Vorschau WEC Nürburgring 2015: Le Mans-Sause in der Eifel

Vorschau WEC Nürburgring 2015
Le Mans-Sause in der Eifel

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Es waren die deutschen Hersteller, besonders aus der prestigeträchtigen LMP1-Klasse, die sich für einen deutschen WM-Lauf stark machten. Am kommenden Wochenende ist es nun so weit: die Sportwagen-Weltmeisterschaft (World Endurance Championship WEC) startet mit einem 31 Wagen starken Feld aus GT- und Prototypen-Fahrzeugen auf dem GP-Kurs des Nürburgrings. Mit Porsche, Audi und Toyota sind 3 Weltmarken in der Top-Klasse LMP1 vertreten, in der GT-Hersteller Klasse werden sich Porsche, Ferrari und Aston Martin beharken.

Kartenverkauf übertrifft Erwartungen

Die zwei großen Fragen des Nürburgring-Wochenendes lauten: Kommen die Fans in Scharen und machen das neue Rennen auf Anhieb zu einem Publikumserfolg, so dass die WM auch im nächsten Jahr wieder in Deutschland gastieren wird? Und wer hat sportlich betrachtet die besten Karten, um beim 6-Stunden-Rennen am Sonntag (30.8.2015, Start 13.00 Uhr MEZ) die Siegerpokale abzuräumen?

Die Veranstalter am Nürburgring sind optimistisch: angeblich hat der Kartenvorverkauf die Erwartungen deutlich übertroffen. Dazu sind für Samstag und Sonntag strahlender Sonnenschein und warme Temperaturen vorausgesagt. Inoffiziell heißt es: es wäre ein Erfolg, wenn beim ersten Deutschland-Gastspiel der WM um die 20.000 Zuschauer in die Eifel pilgern würden.

Dagegen sprechen (leider) die Erfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit: die European Le Mans Serie gastierte zwischen 2004 und 2009 auf dem GP-Kurs, aber der Fanzuspruch hielt sich mit 5.000 und 12.000 Zuschauern in sehr überschaubaren Grenzen. Porsche (GT) und Audi (LMP1) waren auch damals schon mit von der Partie, trotzdem haben sich die Vorzeichen geändert.

WEC am Nürburgring mit deutscher Beteiligung

Mit Audi und Porsche sind zwei deutsche Hersteller in der LMP1-Klase vertreten, das Toyota-LMP1-Werksteam ist in Köln beheimatet. Und mit dem GT-Werksteam von Olaf Manthey startete sogar eine Spitzenmannschaft aus der Eifel-Region beim WM-Lauf. "Wir hoffen, dass die Fans das Rennen am Nürburgring annehmen und zu einem Erfolg machen werden", so WM-Boss Gérard Neveu.

Auf der Rennstrecke werden die Zweikämpfe in den beiden werksunterstützten Klassen LMP1 und GT LM klar im Vordergrund stehen. In der LMP1-Klasse hat es nach dem 24h-Rennen in Le Mans geringfügige Anpassungen bei den Fahrzeugen mit Diesel und Benzinantrieb gegeben.

Audi hat etwas mehr Energie pro Runde über den Dieselkraftstoff zugestanden bekommen, die Benziner haben im gleichen Zug eingebüßt. Je nach Hybridklasse sinkt die pro Runde zur Verfügung stehende Energiemenge bei den Benzinern um bis zu 2,2 Prozent, Audi hat bis zu 0,44 Prozent mehr Energie pro Runde zur Verfügung.

Porsche und Audi als Favoriten am Ring

Wie werden diese Maßnahmen das Kräfteverhältnis auf der Rennstrecke beeinflussen? Das ist schwer einzuschätzen: in Le Mans hatte Porsche das insgesamt stärkere Paket, die neuen Einstufungen werden den Vorteil reduzieren, aber andererseits startet Porsche mit einem neuen Aero-Paket für die zweite WM-Hälfte. Auch Audi hat ein neues angepasstes Aero-Paket, in Summe werden also eher Details wie Fahrzeugabstimmung und Reifennutzung den Ausschlag geben.

Porsche und Audi gehen aber als klare Favoriten in das Nürburgring-Rennen: Nissan tritt nach Le Mans erst gar nicht wieder an, und Toyota hat seine Ressourcen bereits voll auf 2016 geworfen, in der klaren Erkenntnis, dass man das offensichtliche Leistungsmanko beim Motor und beim Hybridsystem in dieser Saison nicht mehr wird kompensieren können.

Etwas offener ist die Gefechtslage bei den GT-Werksteams: Aston Martin musste nach Le Mans erstmals deutliche Einbußen bei der Restriktorgröße hinnehmen, jetzt warten die Konkurrenten Porsche und Ferrari, ob diese Maßnahmen bei der Fahrzeugeinstufung auch Wirkung auf der Rennstrecke zeigen.

In der Vergangenheit schien Aston Martin immer deutliche Reserven bei der Motorleistung zu haben, und nutzten angeblich das Motormapping dazu, um den Drop bei der Rundenzeiten mit abgefahrenen Reifen zu kompensieren. In der Theorie sollte das GT-Feld also beim ersten Rennen nach dem Saisonhighlight in Le Mans noch einmal deutlich enger zusammenliegen.