Bottas nach Sauber-Aus vor ungewisser Zukunft

Option beim Ex-Team für Sauber-Piloten
Valtteri Bottas als Back-up zu Mercedes?

Am Montag nach dem GP Brasilien bekam Valtteri Bottas den Anruf, mit dem er zum Schluss fast schon gerechnet hatte. Sauber bestätigte ihm am Telefon, dass die Wahl für das zweite Cockpit gegen ihn und für Gabriel Bortoleto gefallen war.

Während Bottas anfangs noch optimistisch war, seinen Sitz behalten, kamen ihm immer mehr Zweifel, je länger sich die Entscheidung des Teams hinauszögerte. "Du hörst die Gerüchte, erfährst, dass es noch andere Kandidaten gibt. Da hatte ich schon das Gefühl, dass die Chance nur noch bei 50 zu 50 steht."

Als er endlich Gewissheit hatte, war fast so etwas wie Erleichterung zu spüren. "Wenigstens weiß ich jetzt, woran ich bin. Das Leben geht weiter, und ich freue mich auf viele aufregende Dinge, die vor mir stehen. Ich kann damit leben. So ist das eben, wenn es nur noch einen freien Platz im Feld gibt. Wenn es dann nicht klappt, bist du erst einmal raus aus der Nummer."

Valtteri Bottas - Sauber - GP Italien - Formel 1 - Monza - 30. August 2024
Motorsport Images

Keine Chance sich zu beweisen

Eigentlich hatte Bottas im Gegensatz zu seinen Mitkonkurrenten den Vorteil, dass er sich auf der Rennstrecke beweisen konnte. Doch im Sauber war das ein zweifelhafter Vorteil. Der zehnfache GP-Sieger fuhr mit Teamkollege Guanyu Zhou normalerweise um die letzten Plätze der Startaufstellung. Ein Erfolg gegen den Chinesen brachte ihm keinen Lorbeer. Das musste man von einem ehemaligen GP-Sieger wie Bottas erwarten.

Doch auch als Finne zuletzt zwei Mal den Sprung ins Q2 schaffte, verbesserte das seine Verhandlungsposition nicht. Über eine Runde konnte Bottas zaubern, über die Distanz nicht. Da nutzten sich immer die Reifen zu stark ab und die Reise ging rückwärts. Pech für den Fahrer: Das Ergebnis am Sonntag ist der letzte Eindruck, der bleibt.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Wilhelm

Mercedes-Ersatzfahrer ist seine beste Chance

Bottas hörte sich zwar seit dem Sommer auf dem Markt um, doch nach seinen Worten führten die Gespräche zu keinen konkreten Verhandlungen. "Ich glaubte auch noch immer an das Audi-Projekt und hoffte dort zu landen. Es sollte nicht sein. Es lief alles ein bisschen unglücklich, vor allem weil mir die Entscheidung aus der Hand genommen wurde."

Was kommt als nächstes, Herr Bottas? So steht es auch auf einem neuen Tattoo auf dem rechten Oberschenkel. "Das ist die große Frage, die ich mir jetzt stellen muss", gesteht der Vize-Weltmeister von 2019 und 2020. "Ich bin erst mal kein Formel-1-Fahrer mehr, glaube aber, dass ich dem Sport noch viel geben kann. Es gibt ein paar interessante Aufgaben, aber noch nichts Konkretes. Ich denke jetzt von Tag zu Tag."

Eine unmittelbare Zukunft in einer anderen Rennserie wie der WEC oder IndyCar kann sich Bottas nicht vorstellen. Nicht, weil er kein Interesse hätte, sondern weil ihm die Zeit davonläuft. "Wir haben schon fast Dezember. Da sind alle Cockpits anderswo vergeben. Realistischer ist in der Formel 1 einen Job für 2025 zu suchen und dann 2026 sich in anderen Rennserien umzuschauen, wenn sich aus dem Formel-1-Job nichts ergibt."

Noch ist Bottas nicht einmal in der Planungsphase angelangt. "Ich muss mir im Kopf erst einmal klar sein, was ich will. Das Bild beginnt aber langsam schärfer zu werden." Die Szene tippt, dass Bottas wieder bei Mercedes landen könnte. Als Ersatzfahrer und Rückversicherung, sollte Rookie Andrea Kimi Antonelli Probleme haben sich in der Königsklasse zu akklimatisieren.