Baukastenstrategie: Wie neu wird der VW Passat B9 (2021)?

VWs Baukastenstrategie (MQB)
:
Neuer Passat, alte Plattform

VW Passat / Arteon © Hersteller / ams 3 Bilder

Die Investitionen für Elektroautos, Assistenz- und Infotainmentsysteme zwingen VW zum Umdenken: Komplett neuentwickelte Plattformen für Verbrenner-Autos lohnen sich nicht mehr. Aktuelles Beispiel: der Passat. Dessen Nachfolger (B9) bleibt 2021 auf der MQB-Basis das aktuellen Modells (B8).

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Grundsätzlich wird in der Autoindustrie bei jeder Neuentwicklung mit spitzem Bleistift gerechnet: Wie hoch sind die Investitionen, wie groß die zu erwartenden Stückzahlen und die möglichen Erträge pro verkauftem Auto? Neuerdings muss außerdem einkalkuliert werden, wie viel Strafzahlungen womöglich für Varianten mit zu hohem CO2-Ausstoß fällig werden. Gleichzeitig finden die größten Innovationen inzwischen unter dem Blech statt, während die Entwicklungs- und Werkzeugkosten für neue Karosserien und Bodengruppen besonders teuer sind.

Was ist ein Baukasten, was eine Plattform?

Volkswagen hat gerade deshalb schon 2012 mit dem Golf VII den Modularen Querbaukasten (MQB) eingeführt. Diese Architektur löste die Plattformbauweise ab. Bei der unterscheiden sich Modelle mit gleicher Plattform im Wesentlichen durch den Karosserie-Hut, sprich die (sichtbaren) Außenbleche der Karosserie. Die meisten Module (Antriebstrang, Achsen, Infotainmentsystem) des MQB hingegen können verschiedenste Modelle nutzen, denen nur wenige Eckdaten gemeinsam sind – beim MQB im Wesentlichen der Abstand zwischen Spritzwand und Radmitte. Ziel des MQB: (Karosserie)-Entwicklungskosten sparen. Denn für die Entwicklung eines eigenständigen Modells veranschlagt die Autoindustrie grob eine Milliarde Euro. Die Entwicklung eines neuen MQB-Modells hingegen soll bis zu 30 Prozent billiger sein. Bei den vielen verschiedenen Modellen des Konzerns kommt da einiges an Ersparnis zusammen – heute sind 80 Prozent der mehr als 10 Millionen Autos des Konzerns vom Audi A1 bis zum VW Atlas MQB-Autos.

Noch mehr sparen lässt sich allerdings auch bei Baukasten-Autos, wenn zwei Modelle auf der gleichen Plattform (sprich Bodengruppe) stehen, am besten mit gleichen Türausschnitten, Innenblechen und Radstand. Wenn sich MQB-Autos nur noch bei den Karosserie-Außenblechen und damit beim Design unterscheiden, können die Entwicklungskosten bestenfalls um bis zu 90 Prozent sinken. Das gilt natürlich auch für „Verwandte“ verschiedener Konzernmarken, etwa das Trio VW Golf, Seat Leon und Audi A3.

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Audi testet derzeit die vierte Generation des A3. Jetzt ist unserem Erlkönig-Fotografen ein nahezu ungetarntes Erprobungsfahrzeug vor die Linse gefahren.
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Wie gehabt basiert auch die jüngste Generation des Komapkten aus Ingolstadt wieder auf dem aktuellen VW Golf (8). Der debütiert Ende Oktober 2019. Den A3 dürfte Audi im März 2020 in Genf zeigen.
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Der Neue wirkt vor allem im Vergleich mit den neuen Elektroautos der I.D.-Familie sehr flach. Die Zackenform der Scheinwerfer bleibt wie beim Vorgänger, ist aber hier noch mit einer Abdeckung getarnt.
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Speziell die Frontpartie schnüffelt selbst bei diesem Fahrzeug einer offenbar moderat sportlichen Version mit Rädern im Normalformat nah am Asphalt.
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Die jetzt übergreifende Haube verstärkt diesen Eindruck.
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Die Chromleiste über der seitlichen Sicke, die sich oberhalb der Türgriffe vom oberen Rand der Schweinwerfer bis zu dem der Heckleuchten zieht, ist (hoffentlich) nur Tarnung.
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Sie läuft sogar als Verbindung zwischen den Heckleuchten übers ganze Heck und betont den Schwung des Kofferraumdeckels in der Kante über der Nummern. Trotzdem wirkt die Chromleiste nicht wie eine Serienteil.
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Wie zuletzt schon beim Vorgänger wird es den neuen A3 nicht mehr als dreitürer, sondern nur noch alsviertürige Sportback-Variante geben.
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Auffällig in der Seitenlinie ist die scharfe Kante im unteren Drittel der Türen, die auf der hinteren Türe nach oben abknickt. Die Flächen drüber und drunter fallen stark Richtung Innenraum ab.
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Die Lüftungsgitte-(Attrappen?) über den viereckigen Auspuffendrohrblenden und außen unterhalb der Rückleuchten sehen aus, als seinen sie Teil des S-Line-Pakets.

