Es war eine hochbeschleunigte Ära damals vor 100 Jahren. Innovationen und Rekorde jagten einander; zum Atemholen blieb nur noch wenig Zeit, Abkürzungen ersetzten lange Wörter. Abkürzungen wie ARAL. Der Chemiker Walter Ostwald hatte sie für den neuen Kraftstoff des Benzol-Verbands ersonnen. Er bestand zu 40 Prozent aus Benzol, das zur chemischen Gruppe der Aromaten gehört, und zu 60 Prozent aus Benzin aus der Aliphaten-Familie.
Der in Bochum ansässige Benzol-Verband (Kürzel: B.-V.) stammte aus dem Bergbau; Benzol war ein Nebenprodukt aus den Kokereien im Ruhrgebiet. Mit seinen Stärken bei Energieinhalt und Klopffestigkeit eignete es sich prinzipiell sehr gut als Motorerntreibstoff, doch es besaß schlechte Kälteeigenschaften und hätte Änderungen an den Vergasern erfordert. Mit reinem Benzol konnte der B.-V. im noch jungen Kraftstoffgeschäft nicht Fuß fassen. Das gelang erst 1924 mit Aral, und zwar auf Anhieb – Ostwalds Sprit-Mix war ein Super-Benzin, das ohne Bleizusatz auskam, die Leistung steigerte, den Verbrauch verringerte und den Motor sauber hielt.
Die Bochumer Stadtfarben
1927 stellte der Benzol-Verband sein Logo von Schwarz-Gelb auf die Bochumer Stadtfarben Blau-Weiß um. Noch vor 1930 entwickelte er sich zur größten Kraftstofforganisation Deutschlands ohne ausländische Beteiligung. 1929 nannte er 4.000 Zapfsäulen sein Eigen – allerdings standen fast alle am Straßenrand oder in Hinterhöfen, häufig als Zusatzgeschäft von Einzelhändlern, und alle wurden mit Handpumpen und Schwerkraft betrieben.

1920er Jahre: 1924 führte der B.-V-Verband den Markennamen Aral ein. Tankstellen wie hier waren damals noch rar.
Die Tankstelle als Tankstation setzte sich erst durch, als die Rüstungs- und Kriegswirtschaft des NS-Regimes und die folgende staatliche Zwangsbewirtschaftung der Branche endeten. Das war 1951, und es war der Startschuss für ein steiles Wachstum – schon 1960 zählte das Aral-Netz mehr als 11.100 Stationen. In den 60-er Jahren kappten die Bochumer ihre Verbindungen zum Benzol und zur Montanindustrie und stellten sich als Mineralölunternehmen neu auf. Aus dem B.-V-Verband und seinem Nachfolger, der BV-Aral AG, entstand 1962 die Aral AG; fünf Jahre später war die wirtschaftliche Neuordnung abgeschlossen. Aral verteidigte seine Position als Marktführer in Deutschland auch dank neuer Convenience-Konzepte wie dem 1971 eingeführten Mini-Markt, dem Vorläufer der heutigen Rewe-Stores. Im selben Jahr kamen die ersten Zapfsäulen mit Selbstbedienung, Preisnachlässe sollten die Kunden zu ihnen locken. Bereits 1980 waren sie in der Mehrheit.

1950er Jahre: elektrische Zapfsäulen, die es seit 1949 gab, unter einem eleganten Flachdach mit Neonlicht. Von 1952 bis 1962 hieß das Unternehmen „BV-Aral AG".
Ära der Konzentration
Die folgenden Jahrzehnte waren für die Kraftstoffbranche eine lange Phase der Konzentration. 1993 betrieb die Aral AG noch 2.300 Tankstellen, etwas weniger als heute. 2002 wurde sie vom britischen Unternehmen BP übernommen, das 650 seiner grünen Stationen auf Blau-Weiß umflaggte.

