Nach zwei Jahren Red-Bull-Dominanz kommt dieses Jahr endlich wieder etwas Spannung in die Formel 1. McLaren ist auf bestem Weg, dem ehemaligen Platzhirschen den Rang abzulaufen. Sechs Rennen vor Schluss führt der Herausforderer bereits mit 41 Punkten. Wenn die gute Form anhält, hat Lando Norris auch noch eine realistische Chance, Max Verstappen in der Fahrerwertung abzufangen.
Das Duell um die Formel-1-Krone wird aber nicht nur auf der Strecke ausgetragen. Auch neben der Piste kämpfen die Rivalen mit harten Bandagen. So wurde zuletzt viel Lobbyarbeit bei der FIA betrieben, um den Gegner zu schwächen. In Singapur klagte Red Bull bei den Schiedsrichtern über den McLaren-Heckflügel. In Austin kam die Retourkutsche in Form des öffentlich ausgetragenen Streits um die Kufen-Verstellung am Red Bull.

Politik gehört zum Geschäft. Max Verstappen wollte mit seinen lobenden Worten über Oscar Piastri sicher auch etwas Unruhe bei McLaren reinbringen.
Verbale Giftpfeile
Auch die Medien werden missbraucht, um den Rivalen aus dem Konzept zu bringen. Zwischen den beiden Lagern flogen zuletzt immer wieder verbale Giftpfeile hin und her. So erklärte Max Verstappen zum Beispiel, dass Oscar Piastri zu gut sei, um bei McLaren nur die Rolle des Nummer-zwei-Fahrers einzunehmen. Da schwang wohl auch etwas die Hoffnung mit, für Instabilität im Lager der Konkurrenz zu sorgen.
Auf diesen Fall angesprochen, konnte McLaren-Boss Zak Brown aber nur schmunzeln: "Ich habe die Aussagen von Max gesehen. Ich kann Max gut leiden. Wir quatschen zwischendurch immer mal wieder miteinander. Ich denke, so etwas ist einfach Teil des Sports. Da hat Lando kein Problem mit. Und ich habe auch kein Problem damit."
Etwas granteliger reagierte der US-Amerikaner allerdings auf Kommentare von Red-Bull-Sportchef Helmut Marko. Der Doktor hatte in der Herbstpause erklärt, dass er Verstappen im WM-Kampf auch deshalb vorne sieht, weil Norris Defizite bei der mentalen Stärke habe. Der Grazer erwähnte dabei die Rituale, die Brite braucht, um am Renntag gut zu performen.

Ein Bild aus besseren Zeiten. Seitdem McLaren eine sportliche Bedrohung ist, hat sich das Verhältnis deutlich abgekühlt.
Schlechter Stil von Marko
In Monza hatte Norris offen zugegeben, dass er in den Stunden vor dem Start immer so nervös sei, dass er Probleme mit dem Essen und Trinken hat. "Ich habe die Aussagen von Helmut gesehen. Ich fand sie enttäuschend, aber sie kamen auch nicht überraschend", schimpfte Brown.
"Lando ist ein Botschafter für das Thema mentale Gesundheit. Er geht sehr offen damit um. Wir wollen generell dabei helfen, dieses Thema zu normalisieren und damit zu erreichen, dass es okay ist, über mentale Probleme zu reden." Brown stellte klar, dass Lando momentan fokussierter sei als je zuvor und sich schon auf die letzten sechs Saisonrennen freut.
Dass Marko es seinem Schützling nun als Schwäche auslegt, Probleme offen anzusprechen, kritisierte Brown scharf. "Ich finde es einfach nicht angebracht, dass er jetzt in diese Wunde sticht. Das wirft uns wieder zehn, zwanzig Jahre zurück. Wir spielen hier alle im Rennsport unsere Spielchen, aber für mich war diese Nummer einfach schlechter Stil."