Golf 8 mit gleicher Plattform wie Golf 7

Diese Kostenreduktion nutzt Volkswagen künftig verstärkt auch für den Generationswechsel – mit Ansage: Schon bei der Vorstellung des MQB 2012 kündigte VW an, dass die Plattform des Golf für zwei Generationen genutzt werden soll. Dementsprechend wird der neue Golf VIII exakt den gleichen Radstand von 2,63 Metern haben wie Generation 7. Die Übernahme der Plattform des Golf VII gilt dann auch für die Nachfolgemodelle der Konzerngeschwister Seat Leon und Audi A3.

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Kommunikationspanne? Datenleck? Stunden vor der offiziellen Premiere sind die Bilder vom neuen VW Golf 8 im Netz aufgetaucht.
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Die achte Generation des Bestsellers debütiert im Dezember 2019.
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Allerdings gibt es zunächst nur eingeschränkte Konnektivitätsfunktionen, dafür aber ein digitales Cockpit.
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Die achte Generation unterscheidet sich vom Vorgänger doch erkennbar.
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Vor allem die veränderten Proportionen (etwas breiter und flacher) und markanteren Details (etwa Scheinwerfer) sorgen dafür.
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Neben den weiter umlaufenden Rückleuchten fällt vor allem das Profil der Seitenlinie von hinten auf.
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Verläuft die Linie der C-Säule beim aktuellen Modell von hinten gesehen ziemlich senkrecht und gerade, ...
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... wird das Heck bei der Generation 8 nach unten hin breiter, ab der Fensterlinie sogar mit einem Knick – der neue Golf hat quasi Schultern.
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Mit Modellgeneration acht will VW das Fahrzeuggewicht noch mal um rund 50 Kilogramm gesenkt haben.
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Zwei große Displays prägen das Interieur des Golf VIII und nehmen damit die Hälfte des Armaturenträgers ein.
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Mercedes-Kunden kennen dieses Setup, seit dem Debüt der aktuellen A-Klasse wandert das MBUX-Cockpit nach und nach in alle Baureihen.
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In der Mittelkonsole ist ein kleiner Stummelwählhebel für das Automatikgetriebe untergebracht.
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Links neben dem Cockpit sind die Schaltflächen für die Lichtanlage.
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Blau illuminiert zeigt sich auch das Cockpit des Golf GTE.
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Der GTE zeigt sich an der Front mit der Schürze, die an die ID-Modelle angelehnt ist.
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Hinter dem Kotflügel ist die Klappe für den Ladestecker untergebracht.
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Der GTE-Hybrid verbleibt als elektrifizierte Golf-Version im Programm, den e-Golf wird es nicht mehr geben.
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Hier fährt der neue VW Golf 8 als Erlkönig an uns vorbei.
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Gut zu erkennen: Die Schürze mit den eingeklinkten Nebelscheinwerfern rechts und links.
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Die Leuchten sind noch abgeklebt.
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Sie werden eher die Form eines liegenden "L" haben.
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In der Schürze sind die Auspuffendrohre integriert, eine Chromleiste verbindet sie.
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Nur noch mild getarnt, vor allem an den Scheinwerfern: der neue Golf VIII. Gut erkennbar: Die tief heruntergezogene Haube mit zwei kräftigen Kanten an der Seite - wie beim aktuellen Polo.
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Zwei große Displays, die fast die Hälfte des Armaturenträgers einnehmen: Das Cockpit des Golf VIII gibt sich extrem digital. Echte Knöpfe und Tasten gibt es kaum noch, bedient wird per Touch oder Geste. In der Serie bilden die beiden Displays nicht ein gerades Paneel, sondern sind etwas versetzt verbaut.
© Mercedes
Das ist auch schon der größte Unterschied zur MBUX-Lösung, die bei Daimler seit der Weltpremiere der aktuellen A-Klasse Standard ist.
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Auch die Unterkante der Forntscheibe reicht weit herunter. Das hilft Übersicht und Raumgefühl.
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Die Heckleuchten sind noch auf Golf VII getrimmt. Am Serienauto sind schmaler.