2000er Jahre: Die Tankstellen wuchsen in Größe und Angebot. Das deutsche Aral-Netz umfasste damals etwa 2.500 Stationen.
Und wie geht es weiter? Was haben die zwei Millionen Kunden, die pro Tag die Aral-Tankstellen anfahren, zu erwarten? Wie gestaltet das Unternehmen die Zukunft mit? Aufsichtsratschef Patrick Wendeler hat beim 100-Jahre-Festakt in Bochum bis zu 10 Milliarden Euro Investitionen in Deutschland bis 2030 angekündigt — nach dem Motto "Und, nicht oder". Vorstandsvorsitzender Achim Bothe sagt: "Wir machen uns für Technologieoffenheit stark und stellen unseren Kundinnen und Kunden die Energie zur Verfügung, die sie nutzen möchten."
Nachhaltiger Strom ist natürlich der Antrieb der Mobilitätswende. Aber Diesel, Benzin oder Erdgas werden noch lange im Fokus stehen; Aral arbeitet daran, die fossilen Kraftstoffe klimaschonender zu machen. Der Premium-Diesel namens Ultimate entsteht jetzt nach einer neuen Formel; er enthält mindestens 15 Prozent einer erneuerbaren hydrierten Komponente (HVO). 100-prozentigen HVO-Diesel, der vorwiegend aus Abfallstoffen besteht, offeriert Aral an Lkw-Tankstellen in Autobahnnähe. Acht Standorte in Deutschland bieten in einem Pilotprojekt die neuen Futura-Kraftstoffe an – Diesel und Super mit wenigstens 30 Prozent erneuerbare Komponenten, die den CO2-Ausstoß gegenüber fossilem Sprit mindestens um ein Viertel senken.
Seit 100 Jahren ist Aral ein Motor der Mobilität. Und das ist Ansporn und Verpflichtung für die Zukunft.
Interview mit Aral-Vorstandschef Achim Bothe

