SUV verkaufen sich nach wie vor gut und die Hersteller verdienen an ihnen mehr, als an herkömmlichen Limousinen – schließlich dürften die Material- und Produktionskosten vergleichbar sein. Also haben so nach und nach auch ausgemachte Sportwagen- und Luxuslimousinen-Hersteller ihre Scheu vor den hochliegenden Gefährten verloren: Porsche hat den Cayenne und den Macan im Angebot, Lamborghini protzt mit dem Urus, Maserati hat den Levante, Ferrari bringt spätestens 2022 den Purosangue auf den Markt und die ehemaligen Coupé- und Limousinen-Marken Bentley und Rolls-Royce sind mit dem Bentayga und dem Cullinan dabei.
Selbst die Leichtbau-Experten von Lotus haben seit mindestens vier Jahren Pläne für ein SUV namens Lambda in der Schublade – Prototypen fuhren bereits auf dem Werkgelände im englischen Hethel rum. Nur Bugatti ziert sich noch. Das möchte Industriedesigner Rafal Czaniecki ändern: Mit dem Bugatti Chiron Terracross schlägt er ein Supersportwagen-SUV vor, das außergewöhnliche Geländefähigkeiten hat. Er selbst nennt sein Concept, sicher aus namensrechtlichen Gründen, nur Terracross.

An Safari-Porsches orientiert
Mit Supersportwagen und Offroadfahrzeugen wollte Czaniecki klar zwei Auto-Trendthemen zusammenbringen. Dass der Bugatti dabei von vornherein Allradantrieb hat, macht die Sache mit der Geländefähigkeit des Chiron leichter. Und der Designer legt das Auto zwar deutlich höher, macht aber aus ihm kein echtes SUV, in dem man aufrecht sitzen und trotzdem noch viel Kopffreiheit genießen kann. Er scheint sich eher an legendären Geländerennern wie dem Porsche 953 und dem 959 zu orientieren, die als Safari-Versionen Mitte der 1980er-Jahre die Rallye Paris-Dakar gewannen. Eine hohe Bodenfreiheit und ein gut funktionierender Allradantrieb gehören bei Geländewagen zu den wichtigsten Eigenschaften.

Anbauten für Geländewagen
Die Räder des Terracross hat der Designer ebenso eigenständig gezeichnet wie die Beleuchtung rundum, wobei er auch an die bei Wüstenrennern obligatorischen Zusatzscheinwerfer denkt, die am vorderen Ende des Dachgepäckträgers sitzen. Und auch ein Dachgepäckträger selbst dürfte bei einem Chiron eine äußerst seltene Erscheinung sein, genauso wie das dicke Gelände-Reserverad auf der Heckabdeckung.

Viel-Sechseck-Chassis
Als Basis für seinen Terracross stellt sich Czaniecki ein Skelett vor, das aus mit dem 3D-Drucker produzierten Sechsecken besteht. Das Sechseck-Chassis ist in den Radkästen sichtbar, da diese aus transparentem Harz gegossen sind. Und das Sechseck hat der Designer auch als maßgebliche Form an vielen weiteren Stellen des Fahrzeugs eingesetzt: Die Reifen haben ein Sechseck-Profil und auch die besagten Zusatzscheinwerfer auf dem Dach sind sechseckig geformt. Die Außenspiegel ersetzt Czaniecki nicht durch bloße Kameras: In den Kamera-Haltearmen sind digitale Scanner integriert, die permanent den Boden vor dem Fahrzeug scannen und somit helfen, das Fahrwerk auf die jeweiligen Untergrund-Anforderungen einzustellen.

Allerdings gibt es für den Terracross oft gar keinen Untergrund: Rafal Czaniecki lässt seinen extrem detailreich gezeichneten Entwurf teilweise durchs Weltall schweben. Sein Vorbild für diese Idee ist wahrscheinlich der Tesla Roadster, den Tesla-Chef Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX am 6. Februar 2018 ins All geschossen hat. Wenn der Bugatti dann auf einem Meteoriten landet, sind möglicherweise dessen Offroadfähigkeiten gefragt.