In den ersten sechs Rennen der 2015er Saison musste BMW zusehen, wie sich die Hersteller-Konkurrenten von Audi und Mercedes die Siege aufteilten. Die Marke mit den vier Ringen gewann die ersten vier Läufe, Mercedes holte sich zwei Erfolge am Norisring.
In Zandvoort hat BMW im siebten Rennen zurückgeschlagen und die Durststrecke beendet. Und wie: Gleich sieben BMW-Piloten landeten im Samstagsrennen auf den ersten sieben Plätzen. Ein solches Ergebnis mit sieben Fahrzeugen einer Marke an der Spitze hatte es in der DTM-Historie bis dato noch nicht gegeben. Wobei gesagt werden muss, dass BMW vom geringen Fahrzeuggewicht massiv profitierte. Bis auf den M4 von Maxime Martin (1.107,5 kg) fuhren alle BMWs am unteren Gewichtslimit von 1.105 Kilogramm, während die Audi und Mercedes teilweise 25 Kilo mehr aufladen mussten. Stichwort: Performance-Gewichte.
Wittmann legt am Start den Grundstein für den Sieg
Die BMW-Armada wurde angeführt von Marco Wittmann. Der Fürther, im letzten Jahr noch der dominierende Mann in der DTM, holte sich seinen ersten Sieg seit dem Nürburgring 2014. Den Grundstein für seinen Triumph auf der niederländischen Strecke, die durch die malerischen Dünnen der Nordsee führt, legte Wittmann bereits am Start. Dort schnappte sich der bayerische Pilot im Diensten des BMW-Team RMG den Pole-Mann Augusto Farfus.
In den weiteren 40 Minuten ließ sich Wittmann die Führung nicht mehr nehmen. Auch wenn ihm António Félix da Costa stets im Heck klebte, und es den Anschein machte, als ob der Portugiese die schnellere Geschwindigkeit hätte gehen können. "Er hat mir das Leben sehr schwer gemacht, hatte aber auch den Vorteil von DRS. Das bringt vier bis fünf Zehntel", sagte der Sieger. "Ich hatte keine Chance wegzukommen und habe meine Reifen etwas geschont. Trotzdem habe ich ihn hinter mir halten können. Für BMW ist das natürlich ein super Ergebnis."
Das Podium komplettierte Maxime Martin, der mit 2,229 Sekunden Rückstand auf Wittmann ins Ziel rollte. Hinter dem Belgier wurde Augusto Farfus Vierter. Der Brasilianer erwischte keinen guten Start von der ersten Position aus und verlor in den ersten Kurven bereits seinen Podestrang. In den Schlussminuten musste sich Farfus den Angriffen von Gary Paffett erwehren. Doch unter dem Druck patzte nicht der Brasilianer, sondern der Brite. Paffett fuhr Farfus mit seinem Auto leicht ans linke Hinterrad und rutschte daraufhin von der Piste durch den Kies. Am Ende reichte es nur zum elften Platz für Paffett.
Green schmeißt Platz sechs weg
Auf den Rängen fünf, sechs und sieben kamen Bruno Spengler, Timo Glock und Tom Blomqvist ins Ziel. Bester Nicht-BMW-Pilot war Mike Rockenfeller auf der achten Position. Die Top 10 vervollständigten Nico Müller (Audi) und Pascal Wehrlein (Mercedes).
Der Meisterschaftsführende Jamie Green erlaubte sich achte Umläufe vor dem Ende einen Schnitzer und schied auf dem sechsten Platz liegend aus. Der Audi-Pilot rutschte in einer schnellen Rechtskurve zu weit hinaus, touchierte leicht das Gras und konnte seinen RS5 nicht mehr halten. In der Folge rief die Rennleitung zum ersten Mal die neugeschaffene Slow Zone aus. Hier müssen sich die Piloten an eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h halten, während die Streckenposten ein Auto bergen.
Für die spektakulärste Szene des Rennens sorgte Paul di Resta. Der ehemalige Formel 1-Pilot kam in der zweiten Kurve nach dem Start im Hinterfeld in Probleme und flog in seinem Mercedes-AMG C63 nach einer Berührung mit Markenkollege Robert Wickens ab. Frontal krachte der Schotte in den Reifenstapel, wobei die Frontpartie seines Einsatzfahrzeugs heftig in Mittleidenschaft gezogen wurde. "Es war ein harter Einschlag. Ich hatte mir Reifenschnipsel eingefangen, konnte nicht mehr richtig lenken und bin auf Robert aufgefahren. Ich hoffe, dass wir das Auto bis morgen wieder hinbekommen", sagte der Unfall-Pilot. Daraufhin rückte das Safety-Car für etwa zehn Minuten aus.
In dem Startgetümmel wurden auch die Autos von Miguel Molina und Edoardo Mortara beschädigt, was beide Audi-Piloten später im Rennen zur Aufgabe zwang. So wie es aussah, zog sich auch der Wagen von Martin Tomcyzk Schäden zu. Auch er konnte das Rennen nicht zu Ende fahren.