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Die Computerretusche hier dürfte die Größe der Heckleuchten eher treffen.
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Auch die Scheinwerfer sind schmaler als beim Vorgänger; in der Serie laufen sie in einem schmalen Streifen bis in den Kotflügel.
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Dieser Streifen ist hier mit schwarzer Folie abgeklebt.
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Die Spiegel sind jetzt als so genannte Brüstungsspiegel im Blech der Türaußnhaut befestigt.
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Die herumgezogene schmale Fortsetzung des Scheinwerfers im Kotflügel zeigt auf die Sicke auf Türgriffhöhe und nimmt deren Linie vorweg.
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Von hinten gesehen ist die Dachlinie jetzt nicht mehr gerade, sondern formt mit einem Knick dort wo das Dach endet eine Schulter oberhalb der Radhäuser.
© Achim Hartmann
Zum Vergleich: Beim Golf VII verläuft die Linie vom Dach bis zum Kotflügel ohne Knick durch.
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Die stark heruntergezogene Fronthaube könnte beim neuen Golf VIII gegen Steinschläge empfindlich sein.
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VW testet den kommenden VW Golf aktuell auf dem Nürburgring. Die Generation 8 versteckt sich noch unter der Karosserie des aktuellen Modells.
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2020 wird Volkswagen den neuen VW Golf an den Start bringen.
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Der Golf 8 wird sich optisch deutlich stärker vom aktuellen Modell unterscheiden.
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Das Kompaktmodell fällt etwas breiter und flacher aus. Allerdings muss der Golf auch sofort als Golf erkennbar sein.
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Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, wird der neue Golf rund 50 Kilogramm leichter ausfallen.
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Außerdem wurde die Aerodynamik nochmal angepasst.
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Dafür gibt es aber jede Menge andere Antriebs- und Hybridvarianten. So geht beispielsweise ein Niedervolt-Hybridsystem (mHEV) im Golf 8 ab 2019 in Serie.
© Stefan Baldauf
Erster Einblick in den neuen VW Golf 8: Hier zeigt sich noch das bekannte Interieur. Der Automatikhebel fällt wohl etwas breiter aus,
© Stefan Baldauf
Im neuen VW Golf wird es das virtuelle Cockpit wieder geben. Hier testet VW wohl ganz offensichtlich eine neue Version.
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Der bisherige Bildschirm in der Mittelkonsole ist bei dem Prototypen verschwunden. Sicher gestaltet VW das Interieur völlig neu.
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Detailansicht der neue Cockpitdisplays.
© Stefan Baldauf
Der neue VW Golf wird wohl etwas länger ausfallen.
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Am Heck sind die Schürze und der Stoßfänger getarnt und auch die hinteren Räder stehen nicht korrekt in den Radkästen.
© Stefan Baldauf
Natürlich wird der neue VW Golf eine komplett neue Optik erhalten.
© Stefan Baldauf
Erster Blick in den Motorraum.
© Stefan Baldauf
Und auch unter das Modell konnte unser Erlkönig-Jäger blicken.
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Ende 2019 zieht VW das Tuch vom neuen VW Golf. Die Scheinwerfer werden schlitzförmige rausfallen.
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Kräftiger Dieselmotor: Schon länger geistert die Idee eines VW Golf R Diesel durch Wolfsburg. Mit dem neuen Biturbo-Vierzylinder, der im Passat 240 PS und 500 Nm entwickelt, könnte sie wahr werden.
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Parkassistent: Hilft nicht nur beim Parallel-, sondern auch beim Quereinparken.
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Head-up-Display: Wie bei Peugeot und Mini werden die Infos in eine kleine Scheibe gespiegelt.
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Fußgängerassistent: Der Golf warnt und bremst nicht nur vor Fahrzeugen, sondern erkennt künftig auch Fußgänger.
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Infotainment mit Mirror-Link: Die Technologie ermöglicht es, die Benutzeroberfläche des Smartphones im Fahrzeug zu spiegeln. Im Gegensatz zu heute sollen künftig mehr Endgeräte koppelbar sein.
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Area View: Im großen Monitor in der Mittelkonsole stellt die Kameratechnologie eine 360-Grad-Rundumsicht um das Fahrzeug dar, sozusagen aus der Vogelperspektive.

