Mehr als 30,70 Euro durfte ein Anwohnerparkausweis pro Jahr nicht kosten – egal wo in Deutschland. Doch 2020 fiel die bundesweit gültige Obergrenze. Seitdem hätten zehn Bundesländer ihre Städte ermächtigt, die Gebühren anzuheben, erklärt Robin Kulpa von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Viele Städte haben die Notwendigkeit höherer Parkgebühren erkannt, um Flächen für Rad- und Fußverkehr zurückzugewinnen und um Bus und Bahn zu finanzieren."
Parkgebühren konkurrieren mit gestiegenen Lebenshaltungskosten
"Höhere Gebühren sind jedoch kommunikativ immer schwierig, weshalb viele Städte nach wie vor zögern", so Kulpa. Aber auch einige Bundesländer haben Vorbehalte gegen zu hohe Parkgebühren – vor allem wegen der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Belastungen der Bürger und Mieter durch die allgemeinen Preissteigerungen, die hohen Energiepreise und die anhaltend hohe Inflation haben wir uns entschieden, die weitere Ausarbeitung des dafür notwendigen Verordnungsverfahrens in Bayern vorerst zurückzustellen", erklärt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums gegenüber auto motor und sport. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) will die Festsetzung der Gebührenhöhe zwar grundsätzlich Städten und Kommunen überlassen, sieht wegen der insgesamt enormen finanziellen Belastungen für Bürger aber "zum augenblicklichen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf".
Je länger das Auto, desto teurer der Parkausweis
Baden-Württemberg hat seinen Städten schon grünes Licht gegeben. In Freiburg etwa kosten Autos bis 4,20 Meter Länge 240 Euro, bis 4,70 Meter sind es 360 Euro. Für längere Gefährte werden 480 Euro fällig – fast 15 mal mehr als bisher. Köln (Nordrhein-Westfalen) verlangt zwischen 330 und 390 Euro. Fahrzeuge über 5,60 Meter wie große Wohnmobile erhalten dort gar keinen Parkausweis mehr.
Der Deutsche Städtetag hält die Gebührenerhöhung für "überfällig", so Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. "Bisher haben sich Verwaltungsaufwand und Beschilderung kaum durch Parkausweise gegenfinanzieren lassen. Auch der wirtschaftliche Wert und der Bodenwert des Raums, auf dem ein Auto geparkt wird, wurden bisher nicht eingepreist."
Verkehrsdienstleister Inrix hat 2017 übrigens in einer Studie errechnet, wie viel Geld die Parkplatzsuche einen Autofahrer pro Jahr kostet und wie viele Stunden damit verbracht werden. Ein Ranking nach deutschen Großstädten finden Sie in unserer Fotoshow.