechen, aber breiter, gut kalkulierbarer Grenzbereich
Preis pro Reifen: 127 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Empfehlenswert (8,8 Punkte)
Michelin CrossClimate +
Überdurchschnittliche Nasshaftung, sehr ausgewogenes Nasshandling
Direkt, leicht berechenbar und verlässlich auf trockener Strecke
Defizite im Kurven-Aquaplaning
Wummerndes Geräusch bei Kurvenfahrt
Preis pro Reifen: 131 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Empfehlenswert (8,1 Punkte)
Nexen N’blue 4 Season
Brav untersteuernd auf trockenen Strecken
Lastwechselempfindlich auf Schnee
Leichte Defizite in Aquaplaning
Seitenführung und Lenkpräzision auf Nässe
Preis pro Reifen: 92 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Noch empfehlenswert (7,9 Punkte)
Vredestein Quatrac 5
Sehr sommerreifennah
Trotz Seitenführungsdefiziten auf Schnee im Winter noch sicher fahrbar
Lastwechselempfindlich und indifferent auf Nässe
Preis pro Reifen: 123 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Noch empfehlenswert (7,8 Punkte)
Nokian Weatherproof
Ausgezeichnete Aquaplaning-Eigenschaften
Kräftiges Untersteuern und schwache Lenkwinkelreserven trocken
Schwache Seitenführung
Unausgewogenes Handling mit kräftigem Übersteuern auf Schnee
Wenig präzise und lastwechselempfindlich auf Nässe
Schwaches Schräglaufsummen
Preis pro Reifen: 117 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Fazit: Noch empfehlenswert (7,6 Punkte)
Toyo Celsius
Sicher und leicht untersteuernd auf trockenen Straßen
Einschränkungen in der Seitenführung
Übersteuertendenz nass
Preis pro Reifen: 106 Euro (Jetzt bei Tirendo kaufen)
Fazit: Bedingt empfehlenswert (6,6 Punkte)
Als Referenzreifen (außer Wertung) dienten:
Continental 205/55 WinterContact TS 860
(reiner Winterreifen)
Bei überwiegend trockener Bahn sowie wärmeren Temperaturen (>15° C) sind die breiteren Allwetterreifen klar überlegen
Preis pro Reifen: 110 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Continental 205/55-16 PremiumContact 5
(reiner Sommerreifen)
Keinerlei Wintereigenschaften
Preis pro Reifen: 93 Euro (Jetzt bei Amazon kaufen)
Die ausführliche Ergebnistabelle finden Sie in der Bildergalerie.
Die maximal erreichbare Punktzahl für die Allwetterreifen ist einheitlich auf zehn Punkte, für die Referenzreifen in relevanten Disziplinen auf zwölf Punkte festgelegt. Als Intermediate zwischen Sommer- und Winterreifen können weder die Bewertungskriterien für Winter- noch die für Sommerreifen gelten. Doch was dann? Schneebedeckte oder trockene Fahrbahnen werden gleichermaßen mit 20 Prozent gewichtet. Regennasse Straßen kommen sommers wie winters vor und werden daher beiden Jahreszeiten mit je 20 Prozent, zusammen also 40 Prozent, angerechnet. Den Rest der Wertung füllen – um den Ansprüchen an rollwiderstandsarmen und Kraftstoff sparenden Betrieb sowie an ein möglichst leises, sommerreifenähnliches Abrollen gerecht zu werden – die Themen Rollwiderstand und Geräusch.
= bedingt empfehlenswert
So haben wir getestet
Um höchste Ergebnissicherheit zu gewährleisten, werden – soweit machbar – sämtliche Versuche in diesem Test mehrfach durchgeführt. Angewendet wird ein progressives Bewertungsschema, das gleichermaßen für die objektive Bewertung durch Messgeräte wie auch für die subjektive Benotung durch erfahrene Testfahrer zum Tragen kommt. Bei den Handlingtests auf nasser und trockener Strecke führt ein ausgewogenes, sicheres und den Erwartungen der mutmaßlichen Zielgruppe entsprechendes Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Zur realistischeren Einordnung der Allwetterreifen zu den außer Konkurrenz mitgetesteten Sommer- und Winterreifen wurden deren Notengrenzen in ihren Spezialdisziplinen auf zwölf Punkte erhöht. Der Rollwiderstand der Reifen wird nach Möglichkeit redundant in unterschiedlichen Testlaboratorien auf Rollenprüfständen ermittelt. Die Ergebnisse fließen in Form eines Mittelwerts in die Bewertung ein. Grundlage der Beurteilung ist die auch für das Reifenlabel relevante europäische Gesetzgebung zur Reifenkennzeichnung.