Variationen der MQB-Plattformen bei den o.g. Kriterien sind möglich, kosten in Abstufungen wieder mehr und wollen in Relation zu Stückzahl und potenziellen Ertrag gesetzt werden. So ist beispielsweise der Arteon viel mehr als ein Passat Coupé und im Vergleich zur verwandten Mittelklasse-Limousine deutlich eigenständiger als beispielsweise der Audi A3 im Vergleich zum VW Golf. Der Arteon ist nicht nur gut zehn Zentimeter länger als der Passat, sondern hat auch gut fünf Zentimeter mehr Radstand sowie eine große Heckklappe, was erhebliche Änderungen der Karosseriestruktur erfordert und sich entsprechend beim Preis niederschlägt: Im Schnitt ist ein Arteon bei gleicher Motorisierung rund 6000 Euro teurer als ein Passat.

Beim Blech sparen bringt Geld für Innovationen unterm Blech

Die Einsparungen sind kein Selbstzweck eines geizigen Unternehmens auf der Suche nach mehr Rendite und die Investitionen in die Elektromobilität sind nicht der einzige Grund, warum VW versucht, den Aufwand für die Entwicklung neuer Modelle auf der Blechseite zu reduzieren. Es ist vielmehr so, dass die meisten und teuersten Innovationen inzwischen unter dem Blech stattfinden und große Teile des Entwicklungsbudget verschlingen. Allein die Elektronik für Assistenzsysteme und Infotainment- bzw. Connectivity-Funktionen erfordert immer mehr Kapazität. So ist beispielsweise die Rechnerleistung im Golf 8 zehnmal größer als im Golf 7.

Wichtiges des technischen Innenlebens modernisiert VW ohnehin laufend, teils sogar ohne Facelift, wie etwa Updates für das Infotainmentsystem, das konzernweit inzwischen schon in dritter Generation ebenfalls als Baukasten (MIB III) zum Einsatz kommt. Auch die Weiterentwicklung von Antriebsvarianten ist weitgehend von Modellzyklen entkoppelt, weil die im ganzen MQB zum Einsatz kommen. So folgt die Anpassung an neue Abgasnormen keinem Modellfahrplan, sondern den Stichtagen gesetzlicher Vorgaben. Die Abgasnorm Euro 6d wird VW beispielsweise mit dem so genannten Twindosing zuerst für Passat und Golf 8 erfüllen. Dabei sorgt ein zweiter SCR-Kat für bis zu 80 Prozent weniger NOx-Emissionen, als der aktuelle Grenzwert erlaubt.

Weniger Investionen in Verbrenner wegen CO2-Limit

Wegen des 95-Gramm-Limits der EU ab 2020 immer wichtiger werden die CO2-Emissionen. Mittelklasseautos wie der Passat liegen typischerweise deutlich über dem Limit von 95 g/km, eher bei 120 bis 140 g/km. Investitionen in neue Modelle solcher Dimensionen müssen also auch potenzielle Strafzahlungen einspielen bzw. erfordern an anderer Stelle Investitionen in Modelle mit besonders niedrigem CO2-Ausstoß. Der neue Hybridantrieb mit mehr als 13 kWh Batteriekapazität ist eine davon, die aber eben nicht nur im Passat zum Einsatz kommt. Und letztlich muss VW darauf hoffen, dass sich möglichst viele Kunden in der Mittelklasse künftig für ein Elektro-Auto entscheiden, dessen CO2-Emissionen beim Flottenverbrauch mit 0g/km berücksichtigt werden.

