Die Silly-Season beginnt dieses Jahr schon mit dem zweiten Rennen. Eigentlich hatte man bei Red Bull gehofft, dass der kostspielige Rauswurf von Sergio Perez in der Winterpause endlich für Ruhe sorgt, was die Fahrerfrage angeht. Doch nach zwei Pleite-Wochenenden in Folge droht Perez-Ersatzmann Liam Lawson sein Red-Bull-Cockpit schon früh wieder zu verlieren.
Beim Saisonstart in Melbourne konnte man noch Technik-Pech im dritten Training sowie schwierige Wetterbedingungen im Rennen als Entschuldigung für die enttäuschenden Resultate anführen. Lawson musste bei seinem Red-Bull-Debüt nach Quali-Platz 18 aus der Boxengasse starten. Statt der erhofften Aufholjagd am Sonntag gab es einen Crash in Runde 46 und kritische Worte der Teamleitung.
In China lief dann eine Woche später auch nicht viel zusammen. In beiden Quali-Sessions belegte Lawson den allerletzten Platz. Im Rennen am Sonntag ging es nach einem Setup-Umbau wieder aus der Boxengasse los. Am Ende häufte sich der Rückstand auf Max Verstappen im Schwesterauto auf mehr als eine Minute an. Die ersten WM-Punkte lagen dabei stets außer Reichweite.

Yuki Tsunoda könnte bei seinem Heimspiel von Toro Rosso in den Red Bull wechseln.
Tsunoda für Lawson in Suzuka?
Helmut Marko ist bei Formkrisen seiner Fahrer nicht für eine lange Zündschnur bekannt. Wer im Red Bull sitzt, muss abliefern. "Es ist nicht das, was wir uns erwartet haben", sagte der Österreicher schon nach dem Qualifying von Lawson am Sky-Mikrofon. "Wir werden das in Ruhe analysieren. Wir haben ja einige Fahrer, die sich empfehlen. Gott sei Dank sind wir da gut aufgestellt." Die Formel 1 sei Leistungssport. Nur die Ergebnisse zählen, betont der Doktor.
Nachdem Lawson auch am Sonntag keine Anzeichen der Besserung liefern konnte, geisterten schnell die ersten Spekulationen über eine vorzeitige Absetzung durchs Fahrerlager. Sky-Experte Ralf Schumacher war sich nur wenige Stunden nach der Zieldurchfahrt sicher: "Liam Lawson ist jetzt schon raus für das nächste Rennen. Tsunoda wird ihn ersetzen." Passenderweise steht als nächster Grand Prix Tsunodas Heimrennen in Suzuka auf dem Spielplan.
Offiziell bestätigen wollte diese Entscheidung bei Red Bull aber noch niemand. Teamchef Christian Horner musste sich nach dem Rennen aber einige kritische Fragen zur Personalie Lawson gefallen lassen. "Liam hat zwei harte Rennen hinter sich. Wir haben uns entschieden, ihn aus der Box starten zu lassen, um das Setup zu ändern. Wir haben 56 Runden lang gute Daten gesammelt. Die werden wir uns jetzt genau anschauen. Als Team werden wir alles dafür tun, um ihn zu unterstützen."

Das Auto zu langsam, Max Verstappen auf dem Absprung und jetzt noch die Frage nach dem zweiten Fahrer - die Red-Bull-Leitung hat aktuell viele Baustellen.
Red-Bull-Meeting in Milton Keynes
Auf die konkrete Nachfrage, ob Lawson in Suzuka noch im Red Bull sitzt, antwortete Horner ausweichend: "Im Fahrerlager wird es immer Spekulationen geben. Wie gesagt, haben wir jetzt gerade erst das Rennen beendet. Wir sammeln nun die ganzen Informationen und werden uns das genau anschauen. Alles andere ist im Moment spekulativ."
Helmut Marko kündigte bereits an, dass es noch in dieser Woche zum Krisentreffen in Milton Keynes kommen soll. Hier müssen die Ingenieure erklären, wie sie den RB21 zu einem Siegerauto machen wollen. Und hier soll auch geklärt werden, wie es mit dem Fahrerpersonal weitergehen wird. Nach unseren Informationen ist die Entscheidung zum Tausch der Piloten noch nicht offiziell gefallen.
Bei Red Bull muss man sich überlegen, ob Lawson mit einer Degradierung in den Toro Rosso wieder Selbstvertrauen tanken kann? Und ob man nicht Gefahr läuft, Yuki Tsunoda mit einer vorschnellen Beförderung in den Red Bull zu verheizen. Max Verstappen hatte zuletzt immer wieder beklagt, dass der RB21 nicht einfach zu fahren sei. Dazu kommt noch der Druck, neben dem vierfachen Weltmeister bestehen zu müssen. Die Aussagen Horners sprechen eher für den Tausch innerhalb des Red-Bull-Kaders. Das fehlende Dementi zum Fahrerwechsel hält die Gerüchteküche bis zur offiziellen Entscheidung am Brodeln.