Diskretion oder gar Understatement ist wahrlich nicht die Sache von Hennessey Performance. In größtmöglicher Lautstärke posaunen die Texaner die in aller Regel gewaltigen Leistungs- und Beschleunigungswerte ihrer modifizierten US-Brecher hinaus. So auch beim Mammoth 1000 Supercharged (siehe Fotoshow) auf Basis des Ram 1500 TRX: Mit seinen 1.026 PS und höchstens 1.314 Newtonmetern beschleunigt er in 3,2 Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h). Für die Viertelmeile benötigt der Power-Pick-up lediglich 11,4 Sekunden.
Eine Höchstgeschwindigkeit gibt Hennessey für seinen Mammoth 1000 Supercharged allerdings nicht an. Es heißt lediglich, das am Zielstrich des Drag Strips 193 km/h anliegen. Im Subtext schwingt da mit: Da geht noch deutlich mehr. Was in so ziemlich jedem Land außerhalb des unsrigen aufgrund strikter Tempolimits freilich eher nebensächlich ist. In den streng temporegulierten USA sowieso. Aber auch in Finnland, wo auf Autobahnen maximal 120 km/h erlaubt sind. Dennoch wird der Topspeed des brachialen Brechers aus Texas nun zum international beachteten Thema – aber warum?
Kurioses Steuersparmodell
Der Grund, warum die Autowelt derzeit amüsiert auf den Hennessey Mammoth 1000 Supercharged und auf Finnland blickt, ist eine Anzeige auf dem dortigen Autohandelsportal Netti Auto. In der etwas westlich von Helsinki gelegenen Stadt Lohja versucht derzeit nämlich ein Autohändler, ein aus Texas importiertes Pick-up-Mammut an den Mann oder die Frau zu bringen. Allerdings in heftig gedrosselter Form: Nicht nur, dass die Leistung in der Anzeige "nur" mit 1.005 PS angegeben wird. Der Topspeed beträgt zudem lächerliche 93 km/h! Teilweise fahren in Finnland die schwer belandenen Holzlaster auf den kurvigen Landstraßen schneller, als es dieser Hennessey vermag.

Wer an einen Zahlendreher in der Anzeige glaubt oder technische Gebrechen im Antriebsstrang des Mammoth vermutet, sieht sich vom restriktiven finnischen Steuerrecht eines Besseren belehrt. Hier liegt nämlich die Wurzel allen Topspeed-Übels: Aufgrund des enormen Verbrauchs seines 6,2-Liter-Kompressor-V8 wäre für den Pritschenwagen eine Einfuhrsteuer von 44,8 Prozent fällig, wenn er regulär als fünfsitziger Pkw zugelassen werden würde. Das Geld lässt sich im Fall des Pick-ups allerdings sparen: Aufgrund seines zulässigen Gesamtgewichts von 3.539 Kilog Ram m fällt er nämlich in die steuerlich viel attraktivere N2-Nutzfahrzeugklasse. Die Sache hat in der EU, zu der Finnland gehört, allerdings einen Haken. Na klar: Solche Autos dürfen sowohl in Deutsch- als auch in Finnland sowie in jeder anderen EU-Nation auf öffentlichen Straßen lediglich 90 km/h fahren. Insofern droht bereits dann ein Strafzettel, wenn die 93 km/h des Mammoth ausgereizt werden. Was jedoch theoretisch nicht passieren dürfte, da der Gesetzgeber eine elektronische Tempoüberwachung in solche Nutzfahrzeugen vorschreibt.
Trotzdem 249.900 Euro teuer
Angesichts eines Preisschildes, auf dem 249.900 Euro stehen, fragt man sich allerdings schon, was dieser Ausflug in steuerliche Graubereiche eigentlich soll. Wer das Auto für diesen Tarif kauft, kann sich sicher auch den steuerlichen Aufschlag leisten – mit der Konsequenz, die Tempofesseln ablegen zu können. Andererseits gilt natürlich auch bei den Nordeuropäern: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wer also die Geschwindigkeitsbegrenzung illegalerweise aufhebt, aber mit der örtlichen Polizei gut bekannt ist, darf bestimmt auch unlimitiert zwischen Wäldern und Seen durch die Landschaft heizen, hat aber zuvor massig Steuern gespart. Nur wehe, die Steuerbehörden kommen einem auf die Schliche. Die haben in Finnland nämlich einen legendär-knallharten Ruf und kennen bei Steuerhinterziehung keinen Spaß. Die Strafen dafür sind, wie eigentlich jede Strafe in Finnland, exorbitant hoch.