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Das ist die Grundstruktur des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) von VW, den ab 2023 auch Ford nutzen wird. Ein in Köln produziertes Volumen-Modell und eine weitere Baureihe sollen auf der Plattform basieren.
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Große, skalierbare Batterie im Fahrzeugboden zwischen den Achsen, Synchronmotor an der Hinterachse und bei den Allradversionen zusätzlich ein Asynchron-E-Motor vorn.
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In diesem 1,30 Meter langen, 1,40 Meter breiten und 14 Zentimeter hohen Kasten sitzen die Batteriezellen. VW verwendet sowohl „Pouch“- als auch „prismatische“ Zellen von LG Chem und später auch von Samsung. Bei vergleichbarer Zellchemie unterscheiden sich prismatischen und Pouch-Zellen vor allem in ihrer Bauform. Während prismatische Zellen ein festes Metallgehäuse besitzen, sind Pouch-Zellen von einer flexiblen Alufolie umschlossen.
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Der Batteriekasten sitzt gut geschützt in einem massiven Rahmen - die I.D.-Fahrzeuge werden einen massiven Schweller haben.
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Am fertigen Unterbau des kompakten I.D. erkennt man, dass der 14 Zentimeter hohe Batteriekasten das Auto höher macht und dass auch Elektroautos beträchtlichen Kühlbedarf haben.
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Wie bei Autos mit Verbrennungsmotor: 12-Volt-Batterie fürs Bordnetz, Kühlmittel- und Bremsflüssigkeitsbehälter im I.D:-Vorderwagen
© Ingo Barenschee
Bei den E-Autos besetzt VW erst die Segmente, die bei den Verbrennern am meisten Stückzahlen machen. VWs Bestseller ist immer noch der Golf, drum kommt der Kompaktwagen auf Basis des MEB zuerst - er debütiert 2019 auf der IAA. Er hieß zunächst einfach nur ID., dann ID. Neo. Erst zum Bestellstart im Mai 2019 bekam er seinen endgültigen Namen ID.3.
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Immerhin: Das Chassis steht schon. Auf den ersten Blick sieht es nicht viel anders aus, als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.
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VW schätzt, dass ein Großteil der ID.-Fahrer nur einmal in der Woche Strom laden muss sowie rund 50 Prozent aller Ladevorgänge zu Hause stattfinden. Daher gehören auch verschiedene Wallboxen künftig zum Angebot der Wolfsburger. Die einfache Version mit Ladeleistungen bis zu 11 kW (AC / Wechselstrom) kostet ab 300 Euro – plus Installationskosten.
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Es wird aber auch Geräte geben, die mit bis zu 22 kW (DC / Gleichstrom) arbeiten, bidirektionales Laden ermöglichen sowie dank intelligenter Steuerung die Ladevorgänge planen und das E-Auto als Stromspeicher für Überkapazitäten nutzen können.
© Stefan Baldauf / Guido ten Brink
Das zweite Modell mit MEB-Technik wird der Crozz, ein SUV-Coupé in Tiguan-Größe. Vom Tiguan verkauft VW inzwischen 750.000 Stück pro Jahr. Drum soll der Crozz schon 2020 auf den Markt kommen.
© VW
Das Heck des Crozz baut enorm hoch. Den schwarz lackierten Abschluss hinten hat auch der ID. Neo und man kennt ihn vom T-Cross auf MQB-Basis und mit Verbrennungsmotor. Ein ID.-SUV in Tiguan-Größe kommt auch mit klassischem Steilheck, quasi ein Nicht-Coupé vom Crozz .
© VW
Der VW Bus (T6) macht zwar nur etwa ein Drittel der Stückzahlen eines Tiguan, aber vor allem in den USA ist der Bulli legendär und bis heute beliebt. 2022, vielleicht sogar schon 2021 will VW den I.D. Buzz auf die Straße bringen, dessen Design an das Original erinnern soll.
