Darum ist Audi so stark: "Audi setzt Prioriäten an richtigen Stellen"

Darum ist Audi so stark
"Audi setzt Prioriäten an richtigen Stellen"

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Bis er Tom Kristensen einholt, muss André Lotterer noch ein bisschen in Le Mans fahren. Der Däne ist mit neun Erfolgen der Rekordsieger in Le Mans. Lotterer hat 2011, 2012 und 2014 den Klassiker an der Sarthe gewonnen. Und er zählt auch bei der 83. Ausgabe des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt zu den Topfavoriten.

Auf die Frage, warum am Ende immer Audi gewinnt, zählt Lotterer auf: "Unendlich viel Erfahrung, gute Vorbereitung, und das Setzen von Prioritäten an der richtigen Stelle. Manchmal hat uns auch das Glück ein bisschen geholfen. So wie letztes Jahr, als zwei unserer Autos mit Turbolader-Problemen viel Zeit in der Box verloren haben. Es war eigentlich unvorstellbar, dass wir das Rennen mit diesen Problemen noch gewinnen konnten.“

Lotterer hofft auf ein trockenes Rennen in Le Mans

Lotterer kennt auch das andere Extrem. "2011 hatte ich ein Null-Problem-Rennen. Der einzige Zwischenfall war ein schleichender Plattfuß. So etwas hast du in Le Mans ganz selten. Aber das ist eigentlich auch das tolle an Le Mans. Du kannst nie alles planen. Schon vom Wetter her. Dann kommt irgendein Gewitterregen daher, und du bist garantiert auf den falschen Reifen irgendwo auf der Strecke." Deshalb wünscht sich Lotterer: "Ich hoffe, dass es diesmal trocken bleibt."

Im letzten Jahr war Audi in Le Mans vom Speed über eine Runde hinter Toyota und Porsche nur die Nummer drei. Gewonnen haben sie trotzdem. Diesmal ist es anders. Auf eine Runde ist nur noch Porsche schneller. Wie Toyota gab auch Audi den Versuch auf, die Bomber aus Weissach am Sturm auf die Pole Position zu hindern. Lotterer: "Wir hätten zwar schneller gekonnt als die 3.19,8 Minuten, aber nie so schnell wie der Porsche. Deshalb haben wir alles auf die Rennvorbereitung gelegt. Bei den Longruns war wegen der vielen Unterbrechnungen zwar keine klare Tendenz zu erlennen, wir haben aber das Gefühl, dass wir mit den Porsche mithalten können.“

101 Prozent ist Kiesbett, 99 Geldverschwendung

Das ist möglicherweise tiefgestapelt. Audi gewann die ersten beiden Rennen in Silverstone und Spa. Und Audi war im Donnerstagstraining, als alle LMP1-Fahrzeuge im Renntrim unterwegs waren, mit dem Team André Lotterer, Marcel Fässler und Benoit Treluyer das schnellste Auto auf der Strecke. Mit einem Zehntel Vorsprung auf den besten Porsche. Das Rennen verspricht ein Knüller zu werden.

Für die Fahrer wird das Rennen deshalb ein 24 Stunden-Sprint. Lotterer weiß, was auf ihn zukommt: "Du musst die ganze Zeit 100 Prozent geben. Das ist bei einem Dreifach-Stint über 3.45 Stunden unheimlich schwierig. Du musst immer die richtige Balance finden. 101 Prozent bedeutet Kiesbett, bei 99 Prozent verschwendest du das Geld, das in die Entwicklung des Autos gesteckt wurde. Du kannst auch nicht mehr gemütlich in das Rennen einsteigen. Die Sekunde, die du am Anfang verlierst, holst du später nie mehr auf."

Stichwort Auto. Der Audi R18 e-tron quattro hat im Winter eine wundersame Verwandlung durchgemacht. Das Auto ist so gut, dass es trotz der Trainingsbestzeit von Porsche als Favorit ins Rennen geht. Lotterer zählt die Stellschrauben auf, an denen die Audi-Techniker im Winter erfolgreich gedreht haben: "Wir haben rund 3,5 Sekunden im Vergleich zum Vorjahr gewonnen. Das verteilt sich auf mehr Leistung durch den Aufstieg von der 2 in die 4 Megajoule-Klasse, eine stark verbesserte Aerodynamik, unser LSS-Fahrwerk, das neue Brake-by-wire-System, das wir beim Finale 2014 in Sao Paulo zum ersten Mal im Auto hatten."

Lotterer erwartet starken Audi-Rennspeed

Die Konsequenz ist, dass der Audi die Reifen viel besser nutzt als in der Vorsaison. Vor allem wegen der vernetzten Aufhängung, intern LSS-Fahrwerk (Linked suspension) genannt. Audi werden Vierfachstints auf einem Reifensatz zugetraut. Damit hat man den ehemaligen Klassenbesten Toyota in dieser Disziplin eingeholt. Porsche muss wahrscheinlich schon nach jedem dritten Stint neue Reifen ausfassen.

Dafür muss der Porsche eine Runde später als Audi an die Tankstelle. Damit könnten sich die Schwaben über die Distanz drei Tankstopps sparen. Macht 180 Sekunden Zeitgewinn. Wie sagen die Le Mans-Gelehrten: Jede Sekunde, die man in den Boxen verliert, ist unheimlich schwer auf der Strecke wieder gutzumachen. Lotterer erwartet dafür einen höheren Rennspeed als die Gegner: "Bei uns kann es gut sein, dass wir unsere schnellste Runde des ganzen Wochenendes im Rennen fahren."

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