Kann man einen Doppelsieg in Le Mans noch übertreffen? Sicher nicht beim globalen Stellenwert, aber beim nationalen Marktwert: der allererste Aufritt der Sportwagen-Weltmeisterschaft in Deutschland auf dem GP-Kurs des Nürburgrings war ein sportliches Festspiel für die Marke Porsche. Brendon Hartley, Mark Webber und Timo Bernhard holten mit dem LMP1-Flitzer 919 Hybrid den Gesamtsieg, dazu belegten die Teamkollegen Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani Platz zwei.
Das Siegerauto büßte zwar in der ersten Rennstunde viel Zeit ein, als Startfahrer Timo Bernhard im Verkehr einen Flap an der Frontpartie beschädigte und das Auto fortan garstig untersteuerte. Beim vorgezogenen ersten Boxenstopp tauschten die Mechaniker die Fronthaube, von da an schnurrte das Siegerauto problemlos über die Distanz.
Was man vom zu Beginn führenden Schwesterauto leider nicht sagen konnte: Erst mit gewisser Verzögerung spürten die Porsche-Techniker den Fehler beim letztlich zweitplatzierten Porsche 919 auf: jener Sensor, der die Spritzufuhr zum Motor justiert und kontrolliert, war fehlerhaft. Daher überschritt der Porsche die erlaubte Energiemenge pro Runde gleich mehrfach, was insgesamt 3 Stop & Go-Strafen über 5, 30 und 60 Sekunden zur Folge hatte.
Porsche im Speed Audi klar überlegen
Trotzdem reichte es noch für den prestigeträchtigen Doppelsieg: Marc Lieb konnte in der letzten Rennstunde Platz 2 übernehmen und die beiden Audi bis ins Ziel in Schach halten, die zu diesem Zeitpunkt aber bereits über eine Runde hinter dem führenden Porsche lagen. Audi hatte am Nürburgring nicht den Speed, um Porsche ernsthaft Paroli zu bieten, wie noch bei den ersten beiden WM-Rennen in Spa und Silverstone.
Zwei Gründe: am Ring hatten die Teams mehr Reifen für Rennen und Qualifikation zur Verfügung als bei den ersten beiden WM-Rennen, was den Druck reduzierte, Doppelstints fahren zu müssen. Zweitens sattelte Porsche nach dem Le-Mans-Sieg beim Abtrieb deutlich auf, was dazu führte, dass sich die Reifennutzung spürbar verbesserte: mehr Abtrieb gleich mehr Grip und weniger Verschleiß. Die beiden Toyota spielten nicht einmal bei der Vergabe der Podestplätze eine Rolle: sie kamen abgeschlagen mit mehreren Runden Rückstand auf den Plätzen 5 und 6 ins Ziel.
Den Heimsieg von Porsche in der Königsklasse LMP1 wurde von offiziell 62.000 Zuschauern entsprechend frenetisch gefeiert. Der große Fanzuspruch kam in dieser Form überraschend, denn es war die Deutschland-Premiere für die Sportwagen-WM. Optimisten hatten gehofft, dass vielleicht 20 bis 25.000 Fans zum Ring kommen würden, und hätten das bereits als Erfolg gewertet. Nach dem starken Votum der deutschen Fans dürfte nun klar sein, dass der Nürburgring auch 2016 im Kalender bleibt - und wohl den Vorzug vor Sao Paulo erhält.
Porsche-Doppelsieg auch in der GT-Wertung
Das Feiern hatte bei Porsche mit dem Doppelsieg an der Spitze aber noch kein Ende: auch in der werksunterstützten GT-Klasse holte das am Nürburgring ansässige Werksteam von Olaf Manthey einen sauber exekutierten Doppelsieg: Richard Lietz und Michael Christensen siegten vor den Franzosen Patrick Pilet und Frederic Makowiecki.
Die Entscheidung über den Klassensieg zwischen den beiden 911 RSR-Werkswagen fiel schon am Start: Makowiecki fabrizierte einen Frühstart und bekam eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, was ihn auf den letzten Platz in der GT-Klasse zurückfallen ließ. Über die Distanz waren die Porsche nach den jüngsten BOP-Anpassungen stark genug, die Führung zu halten beziehungsweise eine erfolgreiche Aufholjagd zu inszenieren.
Aston Martin war nach der Restriktorverkleinerung keine direkte Gefahr, der beste Ferrari fiel bereits zu Rennbeginn mit einem Technikproblem weit zurück, und der zweite Ferrari in der GT-Werkskategorie war fahrerisch nicht ganz ebenbürtig besetzt.
In unserer Galerie haben wir einige Impressionen vom WEC Lauf am Nürburgring gesammelt.