„Tankstellen sind Drehscheiben der Mobilität“ - Wie gestaltet die Aral AG den Übergang vomfossilen Kraftstoff zum Strom? Und wie wird die Tankstelle von morgen aussehen? Interview mit Vorstandschef Achim Bothe.
Wir setzen auf mehrere Schwerpunkte. Schon immer hat Aral sein Kraftstoffportfolio aktiv weiterentwickelt, zuletzt mit einer neuen Formel für unseren Hochleistungskraftstoff Aral Ultimate Diesel, die wir zum Ende des 100. Jubiläumsjahres von Aral vorgestellt haben, und mit der aktuellen Einführung von Aral HVO an einigen Aral-Standorten in Deutschland als emissionsärmerer Alternative zu fossilem Diesel. Zudem bauen wir unser ultra-schnelles Ladenetz für Elektrofahrzeuge unter der Marke Aral pulse weiter aus. Beim aktuellen Stand der Ladeinfrastruktur in Deutschland ist Reichweitenangst aus meiner Sicht keine Ausrede mehr. Wir glauben, dass Tankstellen in unterschiedlicher Ausprägung als Drehscheibe der Mobilität eine wichtige Rolle in der Mobilitätswende spielen werden. Dazu gehört natürlich auch ein attraktives Convenience-Angebot mit unseren Rewe To-Go-Shops.
Wir gehen davon aus, dass noch viele Jahre Verbrenner auf deutschen Straßen fahren werden, und stellen uns bei Aral daher auf ein Nebeneinander der verschiedenen Antriebssysteme ein. Ende des Jahres haben wir eine neue Formel für Aral Ultimate Diesel eingeführt, die sich unverändert durch Hochleistungseigenschaften wie die höhere Reichweite pro Tankfüllung und die Aral-Anti-Schmutz-Formel auszeichnet und zusätzlich durch eine höhere Cetanzahl von mindestens 60 CZ sowie durch eine erneuerbare hydrierte Komponente (HVO). Wir bieten dieses Produkt an mehr als 1500 Aral-Tankstellen an. Zudem pilotieren wir die emissionsärmeren Aral-Futura-Kraftstoffe an acht Aral-Tankstellen. Und wir sind einer der größten CNG-Anbieter in Deutschland, mit hohem Biomethananteil.
E-Fuels sind vor allem für die Schiff- und Luftfahrt geeignet, die sich nur schwer elektrifizieren lassen. Wasserstoff ist insbesondere im Schwerlastverkehr eine Option für die Langstrecke. Viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind aber weit von der Marktreife entfernt, und der Bedarf ist noch relativ gering. Am Ende ist es auch für uns als Tankstellengesellschaft eine Frage der Kundennachfrage und Wirtschaftlichkeit, wie die verschiedenen Antriebslösungen in der Realität angenommen werden.
Mit unserer E-Mobilitätsmarke Aral pulse betreiben wir aktuell mehr als 3.000 Ladepunkte an über 400 Standorten in Deutschland. Ein weiterer Ausbau ist geplant. Vor wenigen Wochen haben wir in Mönchengladbach in der Nähe der A61 unseren ersten reinen Ladepark offiziell eröffnet. Wir sind einer der größten Schnellladeanbieter Deutschlands und setzen auf ultraschnelles Laden mit einer Leistung von bis zu 400 kW. Je nach Fahrzeugtechnik können Elektroautos so innerhalb von 10 Minuten rund 300 Kilometer Reichweite laden. Erst kürzlich wurden wir im Connect-Ladenetztest erneut als bester Schnellladeanbieter Deutschlands ausgezeichnet, zum zweiten Mal in Folge und als einziger Anbieter mit der Note "Sehr gut". In diesem Jahr haben wir auch die Aral pulse App und Ladekarte für unsere Kunden eingeführt.
Inzwischen kann man an mehr als 900 Aral-Tankstellen bei Rewe To Go einkaufen. Unser Angebot mit frischen Snacks, Kaffeespezialitäten und Lebensmitteln für die Unterwegsversorgung und den späteren Verzehr wird gut angenommen. Im vergangenen Jahr haben wir den Vertrag mit unserem strategischen Partner Lekkerland bis ins Jahr 2028 verlängert, das ist eine wichtige Kooperation für uns. Ebenso wie die mit Payback – auch diesen Vertrag haben wir erneut verlängert, um das Punktesammeln und -ein- lösen für unsere Kunden weiterhin so einfach wie möglich zu machen. An teilnehmenden Aral-Tankstellen gilt dies selbstverständlich auch weiterhin für Rewe To-Go-Shops.
Schnell einkaufen: Rewe ist Partner von Aral

Die Partnerschaft mit Rewe-Tochter Lekkerland hat Aral bis ins Jahr 2028 verlängert.
Immer mehr Menschen in Deutschland verpflegen sich mal eben schnell unterwegs. In den mehr als 900 Rewe To-Go-Shops, die es an den Aral-Tankstellen gibt, finden sie nicht nur Kaffeespezialitäten, Snacks und Getränke vor, sondern auch frische Lebensmittel wie Salat, Obst, Wraps, Desserts sowie kalte und warme Speisen. Hinzu kommt das Sortiment, das sie von Aral kennen – vor allem Getränke, Süßwaren, Tabakwaren, Pflegeprodukte für das Auto und Motorenöl. Mit mehr als 85.000 Bechern Kaffee täglich bezeichnet sich Aral als größter Coffee-to-go-Anbieter hierzulande. Und, nicht zu vergessen: Jedes Jahr werden 15 Millionen Autos an den blauen Tankstellen gewaschen.
Die Zusammenarbeit mit der Supermarktkette begann 2014. "Wir führen unser Rewe To-Go-Konzept an immer mehr Aral-Tankstellen in Deutschland ein", sagt Vorstandschef Achim Bothe. "Wir wollen das Einkaufen, Tanken und Laden so einfach wie möglich machen." Erst vor kurzem hat Aral seine Partnerschaft mit der Rewe-Tochter Lekkerland bis ins Jahr 2028 verlängert. Und natürlich gibt es auch am brandneuen Aral pulse-Ladepark in Mönchengladbach einen Rewe To-Go-Shop. Laden dauert ja immer noch ein bisschen länger als Tanken, und mit einem Einkauf lässt sich die Wartezeit gut nutzen.
Beim Tanken punkten: Aral und Payback

