Audi A8 4.2 FSI im Test: Limousine mit dezenter Eleganz

Audi A8 4.2 FSI im Test
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Limousine mit dezenter Eleganz

Limousine mit dezenter Eleganz © Hans-Dieter Seufert 23 Bilder

Rupert Stadler, der Herr der Audi-Ringe, verabschiedet bei der Präsentation der dritten Generation des Flaggschiffs Audi A8 die versammelte Journalisten-Meute in klassischer Theodor-Heuss-Manier („Nun siegt mal schön“). „Wir glauben“, sagt Stadler, „dass wir ein ordentliches Auto gebaut haben. Nun schreiben Sie bitte was Ordentliches.“

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Womit klar ist, dass ihn die Vorberichterstattung im Boulevardstil tief getroffen hat. Kein Hybrid zum Serienanlauf, hieß es da, als Standardausstattung ein gewichtsintensiver Allradantrieb. 

Der A8 ist eine Limousine von dezenter Eleganz, ohne Stilisten-Gags

Hat Audi etwa einen unzeitgemäßen Saurier auf die Räder gestellt? Natürlich nicht, die CO2-Uhr tickt auch in Ingolstadt heftig. Beim hier getesteten Modell mit Achtzylinder-Benziner konnte der Normverbrauch um über einen Liter gedrückt werden. Das ist ein Wort, denn wir reden hier über ein Auto von wahrhaft fürstlichen Dimensionen. Deutlich über fünf Meter lang, fast zwei breit. Was die Designer aber sehr gekonnt kaschiert haben. Der Audi A8 präsentiert sich nicht als klobiges Dickschiff, sondern als Limousine von dezenter Eleganz, bei der keine offensichtlichen Stilisten-Gags die Linie stören.

Im Audi A8 ist alles vom Feinsten, sogar die Holzleisten sind handgefertigt

Im Innenraum, dessen üppiges Platzangebot die Erwartungen an ein Luxusgefährt ohne Einschränkungen erfüllt, wurden erst recht alle Register gezogen. Der gekonnte Umgang mit Material und die Liebe zum Detail gilt schon lange als Audi-Merkmal, und hier wird ein neuer Höhepunkt erreicht. Da ist alles vom Feinsten – bis hin zu den Holzleisten, deren Kanten in Handarbeit eine schmeichelnde Rundung erfahren. Die handwerkliche Perfektion, die an die klassischen Coach-Builder der Historie erinnert, wird verknüpft mit modernster Elektronik. Das MMI genannte Bediensystem zeigt eine grundlegende Weiterentwicklung, wobei ein Touchpad wie bei einem Laptop den entscheidenden Akzent setzt.

Auch bei der Bedienung der komplexen Technik setzt der Audi A8 Maßstäbe

Mit dem Finger malt man Buchstaben – den Namen eines Fahrziels etwa oder den eines Telefon-Gesprächspartners. Und schon erscheint das Gewünschte auf dem ausfahrbaren Bildschirm. Das Ganze funktioniert zudem mit bemerkenswerter Perfektion. Auf die ebenfalls vorhandene Sprachsteuerung muss nur der zurückgreifen, der das Alphabet nicht beherrscht. Was die Bedienung eines mit komplexer Technik vollgestopften Autos angeht, setzt der Audi Maßstäbe. Und auch sonst leistet er sich keine Schwächen.

Höchst bequeme, vielfach verstellbare Sitze oder eine unauffällig arbeitende Klimaanlage gehören zu den Selbstverständlichkeiten, die nur der Vollständigkeit wegen der Erwähnung wert sind. Beim Fahren verstärkt sich der Eindruck, dass die Größe der Karosse in den Hintergrund tritt. So flink und leicht, wie der Audi A8 auf Lenkbewegungen reagiert, kann durchaus der Eindruck entstehen, in einer Mittelklasse-Limousine zu sitzen.

Auch beim Thema Agilität setzt der Audi A8 noch eins drauf

Auch die gute Übersichtlichkeit nach vorn trägt dazu bei. Nur nach hinten ist man wie bei vielen modernen Autos auf gutes Schätzvermögen angewiesen – oder auf die Rückfahrkamera, die zu den empfehlenswerten Extras gehört. Audis Topmodell gehörte schon immer zu den besonders agilen Vertretern der Luxusklasse, und der neue Audi A8 setzt da noch eins drauf. Wird im Menü der Fahrprogramme die Position Dynamik gewählt, erscheint die unmittelbare Reaktion der Lenkung schon eine Spur übertrieben. Auch die neue, sehr sanft schaltende Achtgangautomatik zeigt dann eine betont sportliche Charakteristik, die nicht unbedingt im Sinne wirtschaftlicher Fortbewegung ist.

