Norris-Strafe: Schlechte Regeln, schlechte Strecken

Schmidts F1-Blog zur Norris-Strafe
Schlechte Regeln, schlechte Strecken

GP USA 2024

Wir alle wollen spannende Zweikämpfe auf der Rennstrecke sehen. Doch die Schiedsrichter schauen stets genau darauf, ob dabei auch immer alle Regeln eingehalten werden. Und wenn es mal richtig heiß hergeht, funken sie dazwischen.

Danach gibt es hundert Meinungen zu diesem Thema. Das ist oft so unbefriedigend wie der VAR-Eingriff beim Fußball. Weil man, wie es Charles Leclerc so treffend ausdrückt, gar nicht alle Szenarien durch Regeln abbilden kann. Jedes Überholmanöver, jeder Angriff und jede Verteidigung ist anders.

Norris vs Verstappen - GP USA 2024
xpb

Regeln immer auf Seiten des Verteidigers

In Austin hatten wir wieder so einen Fall, an dem sich die Gemüter erhitzten. Lando Norris greift Max Verstappen am Ende der langen Geraden auf der Außenspur an. Er ist schon vorbei, doch Verstappen bremst innen so spät, dass er am Scheitelpunkt die Nase vorn hat. Das ist der entscheidende Punkt.

Verstappen hat natürlich keine Chance, die Kurve innerhalb der Strecke zu bekommen und drängt dabei den McLaren in die Auslaufzone. Der sonst so brave Norris bleibt auf dem Gas und geht neben der Piste am Red Bull vorbei. Norris sieht sich im Recht und gibt die Position nicht wieder her. Auch Verstappen sieht die Regeln auf seiner Seite und fordert eine Strafe für seinen Gegner.

Die Sportkommissare schlagen sich auf die Seite des Niederländers. Weil sie gar nicht anders können. Sie befolgen schlicht die Regeln. Regeln, die von den Fahrern so befürwortet wurden. Also dürfen sie sich auch nicht beschweren. Doch nicht das Urteil ist falsch, sondern die Regeln. Wer sie zugrunde legt, verhindert praktisch jedes Überholmanöver, wenn der Verteidiger so clever ist wie Verstappen.

Guanyu Zhou - Sauber - GP Österreich 2024
Wilhelm

Kiesbetten als Lösung?

Um einen Angriff abzublicken, muss ein Fahrer nur die Innenspur zubetonieren und dann so spät bremsen wie möglich. Wenn er dabei auf der anderen Seite der Kurve über die Strecke hinausschießt? Egal. Der Angreifer darf neben der Strecke ja nicht außen vorbeifahren.

Umgekehrt funktioniert das nicht. Findet der Angreifer innen eine Lücke, wie im Fall George Russell gegen Valtteri Bottas, und bremst dabei genauso spät wie Verstappen, dann kassiert er die Strafe, wenn er seinen Gegner neben die Strecke drängt. Mercedes-Teamchef Toto Wolff findet diese Regelung Willkür. Auch zu Recht. Weil der Verteidiger für etwas davonkommt, für das der Angreifer bestraft wird.

Sauber-Sportdirektor Beat Zehnder verteidigt die Sportkommissare. Sie haben die Regeln befolgt, wenn auch kleinlich. Helmut Marko fordert, den Fahrern mehr Freiheiten zu geben. Ohne weitere Maßnahmen würde das allerdings zu Wildwest-Szenen führen.

Markos Vorschlag: Baut die Strecke so um wie den Red Bull Ring. Hinter Kurve 12 in Austin gehört ein kurzer Kiesstreifen, dann Asphalt. Dann wird durch die Streckengegebenheiten der Schnellere der beiden Streithähne belohnt. In beiden Fällen der Angreifer. Also Norris und Russell. So sollte es auch sein.