Wer im Ausstattungskatalog eines Autos etwas von einem „automatisierten Schaltgetriebe“ liest, rümpft meist die Nase. Warum? Diese Getriebevariante ist bei vielen Fahrern unbeliebt, weil sie die Passagiere jeden Gangwechsel auf Grund einer Zugkraftunterbrechung abnicken lässt. Zulieferer und Getriebespezialist ZF hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt, die außerdem eine Fülle von weiteren Funktionen mit ins Auto bringt: Das Achshybrid-Konzept eAMT (electrified Automated Manual Transmission).

Als Anschauungsobjekt dient ein rechtsgelenkter Dacia Duster aus Indien, der dort mit einem automatisierten Schaltgetriebe im Handel ist. Dem hat ZF eine elektrische Hinterachse eingepflanzt, die aus dem Duster einen Bedarfs-Allradler und einen Plug-In-Hybriden macht. Und was hat das mit dem automatisierten Schaltgetriebe zu tun? Ganz einfach: Die Kraftunterbrechung, die durch das Öffnen der Kupplung entsteht, überbrückt die E-Maschine an der Hinterachse mit elektrischem Schub. Somit bleibt der Vortrieb auch während des Schaltvorgangs konstant, was zu einem DSG-ähnlichen Fahrgefühl führt und das oben erwähnte „Abnicken“ weitestgehend eliminiert.
Hinterradantrieb, Allrad und Elektro-Betrieb

Weil der Elektromotor mit 90 kW aber entsprechend dimensioniert ist, kann er nicht nur den Schalt-Pausen-Clown geben, sondern das Fahrzeug auch 60 Kilometer weit rein elektrisch als Hecktriebler bewegen. Damit fährt der Wagen in Stausituationen, beim Rangieren und im innerstädtischen Bereich emissionsfrei. Per Rekuperation wird dem Akku auch während der Fahrt wieder Saft zugeführt. Tritt man kräftig auf das Gas-Pedal, schaltet sich der Verbrenner wieder dazu, und beide Motoren schieben den Duster gemeinsam vehement als Allradler vorwärts, was einem sehr surreal vorkommt, wenn man am Steuer des Billig-SUV sitzt. Die Koordination der Motoren und des Getriebes übernimmt eine Software von ZF.
Warum das eine clevere Lösung ist? Die Technologie kann zur Hybridisierung von Klein- und Kompaktfahrzeugen mit quer eingebautem Frontmotor genutzt werden, ohne zusätzlichen Entwicklungsaufwand und mit geringem Platzbedarf. Das eAMT-System lässt sich dank kompakter Bauweise in bestehende Plattformen integrieren und liefert so effiziente Zusatzfunktionen in einem preissensiblen Segment für schmales Geld. Den Autoherstellern will ZF das eAMT in verschiedenen Leistungsumfängen anbieten. Davon hängt dann auch der Einbauort des Batteriesystems ab, je nachdem wie viel rein elektrische Reichweite gewünscht wird.