Trotz hoher Drehzahlen herrscht im Innenraum des Audi A8 Ruhe

Und der V8-Motor beißt zu wie eine böse Klapperschlange. Das Laufgeräusch des Achtzylinders freilich ist so gut gedämmt, dass selbst bei hoher Drehzahl Ruhe im Innenraum herrscht. Modus Komfort erscheint unter den meisten Umständen bekömmlicher. Dann ist alles sanfter – vor allem Federung und Dämpfung. Hier gab es Nachholbedarf, denn der Federungskomfort war bei den Vorgängern zu einem guten Teil der angestrebten Fahrdynamik zum Opfer gefallen. Die Verbesserung ist offensichtlich. Die Federung spricht feinfühlig an und absorbiert auch grobe Bodenwellen, ohne die Karosserie in nennenswerte Vertikalbewegungen zu versetzen.

Trotz Leichtmetallbauweise kratzt der Audi A8 an der Zwei-Tonnen Marke

Der Audi befindet sich damit jetzt auf Augenhöhe mit seiner Konkurrenz, was ohne Zweifel den wichtigsten Fortschritt der Entwicklung darstellt. Trotz Leichtmetallbauweise ist kein wirklich leichtes Auto entstanden. Beim Testwagen drückt die Fülle der Sonderausstattungen so kräftig auf die Waage, dass er an der Zwei-Tonnen-Marke kratzt. Der Allradantrieb trägt ebenfalls dazu bei, aber es wäre falsch, ihn in Frage zu stellen. Wer einmal mit Quattro im Winter unterwegs war, wird den Antrieb nur zweier Räder bei starken Autos als vorsintflutliches Relikt empfinden.

Der Testverbauch des Audi A8 liegt spürbar unter dem des Vorgängers

Der A8 zeigt unter allen Bedingungen beste Fahrsicherheit, wofür natürlich nicht nur die Allrad-Mechanik, sondern auch die Abstimmung der Fahrwerkselektronik verantwortlich ist. Und der Verbrauch? Was die Normwerte zeigen, lässt sich in der Praxis nachvollziehen. Mit zehn Liter zügig unterwegs zu sein, ist vor allem auf der Autobahn kein Problem, wo der günstige Luftwiderstandsbeiwert und die lang übersetzte achte Fahrstufe zum Tragen kommen. Der Testverbrauch liegt spürbar unter dem des Vorgängers, wozu auch innermotorische Maßnahmen beitragen.

Stehendes Wasser beispielsweise: Nach dem Kaltstart wird das Kühlmittel im Motorblock nicht umgewälzt und erwärmt sich schnell. Das reduziert die innere Reibung und damit den Verbrauch. Aus vielen Detailentwicklungen wird so ein Gesamtkunstwerk. Nicht nur ein ordentliches Auto, sondern ein außerordentliches. Chapeau, Herr Stadler.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • funktionelle Gestaltung
  • sehr gute Qualität von Materialien und Verarbeitung
  • schlechte Übersichtlichkeit nach hinten

Vor- und Nachteile

Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gut ansprechende Federung
  • niedriges Innengeräusch
  • sehr gute Klimatisierung
  • leicht verständliches Bedienungsschema

Vor- und Nachteile

Antrieb
  • kultiviert laufender, temperamentvoller V8-Motor
  • gute Fahrleistungen
  • gut auf die Motor-Charakteristik
  • abgestimmte Achtgangautomatik

Vor- und Nachteile

Fahreigenschaften
  • sehr gute Traktion
  • gutmütiges Fahrverhalten
  • sehr gute Handlichkeit
  • exakte Lenkung

Vor- und Nachteile

Sicherheit
  • sehr wirksame, absolut standfeste Bremsen
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • sehr gutes Licht

Vor- und Nachteile

Umwelt
  • vergleichsweise niedriger CO2-Ausstoß
  • den Fahrleistungen angemessener Testverbrauch

Vor- und Nachteile

Kosten
  • hoher Anschaffungspreis
  • ausgefeilte Aufpreispolitik
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der Audi A8 bringt frischen Wind in die Luxusklasse. Fahrdynamisch setzt er Maßstäbe, beim Komfort hat er konsequent aufgeholt. Selbst mit Achtzylinder-Benziner sorgt der Verbrauch nicht für ein schlechtes Gewissen.

Tabelle (techn. Daten)

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