Gleich am frühen Morgen des ersten Pressetages der Detroit Motor Show 2014 kommt es zu einem Highlight. Dementsprechend groß ist auch der Rückstau vor der Taschenkontrolle. Diese passiert, geht es durch einen Zeltgang, der das Cobo Center, Heimat der Automesse, provisorisch mit der Joe Louis Arena, Heimstätte des Eishockey-Teams Detroit Red Wings, verbindet. In der Arena wartet der Automobilhersteller Ford mit einem 25-minütigen Programm auf. Der Höhepunkt kommt zum Schluss: die Vorstellung des neuen F-150.
Ford F-150 unterzieht sich einer Diät
Auf eine Wand projiziert Ford ein Video, das die früheren Generationen des Godfather of Pickups zeigt. Untermalt werden die Bewegt-Bilder von dröhnenden Basstönen, sodass so mancher Pressevertreter zusammenzuckt. Dann ist es soweit. Fünf Ford F-150 brechen durch Papierwände und rollen auf die Bühne. Der kräftigste, eleganteste und fähigste Ford F-150 bislang soll er sein, behauptet der US-Hersteller. Um sich davon zu überzeugen, stürmen die Journalisten und Fotografen die Treppen hinunter auf die Bühne. Sie streicheln und klopfen auf den Ford. Aus einem Grund: Sie wollen seinen neuen Körper fühlen.
Trotz der Erfolgsgeschichte des Pickups, der die letzten 32 Jahre lang das bestverkaufte Auto auf dem US-Markt war, geht Ford bei der 13-Generation neue Wege. Der F-150 musste sich während seiner Entwicklung einer Diät unterziehen. Er verlor je nach Spezifikation bis zu 317 Kilogramm, was vor allem seinem Spritverbrauch zu Gute kommen soll. Möglich macht die Gewichtsreduktion eine neue Außenhaut, die aus Aluminium und nicht wie früher aus Stahl besteht.
BMW M3/M4 stiehlt i8 die Show
Nach der Präsentation des Ford F-150 geht es zurück in das Cobo Center zum Stand von BMW. Auf hellbraunem Parkett stehen der Stromer i3 – von dem sich die Münchner in den USA einiges versprechen –, und der Plug-in-Sportler i8, der allerdings von einer Glasumrandung abgeschirmt wird. Der BMW i3 zeigt sich da offener. Er lässt sich nicht nur ablichten, sondern empfängt auch Gäste.
Doch im Mittelpunkt des Interesses steht bei BMW auf der Detroit Motor Show nicht der Elektroflitzer, sondern zwei andere Fahrzeuge, die mit 431 PS locken. Mit einem Staubwedel fährt ein Mann dem gelben BMW M4 Coupé behutsam über das Karbon-Dach, bevor er sich bewaffnet mit Putzmittel zum M3 aufmacht. Ein paar Schritte weiter befindet sich noch ein Exemplar des neuen M4, dessen Innenraum von einem asiatischen Journalisten akribisch abgefilmt wird. Zeit, es sich selbst auf den Sportsitzen gemütlich zu machen, bleibt nicht. Denn nur wenige Meter von BMW entfernt, spielt die Musik – im wahrsten Sinne des Wortes.
Rund um den Mercedes-Stand ist aufgrund der Anzahl von Füßen nicht mehr viel vom Fußboden zu erkennen. Zu den Klängen der US-amerikanischen R&B-Sängerin Kelly Rowland fahren drei Exemplare der neuen Mercedes C-Klasse auf die Bühne. Um einen Blick zu erhaschen, stellen sich die Besucher in den hinteren Reihen auf die Zehnspitzen, manche von ihnen halten Kameras und Smartphones in die Höhe. Rowland läuft im Scheinwerferlicht auf und ab, bewegt sich dabei rhythmisch zur Melodie, bevor sie anhält, ihren Zeigefinger auf die Mercedes C-Klasse richtet und ihren Auftritt mit den Worten "I wanna see you work" abschließt. Damit spricht sie den Mercedes-Verantwortlichen wohl aus der Seele.
Dieter Zetsche zeigt Mercedes GLA 45 AMG und S600
Bereits vor dem Live-Act hatte Daimler Chef Dieter Zetsche, der im Mercedes S-Klasse Coupé auf die Bühne fuhr, den neuen Power-SUV Mercedes GLA 45 AMG sowie die Oberklasse-Limousine S600 eingeführt. Mit ihren Modellen wollen die Schwaben ihre Spitzenposition im Premiumsegment auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt weiter behaupten.
Dieser boomt übrigens wieder nach der schweren Wirtschaftskrise 2008/2009. Im abgelaufenen Jahr wurden in den USA 15,6 Millionen neue PKW verkauft, über eine Million mehr als noch 2012. "Der US-Automarkt hat zur alten Stärke zurückgefunden", befindet Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, in Detroit. Für 2014 erwartet Wissmann einen weiter wachsenden Markt, insbesondere für Premiumprodukte.
Zwischen Mercedes und BMW hat es sich Audi gemütlich gemacht. Der Audi S8 blickt neidisch auf die Seite. Denn neben ihm steht ein Auto, welches der Limousine in Detroit die Show stiehlt: das Audi Allroad Shooting Brake-Showcar – ausgestattet mit einem Zweiliter-TFSI-Motor und einem ins Doppelkupplungsgetriebe integrierten E-Motor. Kombiniert bringt es die Antriebseinheit auf 408 PS. Das Konzeptfahrzeug in der Farbe "ice blue" wird von Pressevertretern nach der Enthüllung umzingelt. Wer sich in das Showcar setzten möchte, das Designelemente der nächsten Audi TT-Generation tragen soll, muss sich in Geduld üben. Ohne Termin beträgt die Wartezeit am ersten Pressetag rund eine halbe Stunde. Wer Pech hat, darf sich gar nicht reinsetzen.
Toyota FT-1 ist einer der Stars in Detroit
Einer der Stars der Detroiter Automesse gehört zum Lager von Toyota. Vorbei an SUV-Modellen wie dem Toyota Highlander und 4Runner sowie dem Truck Tundra, die sich bei den Japanern breit machen, geht es auf eine erhöhte Plattform zum Toyota FT-1. Der Buchstabe F steht hierbei für "Future" und "T" für Toyota. Die Designstudie versetzt die Besucher wegen ihrer prächtigen Proportionen ins Staunen. Ausgeprägte Radkästen lassen den FT-1 bullig wirken. Außerdem glänzt die Designstudie mit ihren eingezogen Flanken samt Lufteinlässen, einem mächtigen Diffusor, einem Heckflügel in Bananenform und zwei dicken Auspuffrohren. Mit dem Toyota FT-1 wollen die Japaner die Richtung der zukünftigen Toyota Sportwagen-Designsprache aufzeigen. Spielkonsolen-Liebhaber können den FT-1 im Spiel Gran Turismo 6 ausprobieren.
Auf der ersten großen Automesse des Jahres hat Ford neben dem F-150 noch einen zweiten Klassiker mit im Gepäck: seinen neuen Mustang. Dem 50. Geburtstag angemessen, thront der Mustang umrandet von Glas auf einem Podest. Zu Beginn des Tages hatte Ford sein Pony Car in der Joe Louis Arena von der Leine gelassen. Der Mustang bedankte sich mit einer zwar kurzen, aber imposanten Soundprobe.