Mit gleich zwei Neuerungen schickt Toyota den Pick-up Hilux ins neue Modelljahr. Die neue Variante GR Sport bekommt ein ordentliches Fahrwerks-Upgrade. Der 2,8-Liter-Turbodiesel wird mit 48-Volt-Technik mildhybridisiert.
Der Toyota Hilux wird mild hybridisiert
Die Frage ist nur: In welchen zuerst einsteigen? Wir entscheiden uns für den Hybrid: Beim 2,8-Liter-Turbodiesel kommt künftig Hybridtechnik zum Einsatz. Allerdings nicht als Vollhybrid, wie bei Prius und Kollegen. Der Vierzylinder-Motor bekommt einen Riemenstartergenerator, was ihn mild hybridisiert. Der Startergenerator übernimmt den Job von Anlasser und Lichtmaschine, kann gleichzeitig in Schubphasen Energie gewinnen und dem Verbrenner beim Beschleunigen unter die Arme greifen.
Als Energiespeicher wird eine 0,2 kWh kleine Lithium-Ionen-Batterie eingesetzt, die laut Toyota lediglich 7,6 Kilogramm wiegt. Sie wird unter der Rücksitzbank verstaut und übernimmt gleichzeitig über einen Spannungswandler die Versorgung des 12-Volt-Bordnetzes. Die Batterie selbst arbeitet mit einer Spannung von 48 Volt. Das System soll laut Toyota eine Kraftstoffersparnis von rund fünf Prozent ermöglichen. Eine kleine Batterieanzeige zeigt den Speicherinhalt des 48-Volt-Akkus.
Der Startergenerator erreicht mit seiner hohen Drehzahl ein leichteres und komfortableres Anspringen des Dieselmotors. Gleichzeitig kann er beim Beschleunigen mit bis zu 16 PS und 65 Newtonmeter unterstützen, was sich in leicht verbesserten Fahrwerten niederschlägt. Toyota betont außerdem die komplette Kapselung der Technik, Wasserdurchfahrten bis zu 70 Zentimeter stellen kein Problem für den neuen Startergenerator dar.
Mit dem Hybridsystem führt Toyota außerdem das bereits aus Land Cruiser-Modellen bekannte Multi-Terrain-Select-System ein, das verschiedene Fahrprogramme für Geländetouren bereithält. Damit werden Ansprechverhalten und Traktionskontrolle beeinflusst, um zum Beispiel auf Schnee oder tiefem Sand optimal abgestimmt zu sein.
Schneechaos oder perfekte Testbedingungen
Und heute haben wir perfekte Mischbedingungen: Denn die sandigen Wege durch Kappadokien in der Zentraltürkei werden von einer Neuschneeschicht bedeckt, die der scharfe sibirische Wind stellenweise zu Meterhohen Schneewehen auftürmt. Nach 26 Grad Celsius am Wochenende frieren wir jetzt bei gefühlt minus 16 Grad. Tatsächlich ist der plötzliche Wintereinbruch für diese Region zu dieser Jahreszeit alles andere als ungewöhnlich. Zudem ist das karge Mittelgebirge, das mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt ein echtes Paradies für Offroader.
Ja, der Pick-up wird hier mit seinen verhältnismäßig kurzen Überhängen aber dennoch langen Radstand kräftig gefordert. Alles Nötige, wie zuschaltbarer Allradantrieb, Sperre sowie ESP-Abschaltung und Bergabfahrhilfe sind serienmäßig an Bord. Mit letzterer geleitet der Hilux selbständig starke Gefälle runter. Böschungswinkel bis zu 29 Grad vorn und 26 Grad hinten stellen kein Problem dar. Genauso wie die hohe Verschränkungsfähigkeit der einzelnen Achsen. Der Übersichtlichste ist der Toyota Hilux jedoch nicht. Die grob pixelige Rückfahrkamera samt 360 Grad-Ansicht im Mäusekino-Format hilft im Gelände leider nicht weiter, denn diese eher als Parkhilfe und nicht zum Offroaden gedacht. Schade eigentlich.
Die gute Nachricht: Der Toyota Hilux wühlt sich auch ohne moderne Überwachungstechnik durch schmale Passstraßen, Trampelpfade und Bäche, die sich durch die Berge schlängeln. Wirklich souverän gelingt das natürlich mit dem zugeschalteten Allradantrieb. Die Untersetzung zuschalten gelingt nur im Stand in "Neutral-Stellung". Und die Hinterachssperre ist wirklich nur auf den und vereisten sehr steilen bergauf Passagen nötig.
Mehr Fahrkomfort durch Sandsack-Tuning im Hybrid
Der Fahrkomfort ist nicht nur auf den buckeligen Pisten beachtlich, sondern auch on the road. Klar, zum einen hat Toyota das Fahrwerk überarbeitet. Zum anderen fahren auf der Ladefläche des Hybrids circa 20 Sandsäcke als Ballast mit. Warum? Nun, typisch Pick-up federt so eine Geländepritsche umso besser, je mehr Last auf der Ladefläche ruht.
Übrigens, mehr als eine Tonne kann man hier draufladen und bis zu dreieinhalb Tonnen dranhängen. Ohne Anhängsel und nur mit Hinterradantrieb unterwegs hält sich übrigens auch der Verbrauch des präsenten 2,8-Liter-Diesels unter der 10-Liter-Grenze.
Ein echter GR? Will der Toyota Hilux GR Sport (leider) nicht sein
Umsteigen in die GR Sport-Variante des Toyota Hilux. Anders als in der australischen Variante steigt die Motorleistung des Vierzylinder Turbodiesel mit 2,8 Litern Hubraum nicht auf 224 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment. Denn wegen der Abgasvorschriften bleibt der Diesel hierzulande ungetunt.
