Wenn Nieren anschwellen, dann ist zumeist eine Entzündung dafür verantwortlich. Bei BMW ist es die Design-Abteilung. Das jüngste kontrovers diskutierte Bug-Design ziert das auf der IAA vorgestellte Concept 4 Series Coupé – ein Ausblick auf die kommende Generation des BMW 4er. Hier wächst die Niere nicht nur – wie beim 7er – in die Breite, sondern auch nach oben und unten. Hämische Menschen schlagen gar vor, die Niere einfach über die komplette Front zu ziehen.

Nicht nur Kunden, sondern Fans
Anderen gefällt die progressive Gestaltung und auch BMW-Designchef Adrian van Hooydonk verteidigt die Kreation gegenüber der britischen "autocar": "Als Automobilhersteller müssen wir in Bewegung bleiben. Ab dem Zeitpunkt, an dem man still steht, wird man zum leichten Ziel." Grund für die emotionale Debatte ist seiner Meinung nach der Umstand, dass BMW als Marke nicht nur Kunden, sondern auch Fans habe. Diese reagierten deutlich sensibler auf etwaige Kurswechsel in Sachen Design.
Wobei wir mit Blick auf die Historie feststellen müssen, dass es bereits einige Kurswechsel gegeben hat – manche durchaus drastischer als die bloße Vergrößerung der Niere. Wir erinnern uns da an den 328, dessen Front eine überaus langgezogene Version der Niere ziert. In den 1950er-Jahren fällt die Gestaltung beim "Barockengel" BMW 501 schon etwas dezenter aus, wenn auch in der Grundausrichtung vergleichbar. Doch schon zehn Jahre später erfolgte mit dem BMW 1500 ein drastischer Bruch. Die Front wurde optisch in die Breite gezogen; ein ausladender verchromter Kühlergrill fasste eine vergleichsweise winzige Niere ein, die beinahe unterging in der neuen Frontgestaltung.

Kleine Niere am Z1
Wenn es allerdings um kleine Nieren geht, dann toppt vermutlich nichts den BMW Z1; jenen Sportwagen, der zwischen 1989 und 1991 genau 8.000 Mal gebaut wurde. Für dieses Projekt war die BMW-Tochter "BMW Technik GmbH" verantwortlich. Sechs Fahrzeuge wurden pro Tag in Handarbeit gefertigt; für das Design war Harm Lagaay zuständig. Der Niederländer hatte zuvor als Chefdesigner von Ford den Sierra und den Escort verantwortet.

In den 1990er-Jahren erblickte der Z3 das Licht der Welt. Der auf dem E36 Compact basierende Roadster trägt ein unaufdringliches Gesicht. Diese vornehme Zurückhaltung sollte bereits wenige Jahre später eine Design-Revolution bei der Marke erschüttern. Das allerdings hat nichts mit einem Wechsel in der Design-Abteilung zu tun – dort war zu dieser Zeit (1992 bis 2009) Chris Bangle der federführende Gestalter. Mit dem 6er zog der amerikanische Designer die Niere kräftig in die Breite und prägte in den folgenden Jahren mit unzähligen Volumenmodellen das moderne Gesicht der Münchener. Unter anderem mit dem ersten X5, dem ersten 1er, dem ersten X6 und den 7ern bis zur Baureihe F01/02.
Eine neue Dimension von Nieren-Breite brachte schließlich Nader Faghihzadeh im Jahr 2015 mit der Generation G11 der Luxus-Limousine 7er. Das Team vom aktuellen Chefdesigner der BMW-Gruppe, Adrian van Hooydonk, setzte im vergangenen Jahr mit dem X7 nochmal einen drauf, und wenig später mit dem eingangs erwähnten Concept 4 Series Coupé. So sind es interessanterweise jeweils Niederländer, die für die kleinste und die größte Niere bei BMW-Modellen verantwortlich sind.