Rennfahrer-Legende Brian Redman fasste die elfte Auflage der Le Mans Classic am besten zusammen. Beim Blick auf die wuselige Zuschauermenge vor seinem Porsche 908 staunte der 86-Jährige: "So viele Fans waren während meiner aktiven Zeit nicht hier!" Und die umfasst beim quirligen Briten, der zweimal seine Klasse gewann, immerhin den Zeitraum zwischen 1967 und 1989.
Etliche der über 800 Rennwagen-Gratulanten kennt Redman dementsprechend gut – entweder aus dem eigenen Cockpit heraus oder durch den Clinch auf der Strecke. Zusätzlich schien auch der eine oder andere Fan bereits die Bekanntschaft mit ihm gemacht zu haben. Gleich mehrere gestandene Männer kamen mit plötzlich wackligen Knien auf Redman zu und erzählten, wie sie ihn als Kind getroffen hätten. Bei der Le Mans Classic handelt es sich nicht selten um eine Art automobiles Familientreffen.

Volle Ladung Le Mans
Das diesjährige Treffen stand ganz im Zeichen des 100. Geburtstags der 24 Stunden. Dafür unterbrachen die beiden Organisatoren sogar den traditionellen Zwei-Jahres-Rhythmus der 2002 etablierten Veranstaltung. Sie ist eine Kooperation des Oldtimer-Sport-Grandseigneurs Patrick Peter und des Le-Mans-Ausrichters Automobile Club de l’Ouest (ACO). Letzterer macht es möglich, dass die gesamte Strecke bei Tag und Nacht befahren werden darf.
Und genau hier findet sich die besondere Magie der Le Mans Classic. Auch wenn es kein zusammenhängendes 24-Stunden-Rennen gibt, fühlt es sich durch einen vollen Zeitplan und reichlich Programm trotzdem so an. Das Herz des Events ist sein Hauptfeld mit sechs zeitlich unterteilten Startergruppen, die sich eingerahmt von Rahmenserien stets abwechseln. Zusammen decken sie eine Spanne von 1923 bis 1981 ab.
Im ersten Grid tummeln sich die Vor- bzw. Zwischenkriegsrenner (1923-1939). Darunter ist neben zahlreichen Bentley auch mit dem Chenard et Walcker Sport das erste Siegermodell der 24 Stunden zu finden. Die zweite Gruppe (1949-1956) verbindet die Comebackler der frühen Nachkriegszeit. Gern hervorgehoben werden bei ihr Jaguar C- und D-Type, Mercedes-Benz 300 SL Coupe und der Maserati 200S.
Im anschließenden dritten Grid (1957-1961) zeichnen die Teilnehmer den damals stetigen Wandel zu feinen Sportwagen ab. Ferrari 250 GT SWB, Aston Martin DB4 GT und Maserati Tipo 61 lassen bei den drei Rennen der Gruppe Herzen höher schlagen und die Versicherer bangen.

Automobile Hollywood-Stars
Die zweite Hälfte der sechs Gruppen startet mit der sehr amerikanischen vierten Startaufstellung (1962-1965). Ihre Stars sind die ewig jungen Ford GT40, aber auch die Erzfeinde von Ferrari waren 2023 mit dem 250 LM vertreten. Nicht nur einen Hauch von Hollywood verbreitet das fünfte Grid (1966-1971). Dort ist der Posterboy Porsche 917 zuhause, der sich die Strecke unter anderem mit dem Lola T70 und dem Gasturbinen-Boliden Howmet TX teilt.
Abgerundet wird das Hauptfeld von den wilden Siebzigern. Fans von BMW M1, Porsche Carrera und Co. dürfen auf die sechste Gruppe (1972-1981) hinfiebern. Das absolute Highlight war in diesem Jahr die Rückkehr des Münchener-Wirtshaus-M1, für das BMW sogar Leopold von Bayern, Christian Danner und Peter Oberndorfer wieder zusammenbrachte. "Poldi" konnte damit seinen 80. Geburtstag auch nochmal in Le Mans feiern.
Im Rahmenprogramm fanden sich 2023 ein gigantisches Gruppe-C-Feld und die "neueren" Prototypen und GT-Autos der "Endurance Racing Legends". Historisch einmalig war dazu noch die große Parade mit Siegermodellen, in der beispielsweise die Wankel-Legende Mazda 787B fröhlich vor sich hin kreischte. Weitere ikonische Modelle, Rennfahrer-Stars und sportliche Rückblicke finden Sie in unserer umfangreichen Bildergalerie. Die Le Mans Classic kehrt dann erst wieder 2025 zurück.