Nach dem gemütlichen Einrollen in Fiorano ging die Einarbeitungszeit von Lewis Hamilton diese Woche in Barcelona in die zweite Phase. Ferrari hatte die komplette Grand-Prix-Strecke für private Testfahrten in einem zwei Jahre alten SF-23 gemietet. Schon am Dienstag (28.1.) drehten beide Piloten fleißig Übungsrunden auf dem katalanischen Grand-Prix-Kurs.
Am Mittwoch lief das Programm dann nicht mehr ganz so reibungslos ab. Nach Informationen der italienischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com soll sich der englische Neuzugang kurz vor der Mittagspause einen Abflug geleistet haben, was von Ferrari auf Anfrage von auto motor und sport mittlerweile bestätigt hat. Nach den Medienberichten hat sich der Crash um kurz nach 11 Uhr im letzten Sektor ereignet.
Weil die Testfahrten hinter verschlossenen Türen stattfinden, sind zum Unfallhergang nicht viele Details bekannt. Laut dem Bericht soll Hamilton die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben und in die Auslaufzone gerutscht sein. Erst die Bande stoppte die unfreiwillige Stunteinlage des Rekordsiegers. Streckenposten eilten direkt an den Unfallort, konnten aber schnell Entwarnung geben. Hamilton überstand seinen ersten Ferrari-Crash unverletzt.

Nach dem Crash schaffte es der Ferrari nur mit fremder Hilfe zurück an die Boxen.
Ferrari auf dem Abschleppwagen
Das beschädigte Auto wurde mit einem Kran auf die Ladefläche eines Transporters gehievt und zu den Boxen zurückgebracht. Über das Ausmaß des Schadens an dem 2023er-Ferrari ließ sich nur spekulieren. Angeblich sei die Reparatur vor Ort machbar. Klar war aber, dass sich der Einsatz von Charles Leclerc, der für den Nachmittag eingeteilt war, etwas verzögerte.
Die Testfahrten sollen noch bis Donnerstag andauern. Für das große Finale waren die beiden Stammfahrer aber nicht mehr eingeteilt. Auf dem Testplan der Scuderia stehen die beiden Werkspiloten Antonio Giovinazzi und Dino Beganovich.
Für Hamilton und Leclerc geht das Praxis-Programm erst in der kommende Woche an gleicher Stelle weiter. Zusammen mit McLaren wird Ferrari Testrunden mit neuen Pirelli-Prototypenreifen für 2026 drehen. Dabei wird Hamilton dann auch erstmals im 2024er-Auto sitzen, das allerdings an die veränderten Reifendimensionen und die zu erwartenden Abteriebslevel angepasst wird.

Für Hamilton geht es in Barcelona darum, das Mercedes-Gefühl aus den Knochen zu bekommen und die Ferrari-Technik zu verinnerlichen.
Hamilton-Crash beim Eingrooven
Im Rahmen der sogenannten TPC-Tests ("Testing in Previous Cars") im SF-23 sind pro Stammfahrer 1.000 Kilometer erlaubt, die Ferrari eigentlich auch voll nutzen wollte. Dabei ging es für Hamilton nicht nur darum, den Rost der Winterpause abzuschütteln, sondern auch um die Eingewöhnung an die neue rote Technik.
Der Neuzugang muss das im Vergleich zu Mercedes veränderte Gefühl beim Bremsen und beim Lenken verinnerlichen. Auch das Ansprechverhalten des Motors ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Ein weiterer Punkt, der bei den Testfahrten abgehakt werden sollte, ist der Ablauf von Standard-Prozeduren, wie zum Beispiel der Startsequenz.
Hamiltons neuer Renningenieur Riccardo Adami ist ebenfalls vor Ort in Barcelona, um möglichst schnell mit seinem Schützling auf eine Wellenlänge zu kommen. Spätestens beim Saisonstart Mitte März in Melbourne muss die Kommunikation funktionieren. Dann wären Ausrutscher auf der Strecke deutlich ärgerlicher als bei Testfahrten.