Der Nürburgring feiert Geburtstag. Die Grüne Hölle wird 90 Jahre alt. Abertausende von Fahrern haben auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt zum Teil haarsträubende Dinge erlebt. Zum Jubiläum gratulieren wir dem Nürburgring mit Anekdoten von Rennfahrern, die viele Kapitel auf der Nord- und Südschleife der Eifelpiste mit geschrieben haben.
In Folge 5 erzählt der Allrounder Vic Elford, wie man 84 Stunden am Stück am Nürburgring fahren kann.
Elford lernte den Nürburgring schnell
„Da ich Rallyefahrer war, hatte ich keine großen Probleme Rennstrecken zu lernen. Auch nicht den Nürburgring. Ich hatte schon immer ein gutes fotografisches Gedächtnis. 1966 war ich zum ersten Mal da. Die Veranstaltung nannte sich Marathon de la Route und war aus der Rallye Lüttich-Rom-Lüttich entstanden. Die Prüfung bestand darin, 84 Stunden am Stück um den Nürburgring zu fahren, Nordschleife und Südschleife zusammen. Die Südschleife hat mir gut gepasst. Sie war eng, sehr verschlungen, sehr wellig, und es gab keine Auslaufzonen. Fast wie bei einer Rallye. Ein Fehler, und du bist in der Hecke verschwunden.
Die Nordschleife war im Vergleich dazu schon fast eine Autobahn. Ich teilte mir mit Jochen Neerpasch einen Lotus Cortina. Da das Auto mit einer Tankfüllung zweieinhalb Stunden schaffte, beschlossen wir für uns Fünfstunden-Turns zu fahren, damit der jeweils andere dazwischen auch zur Ruhe kommt. Während des Rennens haben wir das auf jeweils siebeneinhalb Stunden-Turns ausgebaut. Danach kannte ich den Nürburgring wirklich gut. 1967 haben die Veranstalter beim Marathon de la Route drei Fahrer zugelassen. Ich fuhr mit Hans Herrmann und Jochen Neerpasch auf einem Porsche 911.
Die beiden anderen haben gesagt: “Du bist doch Rallyefahrer und das Fahren nachts gewöhnt? Also kannst du auch hier in der Nacht fahren. Wir übernehmen den Tag.„ So bin ich in vier aufeinanderfolgenden Nächten jeweils siebeneinhalb Stunden gefahren. 1967 bin ich mein erstes 1.000 Kilometer-Rennen auf der Nordschleife gefahren und wurde mit Neerpasch Dritter in einem Porsche 910. Wir führten, Jochen saß am Steuer, aber dann haben uns Elektrikprobleme in der letzten Runde zurückgeworfen. 1968 habe ich dann mit Jo Siffert mein erstes 1.000 Kilometer-Rennen im Porsche 908 gewonnen.
“Das Auto stand fast senkrecht in der Luft„
Im Jahr darauf sollten Jo Siffert und ich die Flunder fahren. Wir beiden hatten während des Trainings beide die gleiche Schrecksekunde. Am Brünnchen gab es über die Brücke einen Sprung. Normalerweise kein Problem. Mit der Flunder stieg die Front immer weiter gegen den Himmel, so dass das Auto zum Schluss fast senkrecht in der Luft stand. Es ist dann auf den Hinterrädern gelandet und wieder auf die Straße zurückgefallen. Als Jo und ich Herrn Bott an den Boxen davon berichteten, wollte er uns nicht glauben. Dann sind wir um das Auto herum gegangen und fanden Kratzspuren am hinteren Rahmen. Da war den Porsche-Leuten klar, dass wir Recht hatten. Sie konnten das Problem nicht vor Ort lösen. Wir sind einfach in die normalen 908er umgestiegen. Ich habe später die 1.000 Kilometer noch zwei Mal gewonnen, einmal mit Kurt Ahrens 1970 und dann mit Gérard Larrousse.
Mein schönster Sieg war der in einem Chevron B16 beim 500 Kilometer-Rennen für Zweiliter-Sportwagen. Obwohl die Abarths, die Lola und der neue Chevron B19 die schnelleren Autos waren, konnte ich mithalten. Da kam mir meine Streckenkenntnis zugute. Drei Viertel des Rennens bin ich hinter den Abarths hergefahren. Ich kam einfach nicht vorbei. Erst gegen Ende des Rennens habe ich es geschafft. Es war der Sieg, für den ich am meisten arbeiten musste. Meine Formel 1-Erfahrungen waren nicht so toll. 1969 bin ich einen privaten McLaren von Colin Crabbe gefahren. Ich war Sechster in der Startaufstellung, hatte aber einen schrecklichen Start und landete hinter Mario Andretti und Jean-Pierre Beltoise am Ende des Feldes.
Ich habe versucht, sie zu überholen, hing jedoch bis zum Wippermann hinter Beltoise fest. Auf der Rechtskurve über die Kuppe hinweg, etwa bei 160 km/h, ist Mario nach links ausgebrochen, gegen die Böschung gekracht und hat dabei das linke Vorderrad verloren. Das ist über die Strecke getanzt. Beltoise hat sich gerade noch so vorbeigequetscht. Ich lag einen Meter hinter ihm und sah das Rad erst in letzter Sekunde. Mein Auto ist auf dem Rad abgehoben und kopfüber in den Bäumen gelandet. Zu 100 Prozent mein Fehler. Ich hätte einfach nur besser starten müssen.“