Ein neuer Fahrer bei Ferrari ist immer eine große Sache. Wenn der neue Fahrer auch noch ein siebenmaliger Weltmeister und 105-facher Rennsieger ist, dann ist die Aufregung natürlich besonders groß. Mit dem Jahreswechsel wurde der Wechsel von Lewis Hamilton von Mercedes zu Ferrari formell vollzogen. Nach dem Winterurlaub nutzte der Neuzugang nun die Gelegenheit, persönlich in Maranello vorbeizuschauen.
Umringt von den Hausfotografen nahm sich Hamilton am Montag (20.1.) viel Zeit, um sich bei allen seinen neuen Teamkollegen in der Fabrik per Handschlag vorzustellen. Die Karawane wanderte von Abteilung zu Abteilung. Der Rennfahrer blickte dabei in viele optimistische Gesichter. Es wehte ein frischer Wind durch die heiligen Hallen an der Via Enzo Ferrari 27. Nach dem knapp verpassten WM-Titel im Vorjahr herrscht jetzt Aufbruchstimmung.
Um Hamilton gebührend zu empfangen, war natürlich auch die Teamleitung komplett angetreten. Vor dem historischen Haus von Enzo Ferrari, auf dem Platz, der nach seinem Vorgänger Michael Schumacher benannt wurde, posierte Hamilton mit Teamchef Frédéric Vasseur, Ferrari-Vorstand John Elkann und Geschäftsführer Benedetto Vigna.

Lewis Hamilton posierte mit einem Ferrari F40 auf dem Michael-Schumacher-Platz vor dem alten Haus von Enzo Ferrari.
Erster Test steht kurz bevor
Direkt um die Ecke, auf der hauseigenen Teststrecke von Fiorano, sollen in den kommenden Tagen noch die ersten Proberunden im roten Rennauto folgen. Den Regeln entsprechend darf sich Hamilton dabei aber nicht gleich in das aktuelle Modell setzen, sondern muss sich mit dem knapp zwei Jahre alten Ferrari SF-23 eingrooven. Um einen Fan-Ansturm zu vermeiden, verzichtet Ferrari darauf, einen konkreten Termin zu nennen.
Unbegrenzt darf Hamilton dabei keine Runden drehen. Das neue Reglement sieht für die sogenannten "TPC"-Tests strenge Restriktionen vor. So dürfen die beiden Stammpiloten höchstens vier Testtage pro Jahr mit maximal 1.000 Kilometern pro Fahrer abspulen. Erlaubt ist dabei jeweils nur ein Auto pro Testtag. Sollten beide Fahrer zum Einsatz kommen, müssen sie sich das Auto also teilen.
Vor dem ersten Test stehen noch Sitzanpassung und weitere Gespräche mit den leitenden Ingenieuren auf dem Programm. Beim Wechsel der Antriebstechnik von Mercedes auf Ferrari muss Hamilton natürlich jede Menge neue Prozeduren lernen. Und auch die andere Belegung der Funktionen auf dem Lenkrad muss der Pilot vor dem ersten Testeinsatz verinnerlichen.
"Es gibt Tage, von denen man weiß, dass man sie nie vergessen wird. Mein erster Tag als Ferrari-Fahrer ist einer dieser Tage", strahlte Hamilton bei seinem Antrittsbesuch. "Ich hatte das Glück, in meiner Karriere Dinge erreicht zu haben, die ich niemals für möglich hielt. In mir drin schlummerte aber stets dieser Traum, einmal in Rot zu fahren. Ich könnte nicht glücklicher sein, dass dieser Traum heute wahr wird. Ich bin fest entschlossen, alles, was in mir steckt, für dieses Team, die Organisation und die Fans zu geben. Heute beginnen wir ein neues Kapitel in der Geschichte dieses legendären Teams. Ich kann es kaum erwarten, herauszufinden, welche Story wir gemeinsam schreiben werden."

Ferrari geht bei der Vorderachse neue Wege. Beim Pullrod-Konzept folgt man McLaren und Red Bull.
Ferrari mit neuer Vorderradaufhängung
Die nächsten Tage vor Ort werden auch dazu dienen, sich von den Ingenieuren auf den neusten Stand bei der Entwicklung des 2025er-Autos bringen zu lassen. Wie die Kollegen von "The Race" herausgefunden haben, soll der 2025er-Ferrari-Renner mit einer komplett umgebauten Vorderradaufhängung an den Start gehen, die nach dem Pullrod-Prinzip arbeitet – so wie es auch bei Red Bull und McLaren der Fall ist.
Den gleichen Umbau hatte Sauber schon vor der letzten Saison durchgeführt. Der Erfolg hielt sich allerdings in Grenzen. Der Wechsel von Pushrod auf Pullrod sorgt vor allem für aerodynamische Vorteile. Allerdings müssen die Ingenieure erst einmal Erfahrung bei der richtigen Abstimmung sammeln.
Laut "The Race" soll sich Haas schon entschieden haben, das Ferrari-Upgrade für das 2025er-Auto nicht zu übernehmen. Das Kundenteam, das neben dem Antrieb auch das Getriebe, die Hydraulik und die Aufhängungen aus Maranello bezieht, soll demnach weiterhin mit der 2024er-Vorderachse von Ferrari fahren. Weil das Vorjahresmodell gut funktioniert hat, wäre ein solch massiver Umbau für ein kleines Team wie Haas mit zu viel Risiko verbunden.