So lange es dauerte, war es ein packendes Duell. Die VW-Werksfahrer Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala lieferten sich am ersten Tag der Deutschland-Rallye ein Kopf-an-Kopfrennen, bei dem der Rest der Weltelite nur staunend zuschauen konnte. Dabei präsentierte sich gerade der nicht gerade als Asphalt-Spezialist Latvala enorm stark. Zur Mittagspause konnte sich Tabellenführer Ogier gerade um 1,9 Sekunden absetzen. Mit zwei Bestzeiten nach dem Service zog Ogier bis auf 5,5 Sekunden davon, doch der Franzose kam auf der sechsten Prüfung von der Straße ab. Der Polo schaffte es im steilen Weinberg nicht zurück auf die Piste. Ogier fand einen Ausweg nach unten, komplettierte aber die Prüfung nicht und muss damit nach der Rally-2-Regel am morgigen Samstag (23.8.) mit zehn Minuten Strafzeit als 34. fortsetzen.
Während Ogier damit keinerlei Siegchance mehr haben dürfte, hat Jari-Matti Latvala beste Chancen seine erste Asphalt-Rallye zu gewinnen. Unbedrängt vom Weltmeister brachte der entfesselte Finne einen Vorsprung von 37 Sekunden ins Etappenziel. "Jetzt habe ich alle Karten in der Hand. Der Vorsprung ist schon etwas beruhigend. Wenn es morgen regnen sollte, habe ich ein Sicherheitspolster.“ Zweitbester VW-Fahrer ist Andreas Mikkelsen als Vierter mit rund 45 Sekunden Rückstand.
Citroën liegt auf der Lauer
Heißester Verfolger des führenden Latvala ist aber Kris Meeke im Citroën DS3. "Auch wenn Ogier zurückgefallen ist, denke ich nicht wirklich an den Sieg. Latvala hat einen ganz ordentlichen Vorsprung, und ehrlich gesagt, bin ich mit dem zweiten Platz sehr happy.“ Teamkollege Mads Östberg tat sich vor allem am Nachmittag schwer: "Ich habe früh die Bremsen ruiniert“, gestand der Norweger, der mit 1,01 Minuten Rückstand auf Platz acht liegt.
Auf Rang drei rangiert der Vorjahressieger Dani Sordo, der den ganzen Tag über seine Startposition als Elfter klagte. Doch trotz der von den Kollegen auf die Pisten geworfenen Dreck verlor der Spanier im besten Hyundai nur 42 Sekunden auf die Spitze. Hyundai-Kollege Thierry Neuville klagte am Morgen über eine schwer dosierbare Handbremse und am Nachmittag über Rauchentwicklung aufgrund eines kleinen Feuers. "Der Auspuff wurde so heiß, irgendwas an zu schmoren fing. Das brannte ziemlich in den Augen.“ Neuville kann aber froh sein, dass er nach seiner siebenfachen Rolle im Shakedown überhaupt noch im Wettbewerb ist. Der Publikumsliebling aus Belgien belegt mit 53 Sekunden Platz fünf. Aus Mangel an Teilen musste Asphalt-Spezialist Bryan Bouffier mit einem zu lang übersetzten Schottergetriebe fahren. Der Zweite der Rallye Monte Carlo liegt auf Rang neun und hat schon 1,35 Minuten Rückstand.
Robert Kubica versuchte an seinem Tag, das Gute zu sehen: "Ich habe eine Menge gelernt, aber das war eine harte Lektion. Ich habe beide Male auf dieser Prüfung einen Fehler gemacht.“ Gemeint waren die 21 Kilometer der Prüfung Moselland 2, wo der Pole am Morgen in einen Graben rutschte und eine Felge an seinem Ford Fiesta beschädigte. Kubica verlor über vier Minuten und liegt nur auf Rang 22. Seine Ford-Kollegen Mikko Hirvonen und Elfyn Evans rollten unscheinbar auf die Plätze sechs und sieben.
Deutsche Junioren noch mit Chancen
Im Plan liegt in der Junioren-WM-Wertung Christian Riedemann im Citroën DS3 des deutschen Importeurs. Hinter den starken Franzosen Camilli und Lefebre liegt der Sulinger als 27. Im Gesamtklassement auf dem dritten Rang in seiner Klasse. Auf die Spitze fehlen nur 18 Sekunden. Wäre nicht beim Mittagsservice ein Getriebewechsel nötig gewesen, der zwei Minuten zu lange dauerte und 20 Strafsekunden kostete, würde der Sulinger in Führung liegen. Bester Deutscher im Gesamtklassement ist der Ex-Europameister Armin Kremer im Skoda Fabia des Baumschlager-Teams auf Platz 19. Kremer und Beifahrer Klaus Wicha liegen zudem auf dem fünften Platz in der WRC2-Wertung.