Schmidts F1-Blog: Bühne für Schurkenstaaten

Schmidts F1-Blog zum Saudi-Arabien-GP
Große Bühne für Schurkenstaaten

GP Saudi-Arabien 2022

Das Geschäft mit der Formel 1 brummt. Wenn es unbegrenzt Termine gäbe, könnte die Königsklasse in 30 Ländern fahren, erklärte F1-Boss Stefano Domenicali jüngst. Und es kommen immer mehr dazu, die man hierzulande spöttisch Schurkenstaaten nennt. Wobei sich das nicht auf die Menschen in den Ländern bezieht, sondern auf deren autokratische Regierungen, die vor Auftragsmord, juristischer Willkür, Freiheitsberaubung und Krieg nicht zurückschrecken.

In der Saison 2021 tourte die Formel 1 mit Russland, Saudi-Arabien, Aserbaidschan, Katar, Bahrain, Singapur und der Türkei in sieben Ländern, die auf der Shitlist von Amnesty International weit oben stehen. Dazu würde auch China gehören, das derzeit aus Angst vor Corona seine Türen geschlossen hält.

All diese Länder zahlen gutes Geld, um mit der Formel 1 ihr Image aufzupolieren. Regelmäßig muss sich das Formel-1-Management deshalb die Frage gefallen lassen, ob man diesen Ländern eine solche Bühne bieten dürfe.

Impressionen - Formel 1 - GP Saudi-Arabien - Jeddah - 24. März 2022
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Bringt Formel 1 Veränderung?

Man bekommt dann stets als Antwort, dass man jedem die Chance geben müsse, sich zu verbessern. Dass Boykott auch Wegschauen bedeute und dass man nur etwas ändern könne, wenn man die eigenen Werte dorthin trage. Tatsächlich musste Saudi-Arabien über 60 Gesetze ändern, damit der Grand Prix dort überhaupt möglich wurde. Zum Beispiel, dass Männer und Frauen im gleichen Raum essen dürfen.

Bis jetzt hat sich die Formel 1 immer recht geschmeidig durch ihre Veranstaltungen an fragwürdigen Orten gemogelt. Sie zog immer erst dann die Reißleine, wenn es keine andere Option mehr gab. Argentinien fiel 1982 aus dem Kalender, als die Verbrechen der Militärjunta zu deutlich wurden. Südafrika 1986 wegen des Apartheitregimes. Russland 2022 wegen des Überfalls auf die Ukraine. Bahrain musste 2011 pausieren, als der Arabische Frühling für Unruhen sorgte.

In Saudi-Arabien fiel zum ersten Mal eine Rakete vom Himmel und schlug in einem Öldepot in der Nähe der Rennstrecke ein. Die Fahrer wollten den Grand Prix absagen und ließen sich erst überzeugen, als die lokale Regierung Sicherheitsgarantien abgab.

Meeting - GP Saudi-Arabien - 2022
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Grundsatzdiskussion ohne Ergebnis

Die Experten erklärten den F1-Piloten zum Beispiel, dass die Huthi-Rebellen aus dem Jemen ihre Raketen nur auf Infrastruktur abfeuern würden, weil sie genau wüssten, dass die Saudis alle Geschosse, die auf bewohnte Gebiete zielen, mit Verteidigungswaffen aus den USA abfangen würden.

Ob bei einer Absage tatsächlich mit einer Blockade der Fracht und einem Ausreisestopp gedroht wurde, ließ sich nicht erhärten. Regierungsvertreter beteuerten, dass eine Absage das geringere Übel gewesen sei, als den Gästen aus dem Abendland nicht absolute Sicherheit garantieren zu können.

Das Thema soll damit nicht vom Tisch sein. Die Grundsatzdiskussion wird jedoch kaum zu einem künftigen Boykott führen. Ein Wandel in den jeweiligen Ländern wäre ja gut. Aber nur, wenn man vorher die Verbrecher aus den Regierungen jagt. Dazu wird es nicht kommen.