Das bedeutet weiterhin 204 PS und 500 Nm Drehmoment aus dem 2,8-Liter-Vierzylinder. Schlimm? Nein, denn der Selbstzünder läuft auch ohne Mildhybrid recht flott. Zumindest ist subjektiv kaum ein Unterschied im Schubvermögen zum Hybrid auszumachen.
Kein Gegner für den Ford Ranger Raptor
Anders sieht es beim Fahrwerk aus. Denn der Toyota Hilux GR Sport kommt ohne Sandsack-Tuning aus. Klar, hier kommen neue Querlenker vorn und eine verstärkte Hinterachse zum Einsatz, dabei steigt die Spurweite spürbar: 140 Millimeter vorn – hinten wächst der Radabstand um 155 Millimeter an den Achsen. Zusätzlich gibt es steifere Schraubenfedern für die Vorderachse und neue Stoßdämpfer mit verbesserter Wärmeableitung sowie erhöhter Dämpfungsrate. Im Ergebnis federt der Toyota Hilux GR Sport spürbar ausgewogener und neigt sich in Kurven weniger zur Seite. So bügelt der GR Sport den welligen türkischen Asphalt noch souveräner glatt als der Hybrid. Auf den Schotterpisten federt vor allem das Heck besser.
Selbst bei Baja-ähnlich zügiger Gangart schüttelt es den Piloten nicht allzu heftig durch. Lediglich die Rückbänkler beschweren sich über mangelnden Seitenhalt. Dennoch, von den Möglichkeiten eines Ford Ranger Raptor mit Fox-Racing-Dämpfern ist der angeblich von der Dakar inspirierte GR Sport so weit entfernt, wie der heute Offroadklassiker von seinem namensgebenden Austragungsort.
Innen ein Pick-up alter Schule
Ziemlich schnell an Grenzen stößt auch, wer über 1,90 Meter hochgewachsen ist: So schlägt man schnell mit dem Kopf am Dach oder den Haltegriffen an. Aber auch dem Durchschnitts-Europäer fällt es im Japaner schwer, wegen der geringen Sitzflächenhöhe und des geringen Einstellbereichs des Lenkrades, eine natürliche Sitzposition zu finden. Ein- und Aussteigen über die schnell verdreckenden Trittbretter gelingt dank solider Griffe an der A-Säule problemlos.
Der Hilux ist auch innen noch ein Pick-up alter Schule: Stahlhartes Plastik, rustikale Tastenbedienung inklusive knochigem Automatikwählhebel, Drehschalter für den zuschaltbaren Allradantrieb samt Geländeuntersetzung und einer Taste für die Hinterachssperre. Nur dem Hybrid spendiert Toyota den Fahrmodi-Schalter. Dafür kann der GR auch auf Knopfdruck die Kennlinien schärfen.

Beim GR Sport gibt sich Toyota zumindest oberflächlich betrachtet Mühe das karge Innenleben sportlich aufzuwerten: Lederlenkrad mit Mittelmarkierung, schicke analoge Rundinstrumente und Sitze mit etwas Seitenhalt
An der ebenso gefühllosen wie leichtgängigen Lenkung ändert sich jedoch nichts. Der Fahrer kämpft vor allem auf der Straße mit großen Lenkwinkeln. Und in den engen türkischen Städtchen ist der Maxi-Wendekreis alles andere als hilfreich. Doch in den Offroad-Sektionen bringt genau das Punkte: Also Daumen aufs Lenkrad, um sich beim Verreißen der Vorderräder durch die ausgetretenen Fade nicht zu verletzen. So bahnt sich auch der GR sicher den Weg durch unwegsamstes Gelände.
Angeblich von der Rallye Dakar inspiriert
Das laut Toyota von der Dakar inspirierte Design umfasst unter anderem eine komplett eigenständige Frontgestaltung mit neuem Grill, neuer Schürze und einem Unterfahrschutz, der mit einem Verkleidungsteil optisch nach oben verlängert wird. Das Auto steht auf 17-Zoll-Rädern mit All-Terrain-Reifen, rote Bremssättel mit GR-Label signalisieren Sportlichkeit. Besonders auffällig sind die aufgesetzten schwarzen Radhausabdeckungen, mit denen die verbreiterte Spur gekontert wird. Als weiteres Offroad-Attribut gibt es außerdem stabile Schwellerschutzrohre, die gleichzeitig als Einstiegshilfe dienen. Zwei neue robuste Abschlepphaken am Heck sorgen für das perfekte Finish.
Beim GR Sport gibt sich Toyota zumindest oberflächlich betrachtet Mühe, das karge Innenleben sportlich aufzuwerten: Lederlenkrad mit Mittelmarkierung, schicke analoge Rundinstrumente und Sitze mit etwas Seitenhalt. Doch anders als bei echten GR-Modellen sind bestickte Kopfstützen, rote Sicherheitsgurte und Fake-Karbon nur sportliches Kolorit.
Nützlicher ist da schon das aufgefrischte Infotainment. Allerdings bleibt es etwas kleinteilig, leicht umstandskrämerisch und vor allem piepsig. Also lieber das Smartphone koppeln. Die Einbindung mit Apple CarPlay läuft drahtlos, für Android Auto wird ein Verbindungskabel benötigt.
Preise
Der Hilux als GR Sport startet bei über 65.581 Euro, der Mildhybrid bei 54.335 Euro. Die Basis-Version mit 2,4-Liter-Diesel gibt es ab 47.469 Euro. Die Extra-Cab-Variante liegt bei 48.552 Euro.