- Das Design des finalen 911 Dakar
- Modellname:
- Karosserie
- Fahrwerk des Porsche 911 Dakar
- Motor und Antrieb im Offroad-911
- Interieur, Exterieur und Extras
- Marktstart und Preis des 911 Dakar
Im November 2022 hatte Porsche einen ganz besonderen 911-Ableger vorgestellt: den Dakar mit allerlei Offroad-Technik und -Zubehör. Nun sind zwei Jahre vergangen und alle Exemplare der Sonderserie gebaut. Der 911 Dakar mit der Seriennummer 2.500 wurde kürzlich im Werk Zuffenhausen montiert und an seinen neuen Besitzer, einen Sammler aus Italien, übergeben. Bis das Auto in dessen Kollektion verschwindet, können es sich die Besucherinnen und Besucher des Stuttgarter Porsche-Museums anschauen. Dort wird es gemeinsam mit weiteren besonderen Derivaten bekannter Kleinserien im Foyer ausgestellt.
Das Design des finalen 911 Dakar
Der Final-Dakar zeichnet sich durch seine spezielle Farbgebung innen und außen aus. Seine in Handarbeit aufgebrachte Lackierung adaptiert den Look des Siegerwagens der Rallye Dakar 1984, ersetzt dessen Weiß allerdings durch Signalgelb im oberen Karosseriebereich. Die untere Hälfte erstrahlt in Enzianblau-Metallic. Der Farbton der Trennlinie trägt die Bezeichnung Lampedusablau und kehrt in Form eines Akzentrings an den LED-Matrix-Scheinwerfern wieder. Die Fünfspeichenräder greifen das Farbschema auf, während die aus Edelstahl gefertigten Schutzelemente an Bug, Heck und Schwellern schwarz sind.
Das Gelb taucht im Innenraum an mehreren Stellen auf. Dazu gehören die Nähte und Zierleisten an Schalttafel, Mittelkonsole und Türverkleidungen, der Schriftzug "911 Dakar" auf den Kopfstützen der Sportsitze Plus und eine Ledereinlage im PDK-Wählhebel. Wer für das Design-Konzept verantwortlich war, verraten die LED-Projektoren in den Türen, denn sie werfen beim Öffnen das Sonderwunsch-Logo auf den Boden.
Alles zur Optik und Technik
Ansonsten ist das Finalexemplar technisch und optisch ein typischer Porsche 911 Dakar. Der soll an den ersten Gesamtsieg bei der Rallye Paris Dakar 1984 erinnern, als die Kombination aus Fahrerlegende René Metge und seinem Porsche 953 von der Konkurrenz nicht zu schlagen war. Wer dachte, Porsche belässt es beim Offroad-Elfer bei ein paar bunten Aufklebern und gravierten Blechen mit Seriennummer, lag falsch. Zumindest ein bisschen. Die gibt es natürlich auch, doch damit ist es beim 911 Dakar nicht getan. Denn Porsche hatte den Elfer kräftig überarbeitet und ihn so fit für den Einsatz im Gelände gemacht. Doch der Reihe nach.
Modellname:
Bereits lange vor der Präsentation war der Offroad-911 in aller Munde, Quellen und Insider sprachen auch gegenüber auto-motor-und-sport.de immer von einem 911 Safari – ganz im Zeichen der berühmten 911 SC Safari-Modelle aus den 1970er-Jahren. Und offensichtlich wollten der Stuttgarter Sportwagenhersteller den Offroad-911 auch tatsächlich "911 Safari" nennen, doch der indische Tata-Konzern machte ihnen da einen Strich durch die Rechnung. Der hält für viele Märkte das Markenrecht für "Safari" – und hat mit dem gleichnamigen Modell den ersten eigenentwickelten SUV am Start. "Wir haben mit Ihnen gesprochen", sagte Thomas Krickelberg, bei Porsche für das 911 Dakar-Programm zuständig, gegenüber der US-amerikanischen Auto-Seite "Edmunds". "Aber sie haben uns keine Erlaubnis dafür gegeben. Das war Option A. Und dann sind wir auf Dakar umgestiegen." Wobei der Markenname Dakar bei den Organisatoren der Rallye Dakar liegt. Entsprechend soll Porsche eine nicht näher genannte Summe für die Namens-Verwendung gezahlt haben.
