Mercedes und Le Mans – das war bislang eine eher komplizierte Geschichte. Im Jahr 1955 starben beim Marathon-Klassiker 84 Menschen, nachdem der Mercedes 300 SLR von Pierre Levegh in die Haupttribüne geflogen war. Ausgelöst wurde das Unglück damals durch ein aggressives Manöver von Jaguar-Pilot Mike Hawthorn, das zu einer Kettenreaktion führte.
Danach ließ Mercedes erst einmal für viele Jahre die Finger vom Rennsport. Erst 1987 kehrte man zusammen mit dem Sauber-Rennstall zurück an die Sarthe. Die deutsch-schweizerische Partnerschaft gipfelte im Doppelerfolg mit dem Sauber C9 im Jahr 1989. Am Steuer des siegreichen Autos mit der Startnummer 63 saßen damals Jochen Mass, Manuel Reuter und Stanley Dickens.

Iron Lynx setzte zuletzt Hypercars und GT3-Renner von Lamborghini ein.
Iron Lynx bringt Mercedes nach Le Mans
Nach dem großen Erfolg verabschiedete sich Mercedes erst einmal wieder von Le Mans. Das bislang letzte Kapitel wurde Ende der 90er Jahre geschrieben. Vielen Motorsportfans sind die dramatischen Bilder der fliegenden Mercedes CLR im Jahr 1999 noch gut in Erinnerung. Nach mehreren spektakulären Überschlägen mussten die Verantwortlichen die Autos zurückziehen.
2025 wagt Mercedes nun einen neuen Anlauf. Allerdings wird das Comeback nicht direkt in der Top-Klasse mit einem Hypercar-Prototyp gefeiert, sondern "nur" in der kleinen LMGT3-Kategorie. Dafür spannt sich der Stuttgarter Autobauer mit dem italienischen Rennstall Iron Lynx zusammen, der bis zuletzt Rennwagen von Lamborghini eingesetzt hatte.
Der Plan sieht vor, zwei Mercedes-AMG GT3 in der kompletten Langstrecken-WM (WEC) und der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS) an den Start zu bringen. Mit Iron Lynx hat Mercedes einen erfahrenen Partner gefunden. Das Einsatzteam ist bereits seit 2021 fester Bestandteil des Langstrecken-Klassikers.

Mercedes startete mit dem AMG GT3 bisher schon bei allen großen 24h-Rennen - nur nicht in Le Mans.
AMG GT3 muss neu homologiert werden
Für die LMGT3-Klasse der WEC muss der Mercedes-AMG GT3 spezielle Homologationskriterien erfüllen. Dazu zählt unter anderem der Einsatz von Antriebswellen mit Drehmomentsensoren. Auch Windkanaltests zur Einhaltung des vorgeschriebenen Performance-Fensters stehen auf dem Programm. Die notwendigen Prozesse hat Mercedes bereits begonnen. Sie sollen zu Beginn der neuen Saison abgeschlossen sein.
Die Verantwortlichen fiebern dem Comeback bereits entgegen: "Es ist kein Geheimnis, dass wir schon länger damit geliebäugelt haben, die Marke mit dem Stern wieder nach Le Mans zu bringen. Mit der Saison 2025 und dem Einstieg in die FIA WEC ist es nun so weit – nach 26 Jahren kehren wir an die Sarthe zurück!", freute sich Christoph Sagemüller, Leiter Mercedes-AMG Motorsport.
"Die erste FIA WEC-Saison mit LMGT3-Fahrzeugen war bereits äußerst interessant und wir wollen in Zukunft für noch mehr Spannung im Feld sorgen. Mit unserem erfolgreichen Mercedes-AMG GT3 sowie dem erfahrenen Team Iron Lynx, haben wir ein stimmiges Paket geschnürt, um einen weiteren großen Meilenstein in der Erfolgsgeschichte unseres Kundensportprogramms zu setzen."