Wichtig zu wissen: Ganzjahresreifen reichen bei Performance und Sicherheit nicht an Sommer- und Winterreifen in ihren Spezialdisziplinen heran. Sie bieten weniger Grip im Winter, haften schlechter auf sommerlich-heißem Asphalt und verschleißen schneller. Um das zu überprüfen, könnten wir jetzt die neueste Generation von Allwetterreifen jeweils gegen einen Sommer- und einen Winterreifen gleicher Größe antreten lassen. Dabei würden wir feststellen, dass Allwetterreifen den Sommer- und Winterprofis in ihren Spezialdisziplinen eindeutig unterlegen sind.
Das wäre keine Überraschung, und hier soll es ja weniger ums Aufdecken von Problemen als um Lösungen und Alternativen gehen. Könnte es nicht sein, dass ein etwas größeres Format zumindest einige der prinzipiellen Allseason-Nachteile ausgleicht? Um das herauszufinden, stellen wir gegen einen Winterreifen und einen Sommerreifen in der für die Golf-Klasse gerne genutzten Größe 205/55 R 16 sieben aktuelle Allwetterreifen im beliebten Breitformat 225/45 R 17. Das passt außer auf die Kompakten des Volkswagen-Konzerns auch auf viele weitere Kompaktautos wie BMW 1er, Mercedes CLA oder Honda Civic.
Bei den beiden Referenzreifen aus dem Sommer- und Winter-Regal, die natürlich außer Wertung mitgetestet werden, fällt die Wahl – wie bei auto motor und sport üblich – auf die Testsieger-Marke des Vorjahres und damit auf den Conti WinterContact TS 860 sowie den Sommerreifen Conti PremiumContact 5.
Conti AllSeasonContact: bester Ganzjahresreifen auf Schnee
Finnland, Ende Februar. Hier, weit nördlich des Polarkreises, sollen die Allwetterreifen zeigen, ob sie an die Leistung des schmaleren Winterreifens heranreichen. Sie können, denn nach Tagen intensiver Mess- und Testfahrten steht fest: In den Disziplinen Traktion, Schneebremsen, Seitenführung und Handling sind die besten Reifen in Einzeldisziplinen fast gleichauf, die schlechtesten allerdings ganze 20 Prozent schwächer als der Winterreifen. Als bester Allseason auf Schnee fährt der neue Conti nach vorn, mit etwas Abstand folgen die Pneus von Goodyear und Nexen, dann Nokian gleichauf mit Toyo – Michelin und Vredestein fallen mit deutlichen Defiziten zurück. Der beste Allseason im Winter? Mit Abstand der neue Conti AllSeasonContact!

Der Sommerreifen stellt dagegen eine echte Herausforderung dar. Nur mit viel Feingefühl an Pedal und Lenkrad kann der Testwagen, ein Seat Leon, auf der Strecke gehalten werden. Die Bremswege verlängern sich auf fast das Doppelte, die Traktion geht gegen null, und im Slalom ist die Fuhre kaum zu halten. Das genügt fürs Erste, der Test-Truck reist nun durch die Jahreszeiten gen Süden. Deutschland empfängt ihn mit grauer, nasskalter Frühjahrstristesse und einstelligen Temperaturen. Perfekt!
Zunächst müssen die Allseasons auf bewässerten Strecken ran. Sicheres Bremsen auf nasskalten Straßen ist äußerst sicherheitsrelevant. Kann sich der reine Winterreifen, der naturgemäß auch mit dieser Situation konfrontiert werden könnte, hier noch behaupten?
Er kann, und zwar mit Abstand am besten. Besonders bei kühlen Temperaturen, aber auch in der bei sommerlich-warmem Wetter wiederholten Messung machen sich die Flexibilitätsvorteile der weicheren Mischung sowie der höhere Flächenpressung des schmaleren Profils bemerkbar. Der Conti WinterContact TS 860 kommt bereits nach beeindruckenden 31,8 Metern aus Tempo 80 zum Stehen. Der beste Allwetterreifen, Goodyear Vector, braucht dafür ganze vier Meter mehr. Nur wenig schwächere Verzögerungswerte liefern Michelin, Nexen und Contis Allseason, der auf gleichem Niveau bremst wie der schmalere Sommerreifen; Vredestein und Nokian folgen, der Toyo steht erst nach 39 Metern.
Aquaplaning: Michelin und Vredestein mit Schwierigkeiten
Doch Bremsen ist auf Nässe noch lange nicht alles. Ähnliche Bedeutung kommt dem Aquaplaning-Verhalten zu, das wir auf permanent bewässerten Versuchsbahnen in zwei Temperaturbereichen überprüft haben – bei winterlich-kalter Nässe wie auch bei sommerlicher Hitze. Besonders sicher sind hier Goodyear, Conti und Nokian, während der Michelin im Quer-Aquaplaning einknickt und der Vredestein schnell in Längsrichtung aufschwimmt.
