Welche Strafe gibt man einem Team, das den Kostendeckel überzogen hat? Diese Frage stellt sich das Fahrerlager seit bekannt geworden ist, dass zwei Teams die Regeln der Finanzregularien der FIA gebrochen haben. In Paragraf 9.1. werden mögliche Strafen aufgelistet, die dann je nach Einzelfall angewandt werden. Ein Strafmaß ist, dem Team und dem Fahrer Punkte abzuziehen.
In der Geschichte der Formel 1 kam das schon vor. Allerdings wegen anderer Vergehen. Die Budgetdeckelung gilt erst seit 2021. Tyrrell wurde 1984 für die komplette Saison disqualifiziert. Alle Punkte, die Stefan Bellof und Martin Brundle bis zum GP USA-Ost erzielt hatten, wurden getilgt. Darunter der zweite Platz von Brundle in Detroit und ein dritter Rag von Bellof in Monte Carlo.
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Fall Tyrrell 1984
Die technische Abnahme in Detroit ergab, dass Tyrrell systematisch betrogen hatte. In einem Wassertank wurden Bleikügelchen gefunden. Der angebliche Wasserinhalt sollte in die Ansaugtrichter des Cosworth-V8 gespritzt werden, um über bessere Innenkühlung der Zylinder den Motor zu schonen. Doch das war nur Fassade. Die Tyrrell wurden kurz vor Schluss mit Bleikugeln betankt, um sie auf das erforderliche Mindestgewicht zu bringen.
Der Verdacht lag auf der Hand: Tyrrell war untergewichtig unterwegs. Teilweise bis zu 50 Kilogramm. Die FIA sprach den Rennstall in vier Punkten schuldig. Unerlaubtes Auffüllen von Flüssigkeiten, nicht regelkonformes Benzin, beweglicher Ballast und irreguläre Benzinleitungen in Tateinheit. Tyrrell ging in Berufung, durfte noch unter Vorbehalt drei Rennen weiterfahren, bis das endgültige Urteil gesprochen wurde. Der Verband schloss beide Autos von der kompletten Weltmeisterschaft aus.

Fall Michael Schumacher 1997
Michael Schumachers Traum vom WM-Titel mit Ferrari stand 1997 kurz vor der Vollendung. Der Deutsche ging mit den besseren Chancen in das WM-Finale in Jerez. Im Rennen sah zunächst alles nach dem lang ersehnten Ferrari-Triumph aus. Schumacher kontrollierte das Rennen bis zum letzten Boxenstopp.
Villeneuve hatte nach seinem letzten Reifenwechsel nur noch einen Joker in der Hand. Den spielte er eiskalt aus. Er musste an Schumacher vorbei, solange seine neuen Reifen noch einen Grip-Vorteil boten. Als er in der Dry-Sack-Haarnadel einen Überraschungsangriff startete, warf Schumacher viel zu spät die Türe zu.
Während Schumacher im Kiesbett feststeckte, fuhr Villeneuve weiter und sicherte sich als Dritter den WM-Titel. Erst nachdem ein Sturm der Entrüstung in den Medien gegen ihn losbrach, gestand Schumacher seinen Fehler ein. Das dicke Ende folgte eine Woche nach dem Finale. Die FIA entzog dem Ferrari-Piloten alle WM-Punkte.
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Fall BAR 2005
BAR strauchelte beim GP San Marino 2005 über die Technische Inspektion nach dem Rennen, bei dem Jenson Button Dritter und Takuma Saton Fünfter geworden war. Die FIA-Inspektoren fanden in Imola einen illegalen Zusatztank mit dem Volumen von 12 Litern, in dem sich nach der Zieldurchfahrt noch 3,2 Liter befanden. Die BAR-Ingenieure argumentierten, dass der angebliche Geheimbehälter ein zweiter Catch-Tank sei.
Die Sportkommissare glaubten der Erklärung nicht und witterten vorsätzlichen Betrug. Sie legten Einspruch gegen das Klassement ein, was im Endeffekt die Disqualifikation von Button und Sato bedeutete. Der Ausschluss wurde neun Tage später vom FIA-Berufungsgericht bestätigt. BAR durfte weder beim GP Spanien noch beim GP Monaco antreten. Für Motorenpartner Honda ein derber Gesichtsverlust.
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Fall McLaren 2007
Der Fall ging unter dem Wort "Spygate" in die Geschichte ein. McLaren-Ingenieur Mike Coughlan hatte von Ferrari-Logistikchef Nigel Stepney ein Dossier über 780 Seiten bei Testfahrten in Barcelona auf der Fahrt vom Flughafen an die Strecke erhalten. Mit Konstruktionszeichnungen, Daten, Abstimmungsblättern, Zukunftsplänen, Arbeitsprozessen und Budgets. Wer die Papiere hatte, wusste alles über Ferrari.
Der Datentransfer flog auf, als Coughlans Frau die Papiere in einem Copyshop in Woking einscannte und der Besitzer des Ladens Ferrari-Teammanager Stefano Domenicali in Kenntnis setzte. Das ganze hörte sich an wie eine schlechte Kriminalposse.
McLaren zahlte einen hohen Preis. Das Team wurde mit der Rekordsumme von 100 Millionen Dollar gebüßt und verlor alle Punkte in der WM-Wertung. Die Zwangsversetzung auf den 11. Platz kostete McLaren noch einmal 60 Millionen Dollar. So viel hätte es für Platz 2 in der Markenwertung gegeben, wären die 203 Punkte anerkannt worden.
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Fall Ferrari 2019
Ferraris Motor-Vorteil 2019 erregte Misstrauen bei den Gegnern. Teilweise gewannen die roten Autos bis zu einer Sekunde auf den Geraden. Mercedes und Red Bull unterstellten Ferrari in den Qualifikationsrunden, der Startrunde und bei allen Re-Starts einen Vorsprung von 50 PS. Natürlich mit unlauteren Mitteln. Die Vorwürfe gipfelten beim GP USA in einer von Red Bull beantragten Klarstellung durch die FIA. Mercedes hatte die Dokumentation verfasst, es aber Red Bull überlassen, an die Front zu gehen.
Nach dieser Theorie hat Ferrari die Durchflussmengen-Messung durch Manipulation des Mess-Signals umgangen und durch Einspritzen von mehr Kraftstoff als erlaubt kurzfristig eine Leistungssteigerung von fünf Prozent erzielt. Im Rennen wurde die erforderliche zusätzliche Menge von vier bis sechs Kilogramm Benzin verbrannt, ohne das es auffiel.
Die FIA erklärte sämtliche von der Konkurrenz unterstellten Tricks für illegal. Im Februar 2020 schloss sie mit Ferrari einen Vergleich. Der Weltverband hatte nach einer ausgiebigen Untersuchung im Winter Zweifel daran, dass der Ferrari-Motor zu jeder Zeit legal betrieben wurde, konnte es aber mangels Prüfständen nie hundertprozentig beweisen.
Ferrari behauptete weiter steif und fest, mit dem Motor sei alles in Ordnung gewesen. Trotzdem erklärte sich Ferrari bereit, dem Weltverband in Zukunft die Forschung für alternative Kraftstoffe zu unterstützen, was sie am Ende 15 Millionen Dollar gekostet hat.