Imola ist bei den Fahrern beliebt. Weil es noch eine Rennstrecke der alten Schule ist. Eng, bergauf, bergab, mit allen Arten von Kurven. Seit diesem Jahr ist das Autodromo Dino e Enzo Ferrari noch mehr Old School. In den Kurven 9, 11, 12, 13, 14 und 15 ersetzen Kiesbetten die einst asphaltierten Auslaufzonen.
Den Fahrern gefällt das. Da gibt es wenigstens keine Diskussionen um Streckenlimits. Doch Kiesbetten haben auch ihre Tücken, weiß Fernando Alonso: "Ein Ausrutscher in den Kies oder einmal zu hart über die Randsteine ist gleichbedeutend mit einem Ausfall. Die Aerodynamik ist heute so komplex, die einzelnen Komponenten sind so filigran, dass die kleinste Beschädigung viel Rundenzeit kostet."

Am Streckenrand lauern in Imola nun deutlich mehr Kiesbetten.
Kleine Fehler, große Wirkung
Bei einem Ritt durchs Kiesbett nimmt der Unterboden fast immer Schaden. Kritisch sind vor allem die vertikalen Leitbleche im vorderen Venturi-Kanal. Wie sensibel die Groundeffect-Autos reagieren, wenn man neben die Strecke gerät, hat Max Verstappen in Miami erfahren. Da reichte ein Plastikpoller, um ein Loch in den Unterboden zu schlagen.
Mit einem beschädigten Unterboden muss man den Rest des Rennens leben. Einen Frontflügel kann man wenigstens wechseln, doch der Zeitverlust ist bei dem eng gestaffelten Feld auch eine Strafe, von der man sich kaum erholt.
Stichwort Frontflügel: Aston Martin hat in Imola eine völlig neue Version mit modifizierten Flaps, Hauptblatt-Profil und Endplatten präsentiert. Auch die Nase des Autos hat eine neue Form. Es ist das zweite größere Upgrade nach dem Rennen in Suzuka. Alonso bremst trotzdem die Erwartungen. "Es ist ein guter Fortschritt, aber wir hatten in dieser Saison fast bei jedem Rennen neue Teile, und alle haben etwas gebracht. Trotzdem sind wir noch Fünfter in der WM."

Aston Martin hat einen komplett neuen Frontflügel nach Imola mitgebracht.
Enges Entwicklungsrennen
Der Oldie gibt seinem Aston Martin gute Noten. "Es ist ein besseres Rennauto als im Vorjahr, aber mit schlechteren Resultaten. In der Formel 1 ist alles relativ. Wenn du ein halbes Zehntel vorankommst, dein Gegner aber zwei, fällst du hinter ihn." Genau das ist Aston Martin passiert. Alonso bleibt trotzdem optimistisch: "Wir haben eine viel höhere Frequenz an Upgrades als im letzten Jahr. Das wird sich irgendwann auszahlen."
Die größte Schwachstelle des AMR24 adressiert die Ausbaustufe von Imola noch nicht. Das Auto geht generell zu hart mit seinen Reifen um. "Das ist ein separates Projekt, das wir nicht über Nacht lösen werden. Aber wir bewegen uns auch da in die richtige Richtung", erklärt Alonso.