Max Verstappen gewann den GP Spanien mit der linken Hand. Sein einziges Problem waren die Streckenbegrenzungen. Doch selbst als er für drei Übertretungen die gelbe Karte gezeigt bekam, ließ sich der WM-Spitzenreiter die Jagd nach der schnellsten Rennrunde nicht verbieten. Es reichte für ihn auch mit angezogener Handbremse.
Der beste Verfolger war diesmal Mercedes mit den Plätzen 2 und 3 für Lewis Hamilton und George Russell. Das könnte ein Trend werden, denn dieser runderneuerte Mercedes macht den Eindruck, als könnte aus ihm etwas werden, wenn man ihn noch besser kennenlernt und weiterentwickelt. Mercedes hängte seine direkten Gegner Ferrari, Aston Martin und Alpine um 22, 39 und 45 Sekunden ab.
Größtes Problem ist die Unbeständigkeit
Bei Ferrari und Aston Martin herrschte Ratlosigkeit. Wie konnte man so viel Zeit verlieren? Und warum funktionierte der eine Reifensatz und der andere nicht? Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur wird langsam müde, immer das gleiche zu erzählen. "Unser größtes Problem ist die Unbeständigkeit. Sie ist nicht zu erklären."
Carlos Sainz fuhr mit den heiklen Soft-Reifen einen guten ersten Stint, auch wenn er vier Runden vor Fernando Alonso und neun Runden vor Lewis Hamilton an die Boxen kommen musste. Im zweiten Abschnitt auf Medium-Reifen stürzte der Spanier ab und verlor drei Positionen. Nur, um im Finale auf harten Reifen wieder normale Rundenzeiten zu fahren.

Gleiches Bild bei Charles Leclerc, der hart-soft-hart wählte. Trotz gleicher Reifenmischung präsentierte sich der Ferrari mit der Startnummer 16 ein Mal schlecht, ein Mal gut ausbalanciert. Dabei waren die Probleme, die Leclerc in der Qualifikation schon aus dem Q1 gerissen hatten, weitgehend behoben. "Wir wissen zwar immer noch nicht, was es war, haben aber sicherheitshalber das ganze Heck gewechselt. Im ersten Stint, dachte ich, dass sich der Samstag wiederholt. Doch im zweiten und dritten kehrte das normale Gefühl für das Auto wieder zurück", erklärte Leclerc.
Gut auf eine Runde, schlecht auf die Distanz
Carlos Sainz wollte das Upgrade nach seinem ersten Auftritt nicht gleich schlecht reden. "Wir brauchen mehr Daten, um es zu verstehen." Der Spanier sagt aber auch, dass er vor einem Jahr vom zweiten Startplatz aus nicht drei Positionen verloren hätte und Kollege Leclerc beim Start aus der Boxengasse immer noch als Vierter oder Fünfter ins Ziel gekommen wäre. Diesmal ging Leclerc leer aus. Am Ende fehlte der Speed, Pierre Gasly zu überholen.
Vasseur musste sich wieder die Rosinen aus einem Wochenende picken, das bei den Tifosi das nächste Erdbeben auslösen wird. Im Vergleich zu Miami hat man sich auf eine Runde verbessert. "Es ist ein Schritt vorwärts beim Potenzial des Autos. Aber im Rennen haben wir immer noch die gleichen Probleme wie vorher. Wir schaffen es nicht gleichmäßig schnelle Runden zu drehen." Leclerc fürchtet: "Es ist schwieriger das Problem mit der Unbeständigkeit zu lösen, als Speed zu finden."
Was war schuld am ersten Dämpfer für Aston?
Von Ferrari ist man Ratlosigkeit gewöhnt. Aston Martin war in den ersten sechs Rennen neben Red Bull die Konstante im Feld. Doch nach seinem Heimspiel war auch Großmeister Fernando Alonso um so manche Antwort verlegen. "Uns fehlte der Speed. Sowohl auf den weichen als auch den harten Reifen. Heute hätte uns keine Strategie weiter nach vorne gebracht."

Lance Stroll und Fernando Alonso betrieben auf den Plätze 6 und 7 Schadensbegrenzung. "Wir haben uns nach hinten auf die Alpine und Alpha Tauri konzentriert statt nach vorne auf Mercedes und Ferrari", resümierte Alonso. Ob das Streckenlayout am ersten Dämpfer für Aston Martin schuld war, das Upgrade, die Fahrzeugabstimmung oder einfach die Tatsache, dass die Gegner mit ihren neuen Teilen einen größeren Schritt gemacht hatten, war so kurz nach dem Rennen nicht auszumachen.
Laut Alonso hat man am Wochenende einfach nie den richtigen Rhythmus gefunden, sich am Freitag zwischen den Reifentests für Pirelli und dem Datensammeln für die Upgrades aufgerieben. "Wir haben länger als sonst gebraucht, das Auto abzustimmen."
Das führte am Sonntag dazu, dass der sonst so schonende Umgang des Aston Martin AMR23 mit den Reifen aus den Fugen geriet. "Je nach Temperatur hat der gleiche Reifentyp mal besser, mal weniger funktioniert", wunderte sich Teamchef Mike Krack. Seine Forderung: "Wir müssen verstehen warum." Er weigerte sich aber von einer Niederlage zu sprechen. "Wir sollten nicht allzu enttäuscht mit dem Ergebnis sein. Trotz der Probleme haben wir immer noch solide Punkte gesammelt." Mehr als Ferrari, weniger als Mercedes.