Otmar Szafnauer: Darum war Vettel der beste Fahrer

Cleverer Trick von Sebastian Vettel
Szafnauer enthüllt Restart-Geheimnis

Otmar Szafnauer war schon immer ein Mann klarer Worte. Doch nach seinem Rauswurf bei Alpine Ende Juli 2023 war es längere Zeit etwas ruhiger geworden um den US-Amerikaner. Doch jetzt meldete sich der 60-Jährige im britischen "High Performance"-Podcast ausführlich zu Wort, um einige Dinge klarzustellen und über seine Zeit als Formel-1-Teamchef zu sprechen.

Mit bemerkenswerter Offenheit gab Szafnauer dabei auch Auskunft über seine schwierige Zeit bei Alpine und den unfreiwilligen Abschied. Demnach wurde der Sportmanager mit falschen Versprechen zum Rennstall nach Enstone gelockt. "Mir wurde gesagt, dass mir alle Abteilungen direkt unterstellt sind. Aber dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich nicht das komplette Team unter meiner Kontrolle habe", beklagt sich der gebürtige Rumäne.

Otmar Szafnauer & Alan Permane - GP Belgien 2023
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Problem der Kultur bei Alpine

So habe die Personalabteilung, die Finanzbuchhaltung, das PR-Team und die Marketing-Gruppe am Teamchef vorbei direkt an die Konzernleitung in Frankreich berichtet. Es habe eine Kultur des Misstrauens geherrscht. Gute Leute wurden rausgeworfen. Entscheidungsträger haben mehr auf ihre eigene Karriere als auf den Erfolg des Teams geachtet.

So wurde Szafnauer zum Beispiel auch die Schuld für den Abgang von Oscar Piastri zu McLaren in die Schuhe geschoben, obwohl er zum Zeitpunkt, an dem der Pilot einen bindenden Vertrag hätte unterschreiben müssen, noch gar nicht an Bord war. Szafnauer musste dann die Scherben aufsammeln und die Fehler seiner Vorgesetzten ausbaden.

Dazu seien seine Leistungen beim Aufbau des Rennstalls nicht gewürdigt worden: "Wir lagen auf Rang sechs, haben zwei Podiumsplätze eingefahren und regelmäßig gepunktet. Es war kein Desaster. Und wo steht das Team jetzt? Auf Rang neun. Das ist ein Desaster. Manchmal muss man einen halben Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen. Ich habe damals alles ans Laufen gebracht und wollte Alpine zu einem Top-3-Team formen."

Nico Hülkenberg - Force India - Otmar Szafnauer
Force India

Szafnauer bezahlt Gehälter

In dem gut einstündigen Interview blickt Szafnauer auch zurück auf seine erste Teamchef-Station bei Force India, wo er mit begrenzten finanziellen Mitteln immer wieder die großen Teams ärgern konnte. Schlüssel zum Erfolg sei damals der starke Teamgeist und die tolerante Fehlerkultur des Rennstalls gewesen, die ein angenehmes Arbeitsklima schaffte. So konnte man auch immer wieder talentiertes Personal von der etablierten Konkurrenz weglocken.

Laut Szafnauer musste die Teamführung aber auch regelmäßig tricksen, um mit dem knappen Geld über die Runden zu kommen. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich zurück, wie er seine Angestellten in den lokalen Baumarkt schickte, um Werkbänke zu besorgen. Professionelles und maßangefertigtes Equipment wäre einfach zu teuer gewesen. In Zeiten ohne Budget-Cap hatten andere Teams mit drei bis vier Mal so großen Belegschaften operiert. Beim Entwicklungsbudget wog der Nachteil laut dem Ex-Teamchef sogar noch um ein Vielfaches schwerer.

Szafnauer nutzte die Gelegenheit auch, um Gerüchte zu bestätigen, nach denen er bei Force India in zwei Fällen die Gehälter seiner Angestellten aus eigener Tasche bezahlen musste, um kurzzeitige Cashflow-Schwierigkeiten zu überbrücken. Damals sei es um Millionenbeträge gegangen. "Das war nicht ohne Risiko. Was wäre, wenn die versprochenen Einnahmen nicht gekommen wären oder ein anderer Schuldner das frische Geld direkt verlangt hätte?", blickt der Ex-Teamchef zurück.

Sebastian Vettel & Otmar Szafnauer - Formel 1
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Sonderlob für Vettel

Am Ende des Podcasts ging es auch noch um das Thema Fahrer. Auf die Frage, welcher der beste Pilot gewesen ist, mit dem er in seiner langen Formel-1-Zeit gearbeitet hat, wirft Szafnauer den Namen Sebastian Vettel in den Ring. "Was ich an ihm am meisten schätze, ist seine nicht nachlassende Arbeitsmoral. Dazu war er noch ein richtiger Wettkampftyp, der dieses innere Feuer besitzt."

Um die Tugenden des Heppenheimers zu verdeutlichen, hatte Szafnauer auch direkt ein Beispiel parat: "Er wollte von den Ingenieuren immer wissen, an welchen Stellen die Zielgerade den meisten Grip bietet. Unser Reifeningenieur musste dann verschiedene Bereiche des Asphalts messen. Im Falle eines Restarts hätte er dann genau dort das Tempo angezogen, sodass er bei der Beschleunigung einen Vorteil gegenüber den anderen hat."

Dummerweise war die Erfolgsquote dieses Tricks in der Zeit bei Aston Martin eher gering, wie Szafnauer bedauert: "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einem Aston Martin bei einem Restart mal ein Rennen anführen, war leider nicht sehr hoch. Aber das war ihm egal. Er musste es trotzdem wissen. Nur für den Fall. Er ließ einfach keinen Stein auf dem anderen."