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Etwa 2023 könnte dann die Limousine I.D. Aero in Serie gehen. Concept Car-Vorbote ist der deutlich längere Vizzion (Bild). Das 4,80 Meter lange Serien-Stufenheckmodell steht ebenfalls auf dem MEB.
© Schulte
Den Serien-Vizzion wird es auch als Kombi geben - quasi ein elektrischer Passat Variant. Denn alle Passat-Versionen (aller Märkte) zusammengenommen verkauft sich die Mittelklasse auf MQB-Basis aktuell ebenfalls 750.000 MAl im Jahr
© Christian Schulte
Das fünfte der bislang angekündigten I.D.-Modelle mit MEB-Technik soll "Lounge" heißen. Mit diesem 5-Meter-SUV ist nicht vor 2024 zu rechnen. Es entspricht quasi dem größten MQB-SUV, dem gut fün Meter langen Atlas (USA) bzw. Terramont (China).
© VW
Der Lounge dürfte wie der Buzz 2 Motoren und Allradantrieb haben.
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Der I.D. Buzz zeigt gut die Vorteile des MEB: Auf der Grundfläche eines normalen VW T6 soll sich bei ihm das Platzangebot einen T6 mit langem Radstand realisieren lassen.
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Optisch haben die ID.-Modelle ebenfalls eine gemeinsame DNA.
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Der Buzz lehnt sich im Design aber auch an den legendären T1 an.
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Im Elektro-Buzz zeigt sich auch, wie flexibel der MEB den Innenraum mit seinem flachen Boden macht.
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Die Sitze lassen sich im Buzz zu verschiedensten Konfiigurationen verschieben.
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Die Face-to-Face-Konfiguration ist aus vielen VW-Bus-Generationen bekannt.
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Der I.D. Buzz bietet drei Sitzreihen.
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Je nach Bedarf lässt sich auch eine ....
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... Liegefläche konfigurieren.
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Einen so großen Bildschrim zur Bedienung kennen wir von Tesla. Im Buzz versinkt es auf Knopfdruck im Cockpit.
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Unter der Fronthaube bietet der Buzz einen 200 Liter großen Kofferraum.
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Je nach Bedarf kann ein MEB-Auto (hier der Buzz) Hecktriebler oder ...
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... Allradler sein.
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Die Bauweise ermöglicht einen langen Radstand und daher einen geräumigen Innenraum sowie einen tiefen Schwerpunkt. außerdem ist der Fahrzeugboden dank der flachen Batterie eben. Der Buzz (im Bild) setzt auf Luftfederung an der Hinterachse und elektronisch geregelte Dämpfer.
© Volkswagen AG
Volkswagen Group China baut weltweit erstes Produktionswerk nur für MEB-Fahrzeuge.
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Auf dem Genfer Salon 2019 zeigte Audi ein Concept Car seines ersten MEB-Autos. Der Q4 E-Tron ist ein kompakter SUV mit 306 PS und Allradantrieb.
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Die Batterikapazität beträgt laut Audi 82 kWh. Der Q4 E-Tron ist 4,59 Meter lang und 1,61 Meter hoch.
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Innen hat er mehr Platz als ein Audi Q5.
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Das MEB-Auto von Seat ist ein Kompaktwagen wie der ID. Neo. Der Seat El Born, so der Name des ersten Concept Cars auf dem Bild, ist 1,54 Meter hoch und ein paar Zentimeter länger als ein aktueller Seat
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Das sehr steile Heck lässt das MEB-Auto der spanischen Marke wie einen Kompaktvan wirken. Die Batteriekapazität gibt Seat mit 62 kWh an.