Karosserie
Technisch basiert der Porsche 911 Dakar weitgehend auf dem Carrera 4. Allerdings ist der Flügel nicht wie üblich verstellbar, sondern fest – und wie Porsche betont: eigens für den 911 Dakar aus CFK angefertigt, genauso wie die Fronthaube. Auf aufwendige Mechanismen beim Spoiler habe man bewusst verzichtet, würde die Technik im rauen Geländeeinsatz doch sicherlich leiden. Um vor genau diesem gefeit zu sein, beplankten die Ingenieure den wohl ersten echten Sportwagen fürs Gelände aus dem Hause Porsche mit Schutzplatten aus 0,8 Millimeter Edelstahl vom Bug und Heck, sowie an den Schwellern.
Ob die wirklich je zum Einsatz kommen, steht zwar auf einem anderen Blatt geschrieben, aber die Porschevertreter warben bei der Präsentation des Fahrzeugs mit ihrer Funktionalität, die weit über Effekthascherei der Designer hinaus gehe. Ob das auch für die Kunststoff-Kotflügelverbreiterungen gilt, ist nicht überliefert. Zweifelsfrei gilt es aber für die Edelstahlgitter an den Lufteinlässe zum Schutz vor Steinschlag und die überarbeitete Front. Die ist leicht nach oben gezogen, um den Rampenwinkel des Fahrzeugs zu verbessern. Wie all die beschriebenen Änderungen sind auch die aus Aluminium geschmiedeten Bergeösen vorn und hinten serienmäßig beim Porsche 911 Dakar. Nur für den Fall der Fälle versteht sich, denn die Beteiligten werden nicht müde zu betonen, welche herausragenden Eigenschaften der Offroad-Elfer im Gelände hat.
Damit all die Extras nicht zu sehr ins Gewicht fallen, spendiert Porsche dem aufgebockten 911 übrigens serienmäßig eine Leichtbauverglasung, eine Leichtbaubatterie und entsorgt die Rücksitzbank. So kommt der Porsche 911 Dakar auf 1.605 Kilo und ist damit nur zehn Kilo schwerer als der 911 Carrera 4 GTS mit PDK.
Fahrwerk des Porsche 911 Dakar
Da es für den Offroad-Einsatz mit Schutzblechen und den Modifikationen an der Front nicht getan ist, haben die Ingenieure, wie die Erlkönigbilder längst vermuten ließen, die Karosserie angehoben. So rollt der 911 Dakar knapp fünf Zentimeter höher über Stock und Stein als der Carrera mit Sportfahrwerk. Falls das nicht ausreicht, lässt sich das Fahrzeug über das serienmäßige Liftsystem, das eigentlich für langsame Fahrten über Gehsteigschwellen entwickelt wurde, um weitere 30 Millimeter angeben. Mit der Hochniveau getauften Einstellung sei aber weit mehr drin, als Bordsteinklettern. Bis zu 170 km/h seien möglich. Damit das klappt, wurden Teile des ursprünglichen Fahrwerks verstärkt, grundsätzlich entspreche das System aber der bekannten Technik.
Da die üblichen Gummis der Elfer nicht fürs Gelände taugen, hat Pirelli für den Offroad-911 einen neuen Reifen entwickelt. Die Pirelli Scorpion All Terrain Plus kommen mit neun Millimeter tiefen Stollen, verstärkten Seitenwänden mit hoher Schnittfestigkeit und zwei Karkassenlagen. Mit ihnen soll der Offroader nicht nur im Gelände, sondern auch bei sportlicher Fahrweise auf der Straße eine gute Figur machen. Beim Format setzt der 911 Dakar vorn auf 245/45 R19 und hinten auf 295/40 R20. Neben den Stollen sind optional auch Pirelli P Zero in Sommer- und Winterausführung mit zwei Karkassenlagen zu haben.