Die beiden schmalen 205er-Vergleichsreifen sind – egal ob Winter- oder Sommerprofil – im Aquaplaning deutlich besser als Breitreifen, mit denen speziell bei Starkregen, Pfützen und erst recht auf Schneematsch größte Vorsicht geboten ist. Allerdings erschöpfen sich die Vorteile der schlanken Winterbereifung in der besseren Wasserverdrängung.

Wie der Handlingtest zeigt, ist man dagegen bei nur regennasser Straße ohne allzu große Aquaplaning-Gefahr mit den guten Allseasons – darunter der dort überragende Michelin, aber auch Goodyear, Nexen und Conti – schneller, sicherer und agiler unterwegs als mit der schmalen Sommer- oder Winterdimension. Nur Nokian, Vredestein und Toyo scheinen vergleichsweise wasserscheu. Als bester Regenreifen über alle Nassdisziplinen hinweg qualifiziert sich letztlich der Goodyear Vector.
Michelin: vorbildliche Bremsleistung auf trockenem Asphalt
Und wer liegt auf trockenem Asphalt vorn? Lassen wir mal die Umweltkriterien außen vor und schauen zunächst auf Sicherheit und Dynamik: Auch im Trockenen bringt sicheres Bremsen mit kurzen Anhaltewegen die meisten Punkte. Und die hat sich der sommerorientierte Michelin CrossClimate+ redlich verdient. Mit nur 39,4 Metern Bremsweg aus Tempo 100 kommt er trotz vergleichsweise filigraner Profilierung bis auf 3,7 Meter an die 35,7 Meter des 205er-Sommerreifens heran und liegt so 3,2 Meter vor dem 205er-Winterreifen. Contis Allseason folgt dem vorbildlich bremsenden Michelin mit gut 2,5 Metern Abstand. Knapp dahinter steht Nexen; Vredestein, Nokian und Goodyear müssen sich sogar hinter dem Winterreifen einsortieren. Schlusslicht ist Toyo.
Dass der schmale Winterreifen auf dem scharf gefahrenen, trockenen, aber kurvenreichen Handlingkurs bei Durchschnittsgeschwindigkeiten um 120 km/h ins Hintertreffen geraten muss, scheint klar, ist aber nicht so. Mit seinem ausgewogenen Fahrverhalten lässt er die eher nässe- oder schneeorientierten Allseasons von Nexen und Nokian hinter sich. Mit den schnellsten Rundenzeiten und sicherem Fahrverhalten dominiert der Vredestein – sogar noch vor dem schmalen Sommerreifen – das Feld. Top sind auch die Allseasons von Michelin, Conti und Toyo. Der Goodyear hingegen scheint etwas von seinen Winterreifen-Genen gehemmt.
Vredestein Quatrac 5: der klare Trockensieger
Wenn wir noch weitere Kriterien wie Spurwechselsicherheit und Abrollgeräusche hinzunehmen, ergibt sich ein klares Bild: Trockensieger nach Punkten ist der Vredestein Quatrac 5 – sehr knapp vor Michelin.

Damit belegt der Test: Allwetterreifen können bei entsprechender Breitenzugabe besonders in einzelnen dynamischen Disziplinen – und selbst auf Schnee – an das Niveau der in diesem Fall schmaler gewählten Spezialisten heranreichen. In besonders sicherheitsrelevanten Disziplinen wie beim Bremsen und Aquaplaning sind die schmaleren Winter- oder Sommerspezialisten auch weiterhin klar im Vorteil. Sind Allwetterreifen im Breitformat somit eine Empfehlung? Aber sicher – wenn der Reifen zum vorgesehenen Einsatzgebiet und zum individuellen Anwendungsprofil passt.
Welchen also nehmen? Ganz einfach: Liegt das Einsatzgebiet unterhalb von Mittelgebirgen, der Fokus auf besten Nässe-Eigenschaften und nur gelegentlichem Schneekontakt, sind Conti oder Goodyear erste Wahl. Pfeift man auf Schnee, weil man etwa im Flachland wohnt und die Allwetterreifen nur möglicher Eventualitäten oder des gesetzlich vorgeschriebenen Winterreifen-Logos wegen montieren will, empfehlen sich Vredestein oder Michelin als treue und haltbare Begleiter. Für höchstmögliche Sicherheit im Sommer wie im Winter werden speziell im Bergland auch in Zukunft regelmäßige Reifenwechsel nötig sein.