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Das Platzangebot im Elektro Seat ist allerdings eher mit einem Golf zu vergleichen, weil die Batterie im Boden Innenraumhöhe kostet.
© Stefan Baldauf / Guido ten Brink
Das Concept Car von Skoda, das einen Ausblick auf ein MEB-SUV der Tschechen gibt, heißt Vision iV. 2020 wird erst die Variante mit klassischem Steilheck debütieren. Das wäre dann ein Elektro-Pendant zum Bestseller Kodiaq.
© Stefan Baldauf / Guido ten Brink
Ähnlich wie der Audi ist auch der Skoda 1,61 Meter hoch überragt ihn aber bei der Länge (4,67 Meter). Der Radstand überspannt wie bei allen rund 2,77 Meter. Auch der Skoda hat 306 PS und Allrad, die Batterie soll 83 kWh haben.
© VW
Auch das soll mit dem MEB möglich sein: Mit dem ID. Buggy zeigte VW auf dem Genfer Automobilsalon 2019 ein elektrisches Spaßauto, das an die legendären Käfer-Umbauten der 60er erinnern soll.
© VW
Der ID. Buggy soll aber vor allem demonstrieren, wie flexibel der MEB ist und dass damit auch Fremdhersteller eigene Fahrzeuge bauen können. Erster Kooperationspartner wird e.go, der Hersteller des Life, einem günstigen Elektrokleinwagen (ab 16.000 Euro). Aber selbst für Konkurrenten will VW die Plattform öffnen, um sie so als Standard der E-Mobilität zu etablieren.
© Tobias Sagmeister - Audi
Der Audi E-Tron Quattro ist schon zu kaufen. Der SUV basiert wie beispielsweise der Q7 auf dem modigfizierten MLB (Modularer Längsbaukasten) und trägt eine 700 Kilo schwere Batterie im Fahrzeugboden.
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Der E-Tron ist 4,90 Meter lang und 1,63 Meter hoch, das Platzangebot ist entsprechend gut. Er ist bei Bedarf gut 400 PS stark, weigt 2565 Kilogramm und schafft nach WLTP gut 400 kilometer Reichweite.
© Audi
Der E-Tron Sportback hat die gleiche Technik wie der E-Tron Quattro (MLB).
© Audi
Seine Coupé-Karosse liegt besser im Wind, darum soll er mehr Reichweite haben - und wird etwas mehr kosten, wenn er noch 2019 auf den Markt kommt.
© Porsche
Ebenfalls noch 2019 kommt der Porsche Taycan. Das viertürige Elektro-Coupé hat mehr als 600 PS, Allradantrieb. Es steht auf einer eigenen, von Porsche entwickelten Bodengruppe und baut sehr viel flacher als MEB-Autos.
© Porsche
Der Grund: Die Batterie im Fahrzeugboden hat Aussparungen dort, wo die Füße der Passagiere Platz brauchen (so genannte Fußgragen). Der Taycan ist keine 1,40 meter hoch.
© Porsche
Die Taycan-Technik wird Porsche zudem für den Ablege Taycan-Cross Turismo nutzen, eine Art viertüriger Shooting Break mit milder Offroad-Optik.
© Porsche
Der Taycan Cross-Turismo ist quasi die elektrische Entsprechung des Panamera Sport Turismo. Als Concept Car unterbietet das E-Auto den Verbrenner in der Höhe sogar.
© Audi
Die gleiche Technik nutzt auch der Audi E-Tron GT. Das Concept Car im Bild entspricht zu 95 Prozent der Serienversion und ist ebenfalls kein 1,40 Meter hoch.
© Audi
Auch wenn E-Tron GT und Porsche Taycan auf der gleichen "Plattform" stehen: Es handelt sich bei ihr nicht um die Premium Plattform Electric (PPE), die Porsche und Audi gemeinsam entwickeln.
© Schulte
Auf der PPE stehen wird hingegen der Nachfolger des Porsche Macan, der 2021 auf den Markt kommen dürfte und nur noch als Elektroauto zu haben sein wird.
© Christian Schulte
Die PPE soll aber ausdrücklich auch Nicht-SUV so flach darstellen können, wie Taycan oder E-Tron GT. Der erste Audi, der die PPE für ein Nicht-SUV nutzt, wird wohl ein viertüriges Coupé im Stile eines A5 Sportback. Mit etwa 4,8 Meter Außenlänge kommt es dank des günstigeren E-Auto-Packagings sicher auf die Platzverhältnisse des Audi A6, darum die interne Bezeichnung "E6".

