Kundenflucht durch explodierende Kosten

Ram hat sein Einstiegsmodell verloren – und damit auch massenweise Kunden. Die sollen wiederkommen – mit einem neuen Einstiegsmodell. Aber das kann dauern. Hohe Preise sind derweil bei allen US-Herstellern ein Problem.
Ram möchte wieder eine günstige Version seines Pick-ups einführen, wie Ram-Chief-Financial-Officer (CFO) Doug Ostermann auf einer Konferenz der US-Unternehmensberatung Wolfe Research betont. Gleichzeitig hat Ostermann eingeschränkt, dass die Einführung eines solchen Modells nicht kurzfristig möglich sei.
2024 hatte Stellantis-Chef Carlos Tavares das Ende der Produktion des günstigen Ram 1.500 Classic beschlossen – am 4. Oktober war das letzte Modell produziert. Die Preise gingen bei 41.000 Dollar (37.790 Euro) los. Seit 2019 hat Ram bereits die fünfte Ram-Generation mit dem Baureihen-Kürzel DT im Angebot, aber die vierte Generation namens DS lief als "Classic" weiter vom Band. Diese technische ältere Basis-Ausstattungsvariante blieb ohne preislich vergleichbaren Nachfolger, weshalb Stellantis 1.100 Mitarbeiter im Warren Truck Assembly Plant (WTAP) in Michigan entlassen hat. Die Verkäufe von Ram-Pick-ups sind daraufhin um 16 Prozent eingebrochen, die Gesamtfahrzeugauslieferungen von Stellantis gingen um 15 Prozent zurück.
Ram möchte günstigere Modelle anbieten. Beim Pick-up Ram 1500 ist ein neues Einstiegsmodell geplant, in der Ausstattungsvariante Tradesman (Bild) gibt es jetzt mehrere Varianten, die unter 50.000 Dollar kosten.
Chef will unter 50.000 Dollar
Ram-Insider beklagen, dass der Hersteller unter der Regie von Tavares unter mangelnden Investitionen gelitten hätte. Jetzt möchte Ram verlorenen Boden zurückgewinnen – durch Preissenkungen, höhere Kaufanreize und eine Erweiterung der Produktpalette. Gleichzeitig kämpfen die Ram-Verantwortlichen mit in Aussicht stehenden hohen Zöllen, mit der die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump Industrie in die USA zurückholen möchte. Der Hersteller hat bereits Zulieferproduktionen aus Mexiko und Kanada in die USA verlagert. Sollten die hohen Zölle wirklich kommen, könnte sogar ein Teil der Ram-Fertigung aus Mexiko in die USA wandern, betonen Ram-Vertreter.
Ram-Chef Tim Kuniskis macht bereits Druck, dass der Hersteller sein Angebot für Fahrzeuge die unter 50.000 Dollar kosten (aktuell umgerechnet zirka 46.101 Euro) erweitert. Erst kürzlich hat Ram den Preis seines geländegängigen Ram 1500 Warlock Crew Cab 4 x 4 auf 50.000 US-Dollar gesenkt. Aktuell kosten auch die Ausstattungen Tradesman Sport und Tradesman Night Edition weniger als 50.000 US-Dollar.
Hochpreis-Problem
Medien und Kunden diskutieren in den USA permanent den Preisanstieg für Autos in den vergangenen Jahren. Im September 2024 hat das US-Investment-Banking-Unternehmen Morgan Stanley vor zu hohen Preisen der US-Autohersteller gewarnt – danach stürzten die Aktienwerte von GM um 5,6 und von Ford um 4,6 Prozent ab. Morgan Stanley sieht die Gefahr, dass heimische Hersteller aufgrund zu hoher Preise Marktanteile an südkoreanische und japanischer Anbieter verlieren – und auch die chinesischen Hersteller seien eine wachsende Gefahr. Die Erschwinglichkeit von US-Autos sei auf dem Heimatmarkt sehr angespannt, stellten die Banker beunruhigt fest. Die Lager seien hingegen wieder auf Vor-Pandemie-Niveau und somit gut gefüllt.
Fazit
Beliebte Modelle einstellen kann Unternehmen in Bedrängnis bringen – Ram ist nicht der erste Hersteller, der diese Erfahrung macht. Das Ende der Produktion des Einstiegsmodells Ram 1.500 Classic hat zu einem Rückgang der Pick-up-Verkäufe um heftige 16 Prozent geführt. Jetzt möchte der Hersteller mit einem günstigen Pick-up-Einstiegsmodell die Kunden wieder zurückgewinnen. Finanzchef Doug Ostermann betont aber, dass Ram so eine Variante nicht kurzfristig anbieten kann.
Zu hohe Preise für Autos heimischer Hersteller sind in den USA seit Jahren in der Diskussion – Autos gelten beinahe schon grundsätzlich als Luxusgut. Um nicht noch mehr Marktanteile an die asiatische Konkurrenz zu verlieren, erhöhen die Firmen jetzt ihre Anstrengungen, wieder günstigere Autos auf den Markt zu bringen.
Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen auto motor und sport eine Provision erhalten kann (sog. „Affiliate-Links“). Weiterführende Informationen hier.