Motor und Antrieb im Offroad-911
Während die Karosserie weitgehend dem Carrera entspricht, ist im Heck des Porsche 911 Dakar der Motor aus den GTS-Modellen am Werk. Das heißt, der Gelände-Elfer kommt mit seinem Drei-Liter-Biturbo-Sechszylinder auf 480 PS und entwickelt maximal 570 Nm Drehmoment. Den Standardsprint auf 100 km/h wickelt er in 3,5 Sekunden ab. Top-Speed ist bei 240 erreicht. Mehr sei mit den grobstolligen All-Terrain-Reifen nicht drin.
Die Gangwahl übernimmt das serienmäßige, achtstufige Doppelkupplungsgetriebe. Die Hinterachslenkung und Wankstabilisierung PDCC und die dynamischen Motorlager aus dem 911 GT3 runden das Fahrdynamikfeuerwerk zusammen mit einer neuen Software ab. Denn der 911 Dakar kommt auch mit zwei neuen Fahrmodi, die vor allem im Gelände für Tempo und Fahrspaß sorgen sollen. So ist der Rallye-Modus vor allem für losen, unebenen Untergrund gedacht und arbeitet mit einem hecklastigen Allradmapping. Im Offroad-Modus wird um drei Zentimeter erhöhten Hochniveau gefahren. Beiden Modi gemein ist die neue Rallye Launch Control für Starts auf losem Untergrund, die den erlaubten Schlupf von den üblichen fünf Prozent auf 20 Prozent steigert.
Interieur, Exterieur und Extras
Im Innenraum gibt Porsche Vollgas. Alcantara so weit das Auge reicht und die Vollschalensitze sind Serie. Das Gestänge zur Versteifung der Karosse, das anstelle der Rückbank in der zweiten Reihe Platz findet, gibt es optional. Als designseitige Erkennungsmerkmale spendierten die Desinger dem Porsche 911 Dakar einen weißen Keramik-Lack auf den Zierleisten und die Ziernähte in Enzianblau oder Shadegreen, das beim Dakar exklusiv auch als Metallic-Außenlackierung angeboten wird.
Neben dem Grünton kann der Offroad-Elfer auch mit einem Rallye-Designpaket (26.061 Euro) geordert werden. Dann wird das Fahrzeug auf Basis einer weißen Karosserie oder einer Bicolorlackierung in Weiß und Enzianblaumetallic auch mit lackierten Dekorstreifen in Rot und Gold ausgeliefert, die an das Design des Siegerfahrzeugs von 1984 erinnern sollen. Für die Flanken des 911 Dakar können sich die Käufer außerdem eine individuelle Startnummer zwischen 1 und 999 aussuchen.
Da man bei einem Ausflug ins Gelände auf alles vorbereitet sein sollte, darf auch beim Porsche 911 Dakar zusätzliches Equipment nicht fehlen. Damit das Platz findet, hat Porsche eigens einen Dachkorb entwickelt, auf dem rallyetypische Ausrüstung wie Ersatzrad, Benzin- und Wasserkanister, Bergeboards, Taschen oder – und darauf ist Porsche besonders stolz: Ein Klappspaten verzurrt werden können. Alles natürlich mit Porschelogo bestückt und im Zubehör erhältlich. Außerdem sind in dem optionalen Gepäckträger Scheinwerfer für bessere Sicht bei nächtlichen Offroad-Expeditionen integriert, die über eine spezielle 12-Volt-Steckdose am Dach des 911 Dakar mit Strom versorgt werden können.
Marktstart und Preis des 911 Dakar
Wie üblich bei derartigen Sondermodellen war die Zahl der Porsche 911 Dakar limitiert. Insgesamt hat Porsche – wie eingangs erwähnt – 2.500 Stück gefertigt. Geplant waren ursprünglich weniger, aber als die internationalen Vertriebsorganisationen von dem Projekt Wind bekommen hatten, überschlugen sich die Anfragen in Zuffenhausen, sodass man die Stückzahl kurzerhand erhöht hatte. Die wenigsten Exemplare sind wohl zum Basispreis von 222.020 Euro in Kundenhand gelangt. Porsche will bislang nicht verraten, ob ebenfalls eine Dakar-Serie auf Basis des Facelift-911 mit dem Werkscode 992.2 aufgelegt werden soll.