Das passende Modell, die Serienversion des ID. Vizzion (vermutlich ID.5) dürfte schon zu kaufen sein, wenn die neue Passat-Generation anrollt. Die Stufenheck-Form (auch eine Kombiversion ist geplant) hat zudem den Vorteil, dass sie leichter einen besonders guten cW-Wert erreicht. Der Wiederum zahlt auf den Verbrauch ein – was beim E-Auto eine entsprechend größere Reichweite bedeutet. Die mit einer größeren Batteriekapazität darzustellen, ist erheblich teurer.

Passat B9 mit B8-Plattform?

Für einen Passat-Nachfolger bedeutet das, dass sein Generationswechsel die Plattform mit hoher Wahrscheinlichkeit wie beim Golf 8 unangetastet lässt, das neue Modell gegenüber der Generation B8 äußerlich vielleicht sogar noch weniger verändert wird. Die dabei eingesparten Investitionen steckt VW besser in Elektrifizierung und Elektronik, die auch für andere Modelle Verwendung finden. Dass die neue Passat-Limousine eine coupéhaftere Form und dafür einen längeren Radstand bekommen soll, muss dennoch nicht falsch sein: VW hat ja ohnehin die Arteon-Plattform mit mehr Radstand (und coupéhafterer Linie). Das könnte aber in Europa eher bedeuten, dass dort die wenig gefragte Mittelklasse-Limousine ganz entfällt bzw. vom Arteon ersetzt wird und der Variant mit dem (alten) kürzeren Radstand ein umfangreiches Facelift zum Passat B9 erhält. Ähnlich macht es beispielsweise Mazda beim 6, wo der Kombi weniger Radstand hat als die Limousine, die ihren Hauptabsatzmarkt in den USA hat, wo Länge läuft.

Der US-Passat ist übrigens auch aktuell gut zehn Zentimeter länger als das Europa-Modell, sein Radstand rund zwei Zentimeter größer. Aber der in Chattanooga vom Band laufende „New Midsize Sedan“ ist gar kein MQB-Auto. Er steht noch auf der PQ47-Plattform – bei rund 50.000 Fahrzeugen im Jahr hat sich die Umstellung auf MQB nicht gelohnt. Anders in China: Dort entstehen MQB-Passat – mit 2,8 Zentimeter längerem Radstand als in Europa. Ein Blick auf die Stückzahlen macht klar, warum sich die Sonderlocke dort rechnet: 400.000 bis 500.000 Autos finden pro Jahr in China einen Käufer. Einen Stufenheck-Passat aus China importieren wäre aber zu teuer – zumal die Stufenheck-Limousine wie erwähnt hierzulande viel weniger gefragt ist als der Kombi. Damit gibt es für Deutschland mit Passat und Arteon Modelle in zwei Radständen und jeweils zwei Karosserieformen: Denn 2020 soll mit dem Facelift des Arteon dessen Shooting Brake Version debütieren, die nach dem Generationswechsel des Arteon (etwa 2024) sicher im Programm bleibt.

Fazit

Der MQB gibt Volkswagen maximale Flexibilität, über Marken hinweg viele Modelle und Varianten zu bauen. Der Aufwand für die Entwicklung neuer Modelle sinkt dadurch blechseitig deutlich bis enorm – je nachdem, wie umfangreich sich ein Modell vom verwandten Ausgangsprodukt unterscheiden soll. Der neue Passat dürfte zum eigentlich 2021 fälligen Modellwechsel karosserieseitig wie der Golf 8 eher ein umfangreiches Facelift bekommen. Variationen beim Radstand sind dank des Arteon kostengünstig denkbar, bei der Limousine in Europa aber vielleicht eher kontraproduktiv: Irgendwann passt das Mittelklasse-Auto nicht mehr in die Normgarage.

Das gesparte Geld wird VW wie schon beim gerade gelaufenen Facelift in Technik unterm Blech stecken – und hoffen, dass die Elektro-Alternative Vizzion schnell ins Laufen kommen.

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