Die Schneeflocken haben auch Meister Wünsch und sein Team überrascht. Je später Mutter Natur die Straßen im jungen Jahr weiß färbt, umso chaotischer läuft das mit dem Tauschgeschäft von Winter- auf Sommerrädern: „Der Mégane steht noch auf Winterpneus“, checkt der Meister und läuft neugierig um den Grandtour, so nennt die Marke traditionell ihre Kombiversionen. „Bei Renault erstaunt mich stets das abwechslungsreiche Design“, setzt der Meister an und überprüft dabei die Spaltmaße der Heckklappe. „Während sogar namhafte Hersteller ermüdend lange mit der immer gleichen Formensprache antreten, ist Renault oft für Überraschungen gut. Gefällt mir. Macht das Autoleben bunter.“
Auf Höhe der Fahrertür angekommen, geht der Meister in die Hocke und tastet über drei kleine Lackabplatzer an der Kante. „Typische Stellen, hier gab es Fremdkontakt, vermutlich in einer zu engen Parklücke. Wichtig ist nur, dass da noch Grundierung drauf ist. Denn auf blankem Blech würde sich sofort Rost bilden.“
Während der Meister die restliche Karosserie untersucht, werfen wir einen Blick auf die Ausstattung des Mégane Grandtour Baujahr 2014.
Funktionieren auch die vielen Extras?

Ihn schmückt das umfangreiche Paris-Deluxe-Paket, das ein Navigationssystem, eine Zweizonen-Klimaautomatik, beheizbare Vordersitze, Einparkpiepser vorn und hinten, Tempomat, Spurhalteassistent sowie Leichtmetallräder mit sich bringt. Zudem hat der Vorbesitzer Metallic-Lack und eine abnehmbare Anhängerkupplung bestellt. Aus dem umfangreichen Motorenregal orderte er den 1,2-Liter-Benziner mit 116 PS, der noch keine 40.000 Kilometer Straßeneinsatz hinter sich hat.
Meister Wünsch beendet seinen ersten Umlauf: „Keine nennenswerten Kratzer, keine Einparkschrammen, keine auffällig großen Spaltmaße – der Renault scheint bis jetzt in guter Pflege gewesen zu sein. Schauen wir mal, wie er sich fährt.“
Gesagt, getan. Meister Wünsch zieht die Fernbedienungskarte des Renault aus der Tasche – sie ersetzt den Zündschlüssel – und schwingt sich hinters Lenkrad. „Diesen Hype um Startknöpfe werde ich nie verstehen – mir ist ein klassisches Zündschloss tausendmal lieber. Da weiß ich immer, wo sich der Schlüssel während der Fahrt befindet.“
Der kleine Benziner des Renault erwacht leise und kommt schnell auf Betriebstemperatur. „Schön, wie schnell die Heizung den winterlich kalten Innenraum erwärmt. Bei einem Diesel dauert das oft doppelt so lange“, erklärt er und dirigiert den Mégane durch die Innenstadt. Dabei dreht er absichtlich eine Runde über die alte Pflasterstraße – und lauscht. „Die Vorderachse kann bei diesem Modell Probleme machen“, erklärt er anschließend. „Sind Klappergeräusche vom Fahrwerk zu vernehmen, haben es meist die Stabi-Streben hinter sich. Ein Tausch kostet kein Vermögen, sollte aber nicht zu lange aufgeschoben werden, da sonst weitere Teile der Aufhängung verschleißen.“
Am Ortsausgang angekommen, schaltet Meister Wünsch einen Gang runter und lässt den Vierzylinder das Drehzahlband hinaufmarschieren. „Gar nicht mal schlecht für einen so kleinen Motor“, ruft er und prüft anschließend, ob die Bremse gleichmäßig zieht. Tut sie. Daher geht es zurück in Richtung Werkstatt, der Check auf der Hebebühne wartet. Auf dem Weg erinnert sich Meister Wünsch, mit welchen Problemen er diese Mégane-Generation bereits in der Werkstatt begrüßt hat: „Die Zündspulen können ausfallen – hatten wir schon ein paar Mal. Der Motor ruckelt dann meist auffällig und hat spürbar weniger Leistung. Ein typischer Bauteilfehler.“
Deutlich kostspieliger wird es, wenn sich die Steuerketten der Vierzylinder längen. Dann droht im schlimmsten Fall ein Motorschaden. „Das Problem nervt auch bei den ersten TSI-Motoren von VW“, erklärt der Meister. Er fügt hinzu: „Sollte ein mechanisches Rasseln beim Probefahren auftreten, vor allem nach dem Kaltstart, ist es ziemlich sicher eine müde Steuerkette. Dann lieber Finger weg!“
Auf der Hebebühne schwebt der Mégane Grandtour zuerst auf halbe Höhe. Hier wirft Meister Wünsch wie immer einen Blick auf die Bremsscheiben – sie sind beim Grandtour weder eingelaufen noch verschlissen – und die Spiralfedern. Auch hier alles in Ordnung, keine Brüche erkennbar.
Rost ist beim Mégane sehr selten zu Gast

Am Unterboden fällt auf, dass Renault die Kanten und Blechfalze vorbildlich gegen Korrosion geschützt hat. Die Benzin- und Bremsleistungen sind sauber verlegt und teilweise mit Kunststoff ummantelt. „Der Endschalldämpfer besteht aus Edelstahl – und hält damit sehr lange“, fügt der Meister zufrieden hinzu. Der Antrieb ist wunderbar trocken, die Achsmanschetten sind nicht eingerissen, der Kühler hat keine Steinschläge abbekommen. „Nur die Winterreifen sollten in der nächsten Saison gewechselt werden“, empfiehlt der Meister.
Zu guter Letzt wird das Serviceheft überprüft und ein Blick in den Kofferraum geworfen. „Erstaunlich, wie viel Platz der Kombi hat“, freut sich Meister Wünsch und zeigt auf das vollwertige Ersatzrad, das sich unter der etwas umständlich befestigten Kofferraummatte befindet. „Schön, dass nicht alle Hersteller auf Tirefit setzen. Jeder, der damit schon mal eine Reifenpanne beheben musste, weiß warum …“
Fazit des Meister-Checks: Ein gut gepflegter, üppig ausgestatteter Grandtour, der gerade erst eingefahren wurde und seinen neuen Besitzer glücklich machen wird.
Bleibt uns der Blick auf die Preisentwicklung: Vergleichbare gebrauchte Mégane Grandtour von 2014 starten aktuell bei rund 11.000 Euro. Wer lieber ein viertüriges Schrägheckmodell hätte, spart je nach Ausstattung rund 500 bis 1.000 Euro. Ein weiterer großer Schein lässt sich abziehen, wenn der Basisbenziner mit 101 PS ausreicht. Für Dieselversionen muss mittlerweile kein Aufpreis mehr eingeplant werden.