Per Karte oder Smartphone-App: Vor kurzem hat Aral die Zusammenarbeit mit dem Bonusprogramm Payback erneut verlängert.
Seit mehr als 18 Jahren pflegt Aral eine Partnerschaft mit dem Treueprogramm Payback. Seine Nutzer können Bonuspunkte sammeln und diese später gegen Prämien oder Gutscheine eintauschen.
Aral-Kunden können ihre Punkte mit der Karte oder mit der App von Payback sammeln. Die App, die von mehr als zwölf Millionen Menschen genutzt wird, integriert eine Funktion, die das Bezahlen direkt an der Zapfsäule ermöglicht. Derzeit gibt es bei Aral einen Payback-Punkt für zwei Liter Kraftstoff, zwei Kilowattstunden Strom oder (an teilnehmenden Stationen) für jeden Euro Umsatz im Shop. Autowäschen werden ebenfalls angerechnet. Die Nutzer lösen 94 Prozent der gesammelten Punkte wieder ein, teilt Payback mit. Aral-Kunden können dies beim Bezahlen tun oder auf dem Weg von Wertgutscheinen oder Prämien.
Als führendes Multipartner-Bonusprogramm verfügt Payback in Deutschland über 31 Millionen Kunden und mehr als 700 Partnerunternehmen. Obwohl die Rewe-Kette Ende 2024 aus dem Programm aussteigt, läuft es in den Rewe to-Go-Shops an den Aral-Tankstellen weiter; Aral hat seinen Vertrag mit Payback vor einigen Monaten verlängert. Anfang 2025 stoßen Edeka, Netto und die Sparkassen-Finanzgruppe neu zum Partner-Portfolio von Payback.
E-Auto laden bis 400 kW: Aral Pulse

Das Aral-Schnellladenetz umfasst aktuell 430 Standorte mit über 3.000 Ladepunkten.
14 ultraschnelle Ladesäulen mit bis zu 400 kW Leistung, jede davon mit zwei Ladepunkten, auf dem Dach eine Photovoltaikanlage – im Oktober 2024 hat Aral seinen ersten reinen Ladepark eröffnet. Er liegt im Mönchengladbacher Gewerbepark Nord, nah an der Autobahn A 61 und am Fußballstadion der Borussia. Zu ihm gehört auch ein Rewe To-Go-Store samt modernem Aufenthaltsbereich, der 24 Stunden geöffnet ist. Eine Reihe weiterer Anlagen nach diesem Muster sind in Planung.
Der Aufbau des Schnellladenetzes unter dem Markennamen Aral pulse begann 2021. Derzeit umfasst es etwa 430 Standorte mit über 3.000 Ladepunkten, die die Kunden per Karte oder App nutzen können. Parallel dazu entsteht ein Schnellladenetz für Lkw mit dem Ziel von 30 Standorten Ende 2024.
Das Stromgeschäft für die Mobilität auf der Straße ist bei Aral zu einem strategischen Business herangewachsen. Bis 2030 will das Unternehmen sein Netz auf 20.000 schnelle Ladepunkte ausbauen und dafür jedes Jahr zirka 100 Millionen Euro investieren.
Qualität und Komfort – diese beiden Prinzipien hat Aral auch auf sein neues Geschäftsfeld übertragen. Mit Erfolg: 2023 und 2024 ist Aral pulse zum besten Betreiber von Schnellladepunkten (Charge Point Operators, COPs) in Deutschland gekürt worden. Diese Auszeichnung hat die Mobilitätsmarke connect bei einem großen Praxistest vergeben, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfand; zwölf Kriterien flossen in die Wertung ein. Im diesjährigen Test von connect sicherte sich Aral pulse 851 von 1.000 möglichen Punkten und ließ damit alle acht CPO-Wettbewerber hinter sich.