Verstappen-Fehler: Red Bull lobt Magnussen

Verstappen verschenkt halbe Sekunde
Keine Pole, Lob für Magnussen

GP Brasilien 2022

In den letzten neun Rennen war die große Langeweile in der Formel 1 eingekehrt. Red Bull sammelte Sieg um Sieg. Die letzte Niederlage datiert vom GP Österreich. Angesichts dieser erdrückenden Dominanz freut sich der neutrale Zuschauer, wenn es zur Abwechselung an der Spitze kommt. In der Qualifikation zum GP Brasilien war es soweit.

Nicht Ferrari oder Mercedes stürzten die Überflieger der Saison. Sondern eines der Teams mit dem kleinsten Budget im Feld. Kevin Magnussen trumpfte für Haas auf und verwehrte Max Verstappen die siebte Pole Position der Saison und die 20. der Karriere. Bei Red Bull konnte man es verschmerzen. Das Team gratulierte sportlich. "Glückwunsch an Magnussen und Haas. Das ist eine tolle Geschichte für sie als Team und die Formel 1", äußerte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Max Verstappen - Red Bull - Qualifikation - GP Brasilien 2022
Motorsport Images

Magnussen entzaubert Verstappen

Es war eine Qualifikation, die in Erinnerung bleiben wird. Regen vor Beginn der Session. Eine auftrocknende Fahrbahn im ersten Quali-Teil. Dunkle Regenwolken im Q3. Und ein Schauer hinten heraus, der dafür sorgte, dass die Fahrer nur ein kleines Zeitfenster auf den Slicks hatten – in den Anfangsminuten von Q3. Haas löste die knifflige Aufgabe dank Magnussen am besten. Ferrari scheiterte an sich selbst. Man zog Charles Leclerc die Intermediate-Reifen auf, während die restlichen neun Kollegen auf Pirellis rotmarkiertem Kleber ausrückten.

Verstappen fand in Magnussen seinen Meister. Der Däne konnte die Strecke perfekt lesen und wählte das richtige Maß zwischen Attacke und Zurückhaltung. Das war neben der Position auf der Strecke – Magnussen startete die fliegende Runde als Erstes – der Schlüssel zum Coup. Bis zur achten Kurve sah sich der Doppelweltmeister noch auf Pole-Kurs. Dann verbremste sich Verstappen allerdings. Das rechte Vorderrad blockierte. "Das hat ihn eine halbe Sekunde gekostet", rechnete Sportchef Helmut Marko vor. Im Ergebnis fehlten Verstappen zwei Zehntelsekunden zu Magnussen.

Die Ausgangslage ist dennoch bestens. Im Sprint wird der Haas kein Gegner sein. "Egal, ob die Fahrbahn trocken oder nass ist", sagt Marko. Der Red Bull hat deutlich mehr Abtrieb und überragt im Topspeed. Sergio Perez wurde am Ende der Zielgeraden mit 334,5 km/h gemessen, Verstappen mit 331,3 km/h. Das hat aber auch mit der Wahl des Bremspunkts zu tun. Auf dem Zielstrich wenige Meter davor war Magnussen mit 332,5 km/h der schnellste. Die Red Bull büßten fast drei km/h ein.

Max Verstappen - Red Bull - Qualifikation - GP Brasilien 2022
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Kein Risiko am Start

Noch ist unklar, welcher Reifen für den Sprint über 24 Runden der geeignetere Reifen sein wird: der Soft oder der Medium. Im Training neigten die Pirellis dazu, stärker abzubauen. Und der Red Bull zum Untersteuern. Ganz zum Missfallen von Verstappen. Seine Ingenieure hatten in der Pause zwischen Training und Qualifikation die Aufgabe, die Vorderachse zu stärken, damit der RB18 bissiger einlenkt.

In der Qualifikation war ein Fortschritt erkennbar. "Wir haben die Balance verbessert", erzählt Teamchef Horner. "Ob wir sie zur vollen Zufriedenheit von Max verändert haben, werden wir aber erst am Samstag erfahren." Sofern es trocken bleibt. Danach sieht es nach derzeitigem Wetterstand eher aus als nach einer feuchten Prise von oben.

Die Führungsriege verordnet ihrem Superstar Geduld am Start. Der Weg in die ersten Kurve ist mit 195 Metern ziemlich kurz. "Max muss aufpassen. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass Magnussen auch mal für verrückte Dinge zu haben ist", sagen Horner und Marko im Gleichklang.