Wer die großen Modell-Neuheiten auf dem Pariser Autosalon ansieht, könnte meinen, das Elektroauto sei schon in der Mitte der Branche angekommen. Aber wenn es nach der verkauften Realität geht, fristen Elektroautos, Plug-in-Hybride und all die anderen alternativen Antriebsarten ein Nischendasein. So vereinten die klassischen Verbrenner im September statte 93,6 Prozent aller Neuzulassungen auf sich.
Und wie fällt die Bestandsaufnahme in den Modellpaletten der deutschen Premiumhersteller aus?
Audi mit elektrischem SUV
Audi zeigt in Paris stolz seinen Elektro-SUV E-Tron Quattro. Auf den Markt soll er noch in diesem Jahr kommen und für rund 80.000 Euro zu haben sein. Aber das ist nur ein Modell – zu einem stattlichen Preis. Ein Blick in unseren „Autokauf“ zeigt: Audi bietet derzeit allein 14 Modellreihen an, zählt man Karosserieversionen wie Kombi, Cabrio oder Coupé hinzu, kommt man gar auf 22. Und bei denen findet sich derzeit nicht mal ein Hybrid: Der A3 E-Tron fehlt derzeit im Programm, die PHEV-Versionen von A6, A7 und A8 kommen frühestens 2019. Da kommt dann auch das zweite Elektroauto, der E-Tron Sportback. Bei genauer Betrachtung ist das aber nur die Coupé-Version des gerade gezeigten E-Tron – damit steht es dann 22:2 für den Verbrenner. Klare Kiste.
BMW mit wachsender Auswahl
Da haben die bayerischen Nachbarn bei BMW mehr zu bieten. Denn abgesehen vom dritten Batterieupdate für den i3, der jetzt mit einem 120-Ah-Akku nach WLTP-Zyklus rund 360 Kilometer weit kommen soll, haben die Münchner nur drei weitere Hybridvarianten im Angebot. Die älteste steckt im Karbon-Chassis des 2014 vorgestellten Hybridsportwagens BMW i8. Am unteren Ende der Modellpalette fängt das PHEV-Angebot mit dem Mini Countryman Hybrid und dem BMW 220e an – beide stehen auf der UKL-Plattform. Die dritte Hybridvariante kommt in unterschiedlichen Leistungsstufen im 3er, 5er und 7er zum Einsatz. So haben 330e und 530e iPerformance jeweils eine Systemleistung von 252 PS (Benziner 184 PS, E-Motor 65 kW/ 88 PS) und eine elektrische Reichweite von 40 Kilometern (nach NEFZ). Im hybriden Flaggschiff, dem BMW 740e iPerformance und die dazugehörige Langversion kommt derselbe 2.0-Liter-Turbo zum Einsatz. Dort liefert er allerdings 258 PS und die E-Maschine 83 kW (113 PS). Und ein e-Mini? Kommt 2019, ein elektrischer X3 2020.
Mercedes auch mit SUV
Bleiben die beiden Stuttgarter Autobauer, in alphabetischer Reihenfolge. Mercedes hat in Paris eine neue B-Klasse vorgestellt, deren Vorgänger dank Sandwichboden schon als e-Wagen zu haben war. Bei der neuen sieht das bislang noch anders aus. Sie soll dank einigen Modifikationen am bekannten OM654 (bekannt aus der C- und E-Klasse) zwar schon heute die erst 2020 notwendige Euro 6d-Abgasnorm erfüllen. In Sachen Elektrifizierung spricht die Pressemitteilung aber nur von Sitzen, Gurtaufrollern und verstellbaren Scheinwerfern. Ein Glück, dass der Van nicht das einzige Ass im Ärmel der Schwaben ist. Denn mit dem EQC 400 zeigen sie in Paris auch ihr erstes komplett eigenständiges Elektroauto mit Stern auf dem Kühler. Vorerst stehen den Käufern aber nur die beiden rein elektrisch angetriebenen Smart-Varianten, Fortwo EQ und Forfour EQ zur Wahl. Den EQC gibt es nämlich erst ab Mitte nächsten Jahres. Dann soll es der SUV aber immerhin auf 450 Kilometer Reichweite bringen.

Und die Hybride? Da gibt es einige. Sowohl als Benziner, wie auch als Diesel. Die Benziner fangen beim C350e an, der maximal 31 Kilometer rein elektrisch fährt und sich innerhalb von 90 Minuten von 20 auf 100 Prozent aufladen lässt. Darüber liegt der E350e, der zwei Kilometer weiter kommt, aber gleichlang zum Laden braucht.
Für die S-Klasse spuckt der Konfigurator zwei Mild-Hybrid-Varianten aus: Den S450 und den S500. In beiden Fällen leistet der E-Motor schmale 16 kW und der Sechszylinderbenziner einmal 367 PS und einmal 435 PS.
Für die beiden kleinen Baureihen gibt es auch eine Kombination aus Selbstzünder und E-Motor. Das sind zum einen der C300de und E300de, die beide eine 90 kW E-Maschine mit einem längs eingebauten OM654 mit 194 PS kombinieren und rund 50 Kilometer elektrisch fahren können. Darüber hinaus bietet Daimler auch die beiden SUV GLC350 und GLE500 als Plugin-Hybride an, die mit vollem Akku zwischen 30 und 34 Kilometer rein elektrisch fahren.
Hybrid für die Großen bei Porsche
Bleibt Porsche. Im Panamera gibt es sowohl für die Limousine, wie auch für den Sport Tourismo zwei Hybrid-Modelle: Den 4 E-Hybrid 3.0 und den Turbo S e-Hybrid 4.0. Der Dreiliter leistet 330 PS, der Vierliter im Turbo S kommt auf 550 PS, während der E-Motor immer auf 100 kW kommt. Parallel dazu hat Porsche noch den SUV Cayenne hybridisiert, der von einem E-Motor mit der gleichen Leistung angetrieben wird. Der Vierliterbenziner kommt hier allerdings auf 340 PS.

VW mit Kurs auf I.D.-Reihe
Und was ist mit VW? Die Wolfsburger haben mit ihrer GTE-Variante für Golf und Passat eigentlich zwei brauchbare Hybridkonzepte in petto und mit dem eGolf und eUp sogar zwei Stromer, die sie an den Mann und die Frau bringen könnten. Zum einen zählen sie sich aber nicht zur elitären Premiumriege, zum anderen sind die GTE-Modelle im Zuge der WLTP-Umstellung auf der Strecke geblieben und kommen erst 2019 bzw. wieder neu – dann immerhin mit erheblich mehr Elektro-Reichweite. Vom neuen Golf 8 wird es außerdem keine E-Version mehr geben. Wer in der Klasse elektrisch VW fahren will, muss auf den I.D. warten (Ende 2019). Das ist dann eine Baureihe der neuen Elektro-Familie, von der es bis 2024/25 fünf Modelle geben soll. An konventionell angetriebenen Baureihen zählt man bei VW 13 (ohne Karosserievarianten). Von denen soll nur der eUp eine Elektroversion mit mehr Reichweite (300 km